Präsidentschaftswahlen in Nordzypern:
Hardliner Eroglu geht als Sieger hervor
- Politiker erreicht absolute Mehrheit von 50,4 Prozent
- Wahlausgang bedeutet Rückschlag für Friedensprozess

Rückschlag für den Friedensprozess auf der geteilten Mittelmeerinsel Zypern: Der politische Hardliner Dervis Eroglu ist nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis knapp Sieger der Präsidentenwahl im türkischen Teil der Insel geworden. Nach Berichten aus Nikosia erhielt er knapp 50,4 Prozent der Stimmen und ließ damit den gemäßigten Amtsinhaber Mehmet Ali Talat mit rund 42,3 Prozent deutlich hinter sich.
Vermittler erwarten nun neue Hindernisse auf dem Weg zu einer Vereinigung der seit 1974 geteilten Insel.
Zypern gehört seit dem 1. Mai 2004 zur Europäischen Union. Das EU-Recht gilt aber vorerst nur im griechisch-zypriotischen Süden der Mittelmeerinsel. Nur Ankara erkennt die Türkische Republik Nordzypern (KKTC) als Staat an. Anhänger Eroglus begannen mit Siegesfeiern, noch bevor ein Wahlsieg amtlich bestätigt wurde.
Eroglu gegen Vereinigung
Eroglu erklärte im Norden: "Ich setze die Gespräche in Zusammenarbeit mit der Türkei fort und glaube, dass wir innerhalb einer gewissen Zeit (...) zu einer Einigung kommen werden." Er hat sich aber immer wieder gegen eine Vereinigung ausgesprochen.
Der zypriotische Regierungssprecher Stefanos Stefanou sagte: "Die Wahl Eroglus ist zweifellos eine negative Entwicklung wegen seiner Thesen. Was jetzt Vorrang hat ist zu sehen, wie wir auf dieser neuen Basis arbeiten und Lösung suchen." Andros Kyprianou, Generalsekretär der linken Partei AKEL, sagte: "Wir haben neue, sehr negative Gegebenheiten."
Talat sucht seit September 2008 mit dem Präsidenten der Republik Zypern, Demetris Christofias, nach einer föderativen Lösung.
(apa/red)
