"War ein maximal lauwarmer Wahlkampf":
Bilanz des "Schattenboxens" um die Hofburg
- Politologe Poier zieht nüchternes Wahlkampf-Fazit
- "Schlafwagen" Fischer, "gebrandmarkte" Rosenkranz
·Das letzte Trara
vor dem großen Tag
Hofburg-Kandidaten mit ihren finalen Auftritten
·Schluss muss sein mit dieser Polit-Farce
Der NEWS.at-Kommentar zum Hofburg-Wahlkampf
·Wenn am Heldenplatz
die Hölle los ist ...
Fischer und Rosenkranz im finalen Nahkampf
·VIDEO: Heinz Fischer ist im Rettich-Fieber
Lockere Wahlkampftour durch das Burgenland
·"100 Prozent durch drei bedeutet etwa 33"
Gehring ortet Dreikampf bei der Präsidenten-Wahl
·Wenig Begeisterung
für Präsidentenwahlen
Laut Umfrage bleiben 41
Prozent der Urne fern
·"Das kenne ich nicht, das weiß ich nicht"
VIDEO: Rosenkranz verteidigt brisante Rede

Morgen, Sonntag, ist es so weit: Österreich schreitet zur Bundespräsidentenwahl. Vom Wahlkampf um das höchste Amt im Staat bleibt allerdings wenig Spektakuläres in Erinnerung: Das war ein maximal lauwarmer Wahlkampf, fällt der Politologe Klaus Poier im Gespräch mit NEWS.at ein nüchternes Urteil. Eine echte Wahlauseinandersetzung zwischen Amtsinhaber Fischer und seinen Mitbewerbern Rosenkranz und Gehring habe letzlich gar nicht stattgefunden. Stattdessen sah sich das Wahlvolk mit einem Geplänkel um schwarze Weißwähler, das NS-Verbotsgesetz und christlich-fundamentale Ansichten konfrontiert, sagt Poier.
Vor allem sei aber die "Kandidatensituation" daran schald, dass dieser Präsidentschaftswahlkampf so unspektakulär über die Bühne gegangen ist. Fischer habe sich vom Thron des Amtsinhabers nur selten in die Tiefen des Wahlkampf-Hickhacks hinab begeben und die Konfrontation mit zwei extremen Kandidaten, nicht nur im TV, vornehm vermieden: Dann wirds natürlich fad, meint der Assistenzprofessor an der Uni Graz, der Fischers Wahlkampf eher mit einem Schlafwagen, denn mit einem Schnellzug vergleicht. Auch Gehrings und Rosenkranz Versuche, den Bundespräsidenten aus der Reserve zu locken, war kein Erfolg beschieden. Eher interessiert hätten des Einen orthodoxe Ansichten und der Anderen Haltung zum NS-Verbotsgesetz.
"Nazi-Brandmarkung" gleich zu Beginn
Die Debatte um das Verbotsgesetz habe Rosenkranz gleich zu Beginn des Wahlkampfs gebrandmarkt und ihr nachhaltigen Schaden im Wahlkampf zugefügt. Vielleicht wären ihre Ansichten und ihre Vergangenheit aber ohnedies thematisiert worden, gibt der Experte zu bedenken. Eine wirkliche Gefahr für Heinz Fischer wäre sie aber auf keinen Fall geworden, auch nicht mit Unterstützung der Kronen Zeitung, glaubt Poier. Die Performance des christlich-fundamentalen Kandidaten Gehring sieht er zwiegespalten: Auf der einen Seite habe dieser zwar standhafte Positionen bewiesen, aus dem orthodoxen Eck ist er allerdings nicht herausgekommen. Das könnte ihm Stimmen aus dem ÖVP-Lager gekostet haben.
Präsidentenwahl riss nicht vom Hocker
Auch bei den verschiedenen Wahlwerbemaßnahmen von Fischer, Gehring und Rosenkranz ortet Poier keine zündenden Ideen. Interessant sei gewesen, dass das Thema Werte auf den Wahlplakaten im Vordergrund gestanden sei was genau die Kandidaten darunter verstanden haben, blieben sie jedoch schuldig. Dass die Zuseherzahlen für die zahlreichen TV-Sendungen rund um die Bundespräsidentenwahl nicht gerade berauschend waren, sei ein weiteres Indiz dafür, dass das Rennen um die Hofburg die Österreicher nicht wirklich vom Hocker gerissen hat, folgert der Wissenschafter.
Die Symbolkraft der Weißwähler
Angesichts des lauen Wahlkampfs und des schier sicheren Wahlausgangs Poier prophezeit Fischer einen Zuspruch von plus/minus 80 Prozent sei es auch nicht weiter verwunderlich, dass viele ÖsterreicherInnen ungültig wählen oder gar nicht erst den Weg zur Wahlurne antreten. Eine hohe Zahl an ungültigen Stimmen hätte durchaus eine gewisse Symbolkraft. Vor allem wäre es eine Abstrafung für die ÖVP, die keinen Kandidaten aufgestellt hat, aber gleichzeitig über mehrere führende Funktionäre das Weißwählen propagiert hat.
Zudem könnte die Hetzkampagne gegen Weißwähler im Wahlkampf-Endspurt eine Jetzt erst recht-Stimmung erzeugen. Die Demokratie in Österreich wird deshalb aber nicht auseinanderbrechen, wagt der Politologe einen Blick auf die Zeit nach der Wahl. Das präsidiale Schattenboxen, das sich Fischer, Gehring und Rosenkranz in den letzten Wochen geliefert haben, wird dann wahrscheinlich schon vergessen sein.
(jt)
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