Mittwoch, 21. April 2010

Punk goes Broadway: Green Day-Album "American Idiot" als Musical inszeniert

  • Mitreißende und energiegeladene Show ausverkauft
  • Billy Joe entwickelte mit dem Regisseur die Storyline

Das gab's am Broadway noch nicht: provozierende Mittelfinger, zerrissene Jeans, fettige Haare. Die Punk-Rocker von Green Day haben ihr Album "American Idiot" auf einer großen New Yorker Bühne laut und aggressiv in Szene gesetzt.

Dort wo sonst die schmalzigen Disney-Songs von "König der Löwen" ertönen, schleudern die Sänger dem Publikum entgegen: "Don't want to be an American Idiot/One nation controlled by the media/Information age of hysteria" (Ich will kein amerikanischer Idiot sein/Eine von den Medien kontrollierte Nation/Informationszeitalter der Hysterie".

Ausverkauft
Nicht nur die Premiere m St. James Theater war ausverkauft, sondern auch die Vorschauen, die bereits seit Ende März liefen. Mit tosendem Applaus feierte das Publikum die mitreißende, energiegeladene Show von Regisseur Michael Mayer. Der wurde mit seinem Riesenerfolg "Spring Awakening" bekannt, der fetzigen Rock-Version von Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen". Es gewann acht Tonys.

Vorstadt-Ausbruch
"Die 13 Songs von 'American Idiot' beinhalten eine komplette emotionale Reise. Die Stimme der Show ist Green Day", sagte Mayer in einem Interview. Zusammen mit Billie Joe Armstrong von Green Day hatte er die Storyline entwickelt. In 95 Minuten ohne Pause und mit wenig gesprochenem Text erzählt das Musical von drei guten Freunden, die aus einer langweiligen amerikanischen Vorstadt ausbrechen - mit fatalen Konsequenzen: Johnny, der sich selbst zum "Jesus of Suburbia" (Jesus der Vorstadt) tauft, gerät auf dem Weg in die weite Welt in den Einfluss eines Drogendealers. Tunnys glühender Patriotismus kostet ihn ein Bein beim Militär-Einsatz für sein Land. Nur Will schafft es nicht, mal von seiner Couch aufzustehen, nachdem ihm seine Freundin mitteilt, dass sie schwanger ist.

Bühnenversion des Albums
"Wir fanden immer, dass es eine Art Bühnenversion geben sollte, weil wir das wirklich so im Kopf hatten. Und Michael hat sich an das Wesentliche des Albums gehalten", sagte Armstrong in einem Interview mit MTV.com. "Während wir 'American Idiot' schrieben, versuchten wir politisch gesehen Sinn aus einem großen Durcheinander zu machen. Wir versuchten, etwas zu finden, an das wir glauben können. Es geht um Leute, die verloren gingen und versuchen ihren Weg zu finden."

Ins Schwarze getroffen
Mit ihrem Album hatten die drei Kalifornier Armstrong, Mike Dirnt und Schlagzeuger Tre Cool 2004 genau ins Schwarze getroffen. Auf der Höhe der George Bush-Ära fragten sich junge Vorstadtkinder inmitten von Terror-Angst, Irak-Krieg und Medien-Overkill, wo denn bitte ihr versprochener amerikanischer Traum geblieben ist. Rocksongs wie "Boulevard of Broken Dreams", "Jesus of Suburbia" oder "Give Me Novacaine" hauten genau in die Kerbe. Sie klingen bitter und desillusioniert. Die Platte verkaufte sich millionenfach. Green Day gewann mehrere Grammys, darunter für das Album des Jahres.

Antwort auf "Hair"
Die Punk-Rocker sehen sich in der Tradition der großen Rock-Opern wie Pink Floyds "The Wall" oder "Quadrophenia" von The Who. Ende der 1960er Jahr kam "Hair" auf die Bühne, das Musical der Blumenkinder mit den Visionen von freier Liebe, Drogenexperimenten und der Kritik am Vietnam-Krieg. "American Idiot" ist Jahrzehnte später die Antwort darauf. An dem Konzept Sex, Drugs and Rock'n Roll auf dem Weg ins Erwachsenwerden hat sich allerdings auch im neuen Jahrtausend nicht viel geändert.

(apa/red)

21.4.2010 15:25