Wurden die Piloten beim Crash in die Irre
geführt? Vorwürfe gegen russische Lotsen
- Polen: Missverständnisse mit Piloten werden vermutet
- Verdacht: Wurden wichtige Dokumente entwendet?
·Wurden die Piloten
in die Irre geführt?
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Die Reaktion Russlands auf die Tragödie des Absturzes der polnischen Präsidentenmaschine hat viele Polen beeindruckt. Dennoch ist längst nicht sicher, dass die Aufklärung des Unglücks harmonisch verlaufen wird. Auf polnischer Seite gibt es erste Hinweise auf Misstöne.
Diese betreffen zunächst die Ursache des Unfalls. Inzwischen steht zwar fest, dass die Piloten Warnungen der Fluglotsen vor einer Landung ignorierten, was auch polnische Experten nach einer ersten Analyse der Flugschreiber erklärten. Allerdings könnte es beim Landeanflug zu Missverständnissen zwischen den Piloten und den Fluglotsen gekommen sein. "Wir können die Hypothese nicht ausschließen, dass die Piloten in die Irre geführt wurden", zitierte die Zeitung "Dziennik Gazeta Prawna" anonym einen der polnischen Ermittler.
Russische Medien berichten, dass es Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Piloten und dem Flughafen gab. So zitierte das Internetportal "Life.ru" den Fluglotsen Pawel Plusnin mit den Worten, die polnische Besatzung habe Schwierigkeiten mit der russischen Sprache gehabt. "Sie konnten einige Zahlen nicht verstehen", so der Lotse. Dies könnte aber auch dem Smolensker Flughafen zum Vorwurf gemacht werden, dessen Beschäftigte offenbar nicht - wie international üblich - Englisch sprechen. Ein anderer Lotse bestätigte gegenüber russischen Medien die Sprachprobleme: Die Konversation zwischen Boden und Cockpit sei auf russisch "und teilweise in gebrochenem Englisch" geführt worden.
Wichtige Dokumente entwendet?
Der polnische Geheimdienst plant nach einem Bericht der Zeitung "Rzeczpospolita" zu untersuchen, ob die russische Seite am Ort der Tragödie wichtige Dokumente an sich nahm. "Wir wissen noch nicht, welche Informationen die Passagiere mit an Bord nahmen und ob darunter auch geheime Informationen waren", sagte ein Agent des Inlandsgeheimdienst ABW der Zeitung. Es könne passiert sein, dass auch NATO-Unterlagen nun in die Hände des russischen Geheimdienstes gelangt seien, so "Rzeczpospolita".
Polens Verteidigungsminister Bogdan Klich sagte gegenüber Radio Zet, am Samstag seien sofort alle Geräte vom Typ Blackberry und alle Mobilfunk-Karten der Flugpassagiere gesperrt worden um den Zugang zu Informationen zu verhindern. Geheime Dokumente seien nicht an Bord der Maschine gewesen, so Klich.
Beobachter sind sich einig, dass der Verlauf der Ermittlungen Einfluss darauf haben wird, ob sich die gemeinsame Trauer so positiv auf die polnisch-russischen Beziehungen auswirkt wie angenommen. Der russische Premier Wladimir Putin sicherte jedenfalls zu, die Tragödie werde "objektiv und umfassend" aufgeklärt.
(apa/red)
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