Sonntag, 18. April 2010

Teuflische Deals der Wall Street-Banker:
Trieb Goldman Sachs Anleger in den Ruin?

  • Geschäfte mit Wetten gegen die eigenen Kundschaft
  • Renommiertes US-Bankhaus immer tiefer in der Tinte

Freimaurer, US-Schattenregierung, Verursacher der Wirtschaftskrise - um Goldman Sachs, eine der ältesten und größten Investmentbanken der Welt, ranken sich zahllose düstere Gerüchte. Seit vergangener Woche ist die Liste der Anschuldigungen um einen Eintrag reicher: Amerikas Börsenaufsicht wirft dem Wall Street-Haus schwer wiegende betrügerische Praktikten vor. Der Finanz-Gigant soll Kunden systematisch faule Papiere aufgeschwatzt haben - um aus dem kalkulierten Verlust der Anleger Kapital zu schlagen.

Anfang 2007, irgendwo in Amerika: Von einer weltweiten Finanzkrise sprechen allenfalls erst eingefleischte Schwarzseher oder besonders scharfsinnige Ökonomen. Und doch wird der Auslöser der globalen Rezession bereits wahrgenommen. Es sind hochriskante Wertpapiere am US-Immobilienmarkt.

Viele Analysten begreifen allmählich die Gefahr, die in den sorgsam verpackten Hypothekenpapieren steckt. Nur die Banker von Goldman Sachs nicht - sie erkennen die Profitchance, die sich ihnen eröffnet. Mit Hilfe des Hedgefonds-Milliardärs John Paulson wird ein Wertpapierbündel geschnürt, das ausnahmslos aus faulen Hypothekenpapieren besteht und mit einigem Nachdruck an die eigenen Kunden verhökert wird. Eine tickende Zeitbombe, auf deren Explosion Paulson Wetten abschließt. Und er wird nicht enttäuscht.

"Das ganze Gebäude wird jetzt jeden Moment zusammenbrechen. Überleben wird nur einer, der fabelhafte Fab", schreibt der maßgeblich an der Konstruktion beteiligte Goldman Sachs-Banker Fabrice Tourre in dieser Zeit in ein E-Mail. Und dann bricht der US-Immobilienmarkt tatsächlich zusammen. Die Anleger verlieren rund eine Milliarde Dollar, Goldman Sachs streift die Gebühren ein und für Paulson geht die Wette auf fallende Kurse auf - Er darf sich über eben jene Milliarde aus den Taschen der Kunden freuen.

Europa hat noch eine Rechnung offen
Dieser von der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde SEC geschilderten Version kann Goldman Sachs wenig abgewinnen. "Wir haben kein Portfolio geschaffen, dass dafür bestimmt war, Geld zu verlieren", lautet das lapidare Dementi der einstmals renommierten Investmentbank, das sich überdies auf eigene Verluste beim Verkauf der Hypothekenpapiere beruft.

Das wollen die amerikanischen Behörden aber nicht gelten lassen. Sollte die Börsenaufsicht klagen, droht Goldman Sachs eine Strafe in Milliardenhöhe. Aber auch die Regierung hat sich inzwischen eingeschaltet: Das Justizministerium will den Fall unter die Lupe nehmen.

Und auch in Europa beobachtet man den Fall genau. Nicht nur, weil die deutsche Mittelstandsbank IKB einer der geschädigten Kunden ist, sondern auch, weil man gerade erst in der Causa Griechenland schlechte Erfahrungen mit Goldman Sachs gemacht hat. Für einen Beitritt zum Euro ließ sich die Athener Regierung vom US-Finanzhaus Budgettricks einflüstern. Damals fand Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl klare Worte: "Schädlinge wie Goldman Sachs gehören auf eine EU-Watchlist gesetzt." Ob die US-Regierung ähnlich deutliche Worte finden wird? Klar ist jedenfalls eines: Goldman Sachs wird sich einiges einfallen lassen müssen, um die immer länger werdende Liste der Vorwürfe vergessen zu machen.
(mei)

18.4.2010 17:23
Marc99, 20. 04. '10 20:08
Wie kann man sein Geld auch nur jemanden anvertrauen der Goldman heisst?
Da ist Betrug doch vorprogrammiert!
BadLieutenant, 19. 04. '10 15:29
Bei aller ...
... berechtigten Kritik an den bestehenden Kontroll- & Aufsichtsorganen sollte man aber eines nicht aus den Augen verlieren:
Es gibt sehr wohl einen gewaltigen Unterschied zwischen kurzfristiger AktienSPEKULATION und langfristiger AktienANLAGE!
Hier jede Form der Kapitalanlage über einen Kamm zu scheren würde heissen, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
brabus, 20. 04. '10 16:12
Re: Bei aller ...
Abwarten, der nächste Bang rollt schon auf uns zu. Jeder will nur noch das schnelle Geld. Spekulanten treiben die Aktiengesellschaften vor sich her um rasch Gewinne zu erzielen. Langfristige Anleger werden zu Ablegern, nämlich ihrer Gelder. Und der Arbeitsmarkt bekommt wieder jede Menge Arbeitslose.
BadLieutenant, 20. 04. '10 18:53
Re: Bei aller ...
Also ich merke davon noch nichts wenn ich mir mein Wertpapierkonto so ansehe.
Aber ich fahre ja auch eine rein langfristig orientierte Buy & Hold-Strategie.
Und ich investiere auch nur jeweils den Betrag neu, den ich mir auch als möglichen Totalverlust tatsächlich leisten könnte.
brabus, 19. 04. '10 09:03
Betrug an Anleger
Das ganze Börsensystem beruht doch darauf! Und warum wurde es noch nicht zerschlagen ? Weil diejenigen, die davon profitieren es mit allen Mitteln verhindern. Die Deppensteuer dazu zahlt jeder, der einen Euro oder Dollar irgendwo veranlagt, dessen Erträge durch Aktienspekulationen erwirtschaftet werden sollen. Also durch Zocken. Denn würde eine Investition nach realen Wirtschaftsergebnissen Erträge abwerfen, dann maximal im unteren einstelligen Prozentbereich, schliesslich wächst die Wirtschaft auch nicht schneller. Woher soll also das Geld kommen ? Richtig - durch Wettbetrug. Uns solche Finanzschädlinge gehören nicht auf die Watchlist sondern vernichtet.
momotobolo, 19. 04. '10 09:13
Re: Betrug an Anleger
Ja, wir sind alle im Netz der Finanzjongleure gefangen und zahlen dafür einen sehr hohen Preis.