Airlines auf der Jagd nach Asche: Staat und
Kunden sollen für die Verluste geradestehen
- Europas Fluglinien geht rund eine Milliarde Euro flöten
- Überlegungen zu Staatshilfe, Klagen & Ticketpreisen

·Österreicher sitzen
in Johannesburg fest
Weltweit warten Millionen Passagiere auf Heimflug
·"Das war die größte Fehlentscheidung"
Airline-Chef Lauda wettert
gegen Luftraumsperre
·Stark aschehaltiges
Geschenk des Himmels
Wer bei der Sperre des
Flugraums abgesahnt hat
·Britische Marine schickt Kriegsschiffe
Gestrandete Touristen fahren im Flugzeugträger
·Mit Flug und Recht
gegen höhere Gewalt
KLICKEN: Tipps für den
gestrandeten Passagier
·Vulkanausbruch wird
außerordentlich teuer
Fluglinien und Airports erwarten Millionenverluste
·Vulkanasche wirkt sich auf Weltklima aus
Experte: Könnte einen
"kühlenden Effekt" haben
·Bilder: Stundenlanges
Warten am Flughafen
Aschewolke: Tausende Passagiere sitzen fest
·Eyjafjalla stürzte Europa ins Chaos
BILDER: Gewaltige Aschewolke aus Island
Das stellt selbst 9/11 in den Schatten: 85 von 100 Flügen gestrichen, vier von fünf Flughäfen stehen still. Die isländische Aschewolke hat nicht nur das schwerste Verkehrschaos seit den Anschlägen auf das World Trade Center verursacht, sondern auch reichlich Geld verbrannt. Kohle, die sich die Fluglinien nun vom Staat zurückholen wollen. Und von den Kunden.
Eine runde Milliarde hat das Desaster aus heiterem Himmel die europäische Flugbranche bisher gekostet. Noch sind die Fluglinien mit der Wiederherstellung des regulären Flugverkehrs zu beschäftigt, um sich an die düstere Bilanz des vergangenen Wochenendes zu machen. Aber es gibt bereits erste Schätzungen - und die fallen verheerend aus.
Knappe zehn Millionen Euro wird die Vulkanasche voraussichtlich Fly Niki kosten und damit beinahe den gesamten Vorjahresgewinn von Niki Laudas Airline verschlingen. Und doch gibt es Fluglinien, die es noch schlimmer erwischt hat: British Airways darf mit einem Verlust von 90 Millionen Euro rechnen, in ähnlichen Dimensionen wird sich der Schaden der AUA-Mutter Lufthansa bewegen.
Geld vom Staat?
"Tatsache ist, dass wir hier riesige Verluste erleiden", fasst Air Berlin-Chef Joachim Hunold die Lage zusammen, um sogleich den Staat ins Spiel zu bringen: "Wir werden gucken, ob wir hier nicht eine vergleichbare Situation mit den Terroranschlägen vom September 2001 haben", was den Zugriff auf Staatshilfen beinhalten würde.
Die Idee, sich beim Staat für die erlittenen Verluste schadlos zu halten, hat inzwischen auch auf Österreich übergegriffen: Finanzielle Entschädigungen, wie sie Fly Niki prüft, könne man laut Wirtschaftsminister Mitterlehner nicht ausschließen, denkbar wären aber auch Bitten um Staatshilfen, wie sie die Republik etwa der Bankenbranche vor einem Jahr gewährt hat.
Aber auch von einer anderen Seite könnten sich die Fluglinien verlorene Asche wieder hereinholen: von den Kunden. "Die Preise könnten um durchschnittlich drei bis vier Euro ansteigen", erwartet Luftfahrtexperte Cord Schellenberg im Gespräch mit der "Thüringer Allgemeinen". Ob dieses Vorhaben das Vertrauen in die ohnehin bereits gebeutelte Flugbranche erhöht? Entscheiden werden das ohnehin die Kunden.
(mei)
