Sonntag, 18. April 2010

Papst traf in Malta auf Missbrauchsopfer: Benedikt XVI. von Berichten tief bewegt

  • Gemeinsames Gebet mit maltesischen Opfern
  • Kirchenoberhaupt zu weiteren Gesprächen bereit

Papst Benedikt XVI. ist während seines Besuchs auf Malta mit mehreren Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester zusammengetroffen. Der Papst sei von den Berichten der maltesischen Männer tief bewegt gewesen und habe seine Scham und seinen Schmerz ausgedrückt, berichtete der Vatikan. Benedikt traf die Männer hinter verschlossenen Türen in der Apostolischen Nuntiatur. Er betete auch mit den Missbrauchsopfern.

Der Papst versicherte den Männern, dass die Kirche weiterhin alles in ihrer Macht stehende tun werde, "um Anschuldigungen (zu sexuellem Missbrauch) zu untersuchen, Verantwortliche der Justiz zuzuführen und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, die junge Menschen in der Zukunft schützen sollen". Das Gebet des Papstes richtete sich auf "Heilung und Versöhnung" bei allen Missbrauchopfern, damit diese mit neuer Hoffnung voranschreiten könnten, so die Mitteilung des Vatikans.

Weitere Gespräche geplant
Die maltesischen Missbrauchsopfer, die nach eigenen Angaben als Kinder in den 1980er und 1990er Jahren von katholischen Priestern in einem maltesischen Waisenhaus missbraucht wurden, hatten um eine persönliche Begegnung mit dem Papst gebeten. Jedoch sollte das Gespräch nicht vor den Medien geführt werden, hatte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi betont. Benedikt XVI. hatte bereits Missbrauchsopfer in den USA und Australien getroffen und sich zu weiteren Gesprächen bereiterklärt.

Vor zwei Jahren war Benedikt XVI. in einer unerwarteten Geste während seines USA-Besuchs erstmals mit Missbrauchsopfern zusammengetroffen und hatte sich deren Leidensgeschichte angehört.

Der Besuch in Malta ist die erste Auslandsreise des Papstes, seitdem der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche immer weitere Kreise zieht. Zuvor hatte der Papst in der Stadt Floriana eine Messe gefeiert, zu der nach Kirchenangaben 10.000 Menschen kamen. Die Mittelmeerinsel gilt als eines der katholischsten Länder der Erde. In Malta sind Schwangerschaftsabbrüche und Scheidungen auch nach dem EU-Beitritt verboten.

(apa/red)

18.4.2010 16:07