Mittwoch, 14. April 2010

Martin Graf weckt den Mut in Heinz Fischer:
"Da lehne ich mich weit aus dem Fenster"

  • VIDEO: PULS 4 fühlte dem Präsidenten auf den Zahn
  • Distanz zu Mitbewerbern und Appell an ÖVP-Wähler

30 Minuten wurden dem amtierenden Bundespräsidenten Heinz Fischer gestattet, um die Seher der TV-Show "Austria's next President" auf PULS 4 von sich zu überzeugen. In seiner Wahlkampf-Feuertaufe im TV ging Fischer recht deutlich auf Distanz zu seinen Konkurrenten um das Amt in der Hofburg - und sparte auch nicht mit Kritik am Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf von der FPÖ.

So etwas habe es noch nie gegeben, sagt der Bundespräsident. Damit, dass er sich von einem dritten Nationalratspräsidenten "politisch und öffentlich distanziere", lehne er sich sehr weit aus dem Fenster, gibt der vom Mut gepackte Fischer zu bedenken. Schließlich liege es ihm fern, sich in den "innenpolitischen Hickhack" einzumischen. Seine Vorgänger im Amt hätten das ähnlich angelegt. Eine Angelobung einer FPÖ-Regierung, womöglich mit Martin Graf, ließ er jedoch offen: "Ich gebe weder eine Garantie auf eine Angelobung ab, noch habe ich einen Grund das jetzt auszuschließen."

"Nicht deprimieren lassen"
Angesprochen auf eine mögliche niedrige Wahlbeteiligung meinte das amtierende Staatsoberhaupt: "Ich werde mich durch eine niedrigere Wahlbeteiligung nicht deprimieren oder in meinem Aktionsradius einschränken lassen." Und schickt gleich einen dringenden Appell ans Publikum nach: "Bitte machen Sie von Ihrem Wahlrecht Gebrauch."

Zu seinen Herausforderern im Wahlkampf, Barbara Rosenkranz und Rudolf Gehring, ging Fischer auf Distanz: "Es stimmt mich nachdenklich, wenn Herr Gehring sagt, er kann das Amt im Rahmen der Verfassung nicht optimal ausüben." Eine Beurteilung der FPÖ-Kandidatin Rosenkranz konnte dem Bundespräsidenten jedoch nicht abgerungen werden: "Ich respektiere jeden, der die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Kandidatur erfüllt. Über ihre Fähigkeit, dieses Amt zu führen, darüber werden die Wähler entscheiden."

Wahlempfehlung nicht so wichtig
Dass es von Seiten der ÖVP keine offizielle Empfehlung für ihn gebe, nahm Fischer locker. Es sei ohnehin nicht sicher, ob Wahlempfehlungen tatsächlich "eine so große Wirkung" haben. Auch nicht jene der Grünen, die sich kürzlich für Fischers Wiederwahl ausgesprochen hatten.

Auch ohne offizielle Unterstützung der ÖVP ist sich der Bundespräsident zuversichtlich, dass er auch aus dem bürgerlichen Lager einen "sehr schönen Prozentsatz" an Stimmen bekommen werde. Schließlich seien namhafte ÖVP-Funktionäre wie Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl, der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter und der frühere ÖVP-Klubobmann Heinrich Neisser bereits auf seiner Seite.

Auch die letzte Frage von Moderator Jürgen Peindl bringt Heinz Fischer nicht aus der Fassung: "Was für ein Gefühl ist es, in einen Wahlkampf zu gehen, wenn man schon als Sieger feststeht?" "Man ist klug genug sich so anzustrengen, als wären es 50,1 gegen 49,9 Prozent."

Ein Best Of der gestrigen Ausgabe von "Austria's next President" sehen Sie hier

Weitere Informationen zur Sendung "Austria's next President" finden Sie unter www.puls4.com

(jt)

14.4.2010 17:05