Teuflische Deals der Wall Street-Banker:
Trieb Goldman Sachs Anleger in den Ruin?
- Geschäfte mit Wetten gegen die eigenen Kundschaft
- Renommiertes US-Bankhaus immer tiefer in der Tinte

·Banksteuer schmeckt
Finanzministern nicht
Europaweite Einführung
wird vorerst abgesagt
·US-Bank verschleiert
Athens Schulden
Goldman Sachs trickste bei griechischem Defizit
Freimaurer, US-Schattenregierung, Verursacher der Wirtschaftskrise - um Goldman Sachs, eine der ältesten und größten Investmentbanken der Welt, ranken sich zahllose düstere Gerüchte. Seit vergangener Woche ist die Liste der Anschuldigungen um einen Eintrag reicher: Amerikas Börsenaufsicht wirft dem Wall Street-Haus schwer wiegende betrügerische Praktikten vor. Der Finanz-Gigant soll Kunden systematisch faule Papiere aufgeschwatzt haben - um aus dem kalkulierten Verlust der Anleger Kapital zu schlagen.
Anfang 2007, irgendwo in Amerika: Von einer weltweiten Finanzkrise sprechen allenfalls erst eingefleischte Schwarzseher oder besonders scharfsinnige Ökonomen. Und doch wird der Auslöser der globalen Rezession bereits wahrgenommen. Es sind hochriskante Wertpapiere am US-Immobilienmarkt.
Viele Analysten begreifen allmählich die Gefahr, die in den sorgsam verpackten Hypothekenpapieren steckt. Nur die Banker von Goldman Sachs nicht - sie erkennen die Profitchance, die sich ihnen eröffnet. Mit Hilfe des Hedgefonds-Milliardärs John Paulson wird ein Wertpapierbündel geschnürt, das ausnahmslos aus faulen Hypothekenpapieren besteht und mit einigem Nachdruck an die eigenen Kunden verhökert wird. Eine tickende Zeitbombe, auf deren Explosion Paulson Wetten abschließt. Und er wird nicht enttäuscht.
"Das ganze Gebäude wird jetzt jeden Moment zusammenbrechen. Überleben wird nur einer, der fabelhafte Fab", schreibt der maßgeblich an der Konstruktion beteiligte Goldman Sachs-Banker Fabrice Tourre in dieser Zeit in ein E-Mail. Und dann bricht der US-Immobilienmarkt tatsächlich zusammen. Die Anleger verlieren rund eine Milliarde Dollar, Goldman Sachs streift die Gebühren ein und für Paulson geht die Wette auf fallende Kurse auf - Er darf sich über eben jene Milliarde aus den Taschen der Kunden freuen.
Europa hat noch eine Rechnung offen
Dieser von der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde SEC geschilderten Version kann Goldman Sachs wenig abgewinnen. "Wir haben kein Portfolio geschaffen, dass dafür bestimmt war, Geld zu verlieren", lautet das lapidare Dementi der einstmals renommierten Investmentbank, das sich überdies auf eigene Verluste beim Verkauf der Hypothekenpapiere beruft.
Das wollen die amerikanischen Behörden aber nicht gelten lassen. Sollte die Börsenaufsicht klagen, droht Goldman Sachs eine Strafe in Milliardenhöhe. Aber auch die Regierung hat sich inzwischen eingeschaltet: Das Justizministerium will den Fall unter die Lupe nehmen.
Und auch in Europa beobachtet man den Fall genau. Nicht nur, weil die deutsche Mittelstandsbank IKB einer der geschädigten Kunden ist, sondern auch, weil man gerade erst in der Causa Griechenland schlechte Erfahrungen mit Goldman Sachs gemacht hat. Für einen Beitritt zum Euro ließ sich die Athener Regierung vom US-Finanzhaus Budgettricks einflüstern. Damals fand Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl klare Worte: "Schädlinge wie Goldman Sachs gehören auf eine EU-Watchlist gesetzt." Ob die US-Regierung ähnlich deutliche Worte finden wird? Klar ist jedenfalls eines: Goldman Sachs wird sich einiges einfallen lassen müssen, um die immer länger werdende Liste der Vorwürfe vergessen zu machen.
(mei)
