Neuer Riese nimmt Gestalt an: Volksbanken
und BAWAG planen einen Zusammenschluss
- FORMAT: Genaue Prüfung einer Fusion ist angelaufen
- Volksbanken dementieren entsprechende Absichten

·Volksbank AG sucht strategischen Partner
"Fahndung" wurde nun ganz offiziell gestartet
·FORMAT: Banken -
Das große Aufräumen
Verstaatlichungen und Fusionen sind absehbar
·Bei der Volksbank
"ist die Hölle los"
Suche nach Partner für
Boss Wenzel eine Option
Für die angeschlagene Volksbank AG (ÖVAG) werden einem Magazinbericht zufolge die Weichen für eine Fusion mit der in Cerberus-Besitz befindlichen BAWAG gestellt. Inoffiziell sei die Fusion der beiden Großbanken paktiert, die Due Diligence-Phase laufe seit Wochenbeginn, schreibt FORMAT in seiner neuen Ausgabe. Bis Juni könnte der Deal unterschriftsreif sein. Für den Fall, dass der Finanzminister für die ÖVAG hingegen eine Bankenrettung anordnen müsste, bereiteten Raiffeisen und Sparkassen (Erste Group) Notfallpläne für die ÖVAG vor, so der Bericht.
Nach FORMAT-Informationen hat ÖVAG-Vizechef Michael Mendel die Vertreter von Notenbank und Finanzmarktaufsicht (FMA) von seinen Gesprächen mit Cerberus in den USA informiert. "Es schaut gut aus", wird Mendel nach seinem "Oster-Besuch" in New York zitiert.
Unternehmensprüfer wurden mit der Durchleuchtung der Bücher der beiden Gruppen beauftragt. Böse Überraschungen würden am ehesten im riesigen BAWAG-Portfolio an strukturierten Produkten vermutet. In der ÖVAG wiederum gilt die Investkredit als Sorgenkind. Mit mehr als 300 Mio. Euro hätten hier voriges Jahr Risikovorsorgen für Unternehmensfinanzierungen die Bilanz belastet.
Ausländische Kaufinteressenten
Für die ÖVAG-Ostholding Volksbank International soll es hingegen ebenso ausländische Kaufinteressenten geben wie für die Immobilientochter Europolis.
Die ÖVAG werde momentan auf 700 Mio. Euro taxiert, die BAWAG auf rund 750 Mio. Euro. Experten reden im FORMAT deshalb von einem "Merger unter Gleichen". Beide machten 2009 noch Verluste. Wer die unternehmerische Führung in einer fusionierten Bank erhalte, werde von den jeweils besseren Argumenten abhängen.
Auf der Suche nach EU-konformer Konstruktion
Allerdings müsse erst eine Konstruktion gefunden werden, die von den EU-Wettbewerbshütern akzeptiert wird, zumal beide Häuser Staatshilfe erhalten haben und strengen Auflagen unterliegen. Mit kartellrechtlichen Einwänden rechneten die Juristen auf beiden Seiten nicht. Gemeinsam kämen beide Häuser auf eine Bilanzsumme von 95 Mrd. Euro und in etwa 14.000 Mitarbeiter im In- und Ausland. Filialschließungen in großem Stil stünden nicht an, wohl aber Zusammenlegungen von Verwaltung und Töchtern (darunter Fondsgesellschaften).
Die Berichte über eine bevorstehende Fusionierung werden indes von den Volksbanken zurückgewiesen. "Eine Fusion mit der BAWAG ist keinesfalls paktiert. Wir führen eine Reihe von Gesprächen mit potentiellen Partnern", dementiert ÖVAG-Unternehmenssprecher Walter Gröblinger.
Sollte es nichts aus einer solchen Lösung werden, würde der Finanzminister im Notfall Raiffeisen und Erste Group zur ÖVAG-Rettung verpflichten. Eine Komplettübernahme kommt wie berichtet für beide aber nicht in Frage, vielmehr wäre dies die Zerschlagung der ÖVAG.
(apa/red)
