Schreiduell nach Kritik an Berlusconi:
In Silvios Partei fliegen derzeit die Fetzen
- Premier fordert den Rücktritt von Verbündetem Fini
- Streit wegen Lega Nord-Einfluss auf Regierungspolitik

·Italiener halten Silvio
Berlusconi die Treue
Mitte-Rechts-Bündnis
siegt bei Regionalwahlen
·'In den Spiegel sehen
verdirbt ihr den Tag'
Berlusconi lästert über Aussehen einer Gegnerin
·200.000 protestieren gegen Regierungschef
Die Anti-Berlusconi-Front marschiert wieder auf
·Wie wär's denn mit einem neuen Gesetz?
Berlusconi will sich so
von Prozessen befreien
Zu einer scharfen Auseinandersetzung - manche Medien sprachen gar von "Schreiduellen" - ist es am Donnerstag zwischen Italiens Premierminister Silvio Berlusconi und seinem bisher engsten Verbündeten, dem Präsidenten der Abgeordnetenkammer Gianfranco Fini, gekommen. Bei einer Sondersitzung der gemeinsamen Partei "Volk der Freiheit" (Popolo della Liberta - PdL) rief Berlusconi am Donnerstag Fini auf, auf die Präsidentschaft der Abgeordnetenkammer zu verzichten, die er ihm allein verdanke. "Wenn Du Politik betreiben willst, solltest Du zurücktreten", sagte Berlusconi. Darauf erwiderte Fini pikiert. "Willst Du mich verjagen?"
Vor Berlusconi und den Spitzenpolitikern der Gruppierung übte Fini scharfe Kritik an dem autoritären Führungsstil des Premierministers, der keinerlei parteiinterne Debatte erlaube. "Ich habe das Recht, meine Meinung frei zu äußern", erklärte Fini. Er beschuldigte Berlusconi, sich zu stark vom Bündnispartner Lega Nord beeinflussen zu lassen, der nach dem Erfolg bei den Regionalwahlen vor drei Wochen stark an Einfluss gewonnen hat. "Unsere Partei ist der Lega Nord hörig, vor allem was Immigrationsfragen betrifft", erklärte Fini. Er warnte vor dem zunehmenden Erfolg der Lega Nord in Norditalien, während die PdL-Partei stark an Stimmen verloren habe. In nur fünf Jahren habe die Lega Nord in Norditalien ihre Stimmen von 19 auf 25 Prozent erhöht, meinte Fini.
Zuvor hatte Berlusconi noch versucht, eine Abspaltung von Fini abzuwenden, der die Gründung eines eigenen Parteiflügels in dem PdL angekündigt hatte. Berlusconi bestritt, dass er keine demokratische Debatte in der Partei zulasse, die er vor einem Jahr mit Fini gegründet hatte. "Niemand kann behaupten, dass wir keine demokratische Partei sind", meinte Berlusconi, der noch in diesem Jahr einen Parteikongress plant.
Berlusconi wies auch Finis Vorwurf zurück, die Regierung lasse sich zu stark von der Lega Nord beeinflussen. "Wir haben dreimal so viele Wähler als die Lega. Unserer Partei gehören 20 Minister an, der Lega nur drei", erklärte Berlusconi. Bisher habe sich die Lega stets als loyaler Partner verhalten.
Tritt Fini aus?
Noch unklar ist jetzt, ob Fini jetzt aus dem PdL austreten wird. Bisher hatte er versichert, dass er die Berlusconi-Partei nicht verlassen, wohl aber einen eigenen Parteiflügel gründen wolle.
Die Opposition kritisierte den Streit in Berlusconis Partei. "Es ist einfach nur peinlich", kommentierte Oppositionschef Pierluigi Bersani.
(apa/red)
