'100 Prozent durch drei bedeutet etwa 33':
Gehring ortet Dreikampf bei Hofburg-Wahl
- Christen-Präsidentschaftskandidat glaubt an Stichwahl
- Konkurrentin Rosenkranz: 'Sie hat kein Fundament'
'Muslime haben Probleme mit unserer Rechtsordnung'

Sind Umfragen nicht dazu da, um ignoriert zu werden? Zumindest Rudolf Gehring würde diese Frage wohl mit einem eindeutigen Ja beantworten. Denn geht es nach dem christlichen Präsidentschaftskandidaten, wird er bei der Wahl am 25. April nicht die prognostizierten fünf bis sechs, sondern an die 33 Prozent der Stimmen einheimsen.
Wie Gehring im NEWS.at-Interview betont, hält er eine Stichwahl und somit eine Überraschung zu seinen Gunsten trotz schlechter Umfragewerte weiterhin für möglich. Seine einfache Milchmädchenrechnung dazu: "Wenn man 100 Prozent durch drei Kandidaten dividiert, wird jeder ungefähr 33 erhalten."
Kritik übt Gehring an Bundespräsident Heinz Fischer, dessen inaktive Amtsführung schuld sein soll an der Diskussion über die Abschaffung dieses Amtes. Auch Barbara Rosenkranz bekommt ihr Fett weg, verfügt diese doch nach Gehrings Meinung nicht über das notwendige Fundament, um die Position des Staatsoberhaupts zufriedenstellend auszufüllen.
Verwaltungsreform? "Das geht"
Sich selbst sieht der christliche Kandidat als "Fundamentalisten im positiven Sinn". Bei Gewinn der Wahl würde er die Verfassung ändern, um die Kompetenzen des Bundespräsidenten zu erweitern. Gestärkt dadurch will er im Österreich-Konvent auch die Verwaltungsreform antreiben. Konkrete Pläne dazu bleibt Gehring aber schuldig. Da heißt es auf Nachfrage nur: "Das geht. Das muss man einfach wollen".
Eine pauschalisierende Aussage in der Zeitung seiner Christen-Partei, wonach sich Muslime im westlichen Rechtssystem nicht zurechtfinden, verteidigt er als persönliche Meinung eines Gastautors. Sich selbst spricht er von Pauschalisierungen frei, um einen Moment später in die selbe Kerbe zu schlagen: "Richtig aber ist, dass viele Muslime Probleme haben, sich unserer Rechtsordnung anzupassen".
Nein & Nein
Schwangerschaftsabbruch und Homo-Ehe erteilt Gehring wie gehabt eine Absage. Beträfe es aber das eigene Kind, so würde sich der Jurist zumindest bei letzterem Punkt nicht querlegen. Schließlich warnt der 62-Jährige noch vor dem "gläsernen Menschen" mittels RFID-Chips, die den Menschen implantiert werden könnten. Vor allem die Pharmaindustrie soll Gehrings Meinung nach großes Interesse an diesem "Missbrauch der Technologie" haben.
Ob sich Gehring mit Ansätzen wie diesen am Sonntag auf Augenhöhe mit Heinz Fischer und Barbara Rosenkranz befinden wird, darf stark bezweifelt werden. Unabhängig vom Wahlausgang verspricht er aber: "Ich werde dem politischen Geschehen auf jeden Fall erhalten bleiben."
(hoa)
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