Das Reich der Mitte außer Rand und Band:
Wirtschaftswachstum verblüfft den Westen
- Chinas Leistung hat zuletzt um 11,9 Prozent zugelegt
- Peking setzt zu groß angelegtem Überholmanöver an

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in ein Rekorddefizit
Riesenverschuldung zur Wirtschaftsankurbelung
"Es ist ein guter Start ins neue Jahr", spricht Li Xiaochao die Untertreibung des Jahres aus. Der Vertreter des Nationalen Statistikbüros in Peking weiß es eigentlich besser: Während Europas Regierungen um jeden Zehntelpunkt Wirtschaftswachstum feilschen, belegen die neuesten Daten aus Peking, dass China längst in einer eigenen Liga spielt. Um 11,9 Prozent mehr hat die chinesische Konjunkturlokomotive mehr geleistet als im Vorjahr. Und doch ist nicht alles eitel Wonne: Die Angst vor einer massiven Überhitzung der Wirtschaft treibt Experten Sorgenfalten auf die Stirn.
Denn das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal des neuen Jahres hat alle Erwartungen übertroffen. Li Xiaochao warnt daher vor zu großem Optimismus: Die Lage sei "sehr kompliziert". Fachleute nannten vor allem die Überhitzung des aufgeblasenen Immobilienmarktes und zunehmende Inflation als große Gefahren.
Dank des Konjunkturprogramms und der massiven Ausweitung der Kreditvergabe der Banken wuchs die Wirtschaft so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Der kräftige Anstieg lag um 5,7 Prozentpunkte über dem des Vorjahresquartals, als die weltweite Wirtschaftskrise China schwer getroffen hatte. Das starke Wachstum sei "im wesentlichen das Ergebnis der niedrigen Vergleichsbasis und des Stimulus-Programms der Regierung", sagte Sprecher Li Xiaochao.
Preise außer Kontrolle?
Indes warnte Tom Orlick, Analyst bei Stone & McCarthy Research Associates, davor, dass die Preisentwicklung angesichts des Wirtschaftswachstums außer Kontrolle geraten könnten. Vorerst ist davon aber noch wenig zu erkennen: Im ersten Quartal kletterten die Verbraucherpreise lediglich um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach oben. Der Anstieg war damit geringer als erwartet, auch wenn zum Ärger vieler Chinesen die Nahrungsmittelpreise sogar um 5,1 Prozent zulegten.
Der Zuwachs der Verbraucherpreise insgesamt lag aber unter dem Ziel der Regierung von drei Prozent für dieses Jahr. Der Druck, die Zinsen zu erhöhen oder gar die Währung aufzuwerten, wie seit Wochen spekuliert wird, scheint damit etwas nachgelassen zu haben. Vor dem Hintergrund des übermäßig starken Anstiegs der Immobilienpreise sieht die Regierung allerdings unverändert wachsende Inflationsgefahr, wie aus einer Erklärung vom Vortag hervorgeht. Wohnungspreise stiegen im März um 11,7 Prozent - für Analysten ein Anzeichen für eine beginnende Überhitzung am Immobilienmarkt.
Überholmanöver
Dennoch dürfte Peking vorerst am starken Wachstumskurs festhalten. Obwohl es Schwierigkeiten gibt, sollte Chinas Wirtschaft in diesem Jahr insgesamt um 8 Prozent wachsen. Die Belohnung für eine derartige Leistung wäre eine prestigeträchtige: Die jüngsten Daten belegen, dass China drauf und dran ist, Japans Platz in der Weltwirtschaft einzunehmen. Und zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt aufzusteigen.
(apa/red)

