Delikt: Aufklärung von Verbrechen
- S. Scholl über spanische Vergangenheitsbewältigung
- PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?
Es gibt viele Länder, die sich nicht mit ihrer jüngeren Vergangenheit befassen wollen. Aber nur selten treibt diese Unlust so absurde Blüten wie in Spanien. Wo jetzt nicht die Täter von damals an die Öffentlichkeit gebracht und vor Gericht gestellt werden sollen, sondern einer, der versucht, diese Vergangenheit endlich zu klären und damit auch ein Stück weit zu überwinden. Richter Baltasar Garzon, weltweit berühmt geworden durch sein mutiges Vorgehen gegen den chilenischen Diktator Pinochet, will die Untaten der Franco-Diktatur juristisch aufarbeiten. Und wird dafür jetzt mit einem Gerichtsverfahren wegen Amtsanmaßung bedroht.
Aufklärung der Verbrechen der Franco-Diktatur. Dabei geht es dem mutigen Richter vor allem darum, den Mord an mehr als 110.000 Franco-Gegnern aufzuklären, deren Leichen im ganzen Land einfach irgendwo verscharrt worden sind, sodass ihre Angehörigen auch mehr als siebzig Jahre nach der blutigen Racheaktion der Franco-Gefolgsleute an all jenen, die sich gegen den Diktator wandten, immer noch nicht wissen, wo diese begraben liegen. Das Verfahren gegen den Richter, der dieses brutale Unrecht jetzt endlich aufklären und wiedergutmachen will, so weit das überhaupt möglich ist, haben ultrarechte Gruppen angestrengt, die behaupten, er verstoße mit seinem Vorhaben gegen ein fragwürdiges Gesetz aus dem Jahr 1977, in dem den Franco- Leuten eine Art Generalamnestie zugesichert wird.
Wie gesagt es gibt viele Länder, die sich mit der eigenen Vergangenheit schwertun. Österreich auch. Spanien aber tut sich wohl auch deshalb so besonders schwer, weil die Diktatur einfach auslief und nie wirklich bewusst beendet wurde. Was das Vorgehen von Richter Garzon umso wichtiger macht weil sich die spanische Gesellschaft kaum weiterentwickeln kann, solange diese blutige Vergangenheit nicht in all ihren Facetten aufgearbeitet wird.
