4,1 Milliarden Euro an neuen Steuern:
Regierung nennt erstmals konkrete Zahl
- Nur Vermögenssteuer und Ökosteuer aber zu wenig
- Einigung über das Jahresbudget 2011 steht noch aus
·Banksteuer schmeckt
Finanzministern nicht
Europaweite Einführung
wird vorerst abgesagt
·Ministerien wollen
kräftig abspecken
3.000 Stellen sollen bis
2014 abgebaut werden
·"Sonst haben wir ein griechisches Szenario"
Budgetmaßnahmen sind für Pröll unausweichlich

Für die Steuerpläne der Regierung liegt nun erstmals eine Gesamtzahl auf dem Tisch. Die Koalition peilt im Strategiebericht zum Finanzahmen bis 2014 Steuererhöhungen um 2,78 Mrd. Euro allein für den Bund an. Gemäß den Regeln des Finanzausgleichs würden Länder und Gemeinden in diesem Fall weitere 1,37 Mrd. Euro kassieren. Macht in Summe also Steuererhöhungen um 4,1 Mrd. Euro - womit selbst die gleichzeitige Umsetzung der Vermögenssteuerpläne der SPÖ und der Ökosteuerpläne der ÖVP nicht ausreichen würde, um diese Summe hereinzuspielen.
Im Strategiebericht zum Finanzrahmen finden sich dem Vernehmen nach zwar nur die "Einnahmenseitigen Maßnahmen" des Bundes, allerdings ergeben sich daraus automatisch auch die Anteile der Länder und Gemeinden. Grund: Laut Finanzausgleich erhält der Bund 67 Prozent der gemeinsamen Steuereinnahmen, die Länder bekommen 21,4 und die Gemeinden 11,6 Prozent - macht in Summe also ein Drittel für Länder und Gemeinden. Und Finanzminister Josef Pröll hat bereits grundsätzlich angekündigt, an diesem Verhältnis festhalten zu wollen.
Daraus ergibt sich für 2011 die bekannte Summe von rund 1,7 Mrd. Euro an neuen Steuern (siehe Tabelle). Allerdings sollen die Steuererhöhungen - ebenso wie die von der Regierung geplanten Einsparungen im Staatsbudget - in den Jahren bis 2014 weiter steigen. Konkret ist für 2012 ein Bundesanteil von 1,9 Mrd. Euro vorgesehen, wofür (wegen des Anteils der Länder und Gemeinden) Steuererhöhungen von insgesamt rund 2,9 Mrd. Euro nötig sind. 2013 belaufen sich die Steuererhöhungen dann bereits auf 3,5 Mrd. Euro und 2014 auf 4,1 Mrd. Euro.
Damit werden 2014 nicht einmal die kombinierten Steuerpläne von SPÖ und ÖVP ausreichen, um das Plansoll zu erfüllen. Einig sind sich SPÖ und ÖVP bisher ja nur über die Einführung einer Bankensteuer von 500 Mio. Euro, zusätzlich will die SPÖ Steuern auf Börsenumsätze, Vermögenszuwächse und Managergehälter im Ausmaß von 1,03 Mrd. Euro einführen, die ÖVP plant rund zwei Mrd. Euro an neuen Energiesteuern - in Summe also 3,5 Mrd. Euro. Das wäre exakt jene Summe, die zum Ende der Legislaturperiode 2013 benötigt würde. Wesentliche Mehreinnahmen würde lediglich eine europaweite Finanztransaktionssteuer bringen, die aber derzeit nicht absehbar ist.
Allerdings sind die über 2011 hinausreichenden Zahlen derzeit nur unverbindliche Absichtserklärungen. Vorerst muss die Koalition eine Einigung über das Jahresbudget für 2011 erzielen. Für 2012 und 2013 ist dann - entgegen der politischen Absichtserklärung, derartige Vorgehensweisen künftig zu unterlassen - ein Doppelbudget vorgesehen. Und über das Budget 2014 wird sich wohl ohnehin eine neue Regierung den Kopf zerbrechen müssen, denn die nächste Nationalratswahl steht spätestens 2013 am Programm.
| Geplante Steuererhöhungen bis 2014 in Mio. Euro | ||||
| . | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 |
| Anteil Bund | 1.124 | 1.929 | 2.347 | 2.780 |
| Länder und Gemeinden | 553 | 950 | 1.156 | 1.369 |
| GESAMT | 1.677 | 2.879 | 3.503 | 4.149 |
(apa/red)

