Polen nimmt Abschied von Präsident Lech Kaczynski: Zehntausende trauern in Krakau
- Präsidentenpaar in Gruft der Wawel-Burg beigesetzt
- Fischer, Obama und Sarkozy Teilnahme abgesagt
Nach einem Staatsakt ist der polnische Präsident Lech Kaczynski in Krakau zusammen mit seiner Frau Maria zu Grabe getragen worden. Zehntausende Polen nutzten zuvor noch einmal die Gelegenheit, von dem zu Lebzeiten umstrittenen Präsidenten, der das Land erst in seinem Tod geeint hatte, Abschied zu nehmen.
Zu dem Staatsbegräbnis in Krakau hatten sich zum Abschluss der Trauerfeierlichkeiten in Polen auch fast 100 Präsidenten, Regierungschefs und gekrönte Häupter angesagt. Doch wegen der Vulkanasche aus Island und der Sperrung weiter Teile des europäischen Luftraums sagten über 40 von ihnen ihre Teilnahme kurzfristig ab, darunter US-Präsident Barack Obama, Frankreichs Präsident Sarkozy, Bundespräsident Fischer und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Russlands Präsident reiste an
Unbeeindruckt von der Aschewolke traf dagegen der russische Präsident Dmitri Medwedew als wichtigster ausländischer Politiker noch mit einer Sondermaschine in Krakau ein. Auf den russischen Präsidenten, dessen Land eine schwierige Vergangenheit mit Polen hat, richteten sich am Sonntag die Augen vieler Polen. Im Gespräch mit dem polnischen Regierungschef Donald Tusk sagte Medwedew vor der Totenmesse, die Trauer habe beide Nationen verbunden.
Deutschland wurde von Bundespräsident Horst Köhler und Bundesaußenminister Guido Westerwelle vertreten. Sie waren per Hubschrauber angereist. Von den übrigen hochrangigen Staatsgästen, die es noch zum Staatsbegräbnis geschafft hatten, kamen die meisten aus den östlichen, weniger von der Vulkanasche betroffenen Teilen Europas und aus Asien.
Gedenkminute und Sirenengeheul
Die Trauerzeremonie begann mit Gedenkminuten und Sirenengeheul in ganz Krakau. Nach der Messe in der prächtigen Marienkirche wurden die in rot-weiße Flaggen gehüllten Särge dann auf Geschütz-Lafetten durch die Krakauer Altstadt zur Wawel-Burg gebracht. Erneut säumten Tausende Menschen die Straßen. Dass der erzkonservative Präsident Kaczynski auf dem Burgberg Wawel, der ehemaligen Königsresidenz in Krakau und einem der bedeutendsten nationalen Symbole, zur letzten Ruhe gebettet wird, ist umstritten. Kritiker argumentieren, dass er nicht neben Königen und Nationalhelden beerdigt werden sollte.
(apa/red)

