Montag, 12. April 2010

Todesmanöver auf Befehl des Präsidenten?
Rätselraten über Grund der Flugkatastrophe

  • Absturz des polnischen Flugzeuges im dichten Nebel
  • Lech Kaczynski gab schon 2008 heiklen Landebefehl

Der Absturz der Präsidentenmaschine hält weiterhin ganz Polen in Atem: Zwei Tage nach der Flugzeugunglück von Smolensk mehren sich in Polen die Spekulationen, wie es zu der Tragödie kommen konnte. Am häufigsten nennen Medien, Experten und Bürger einen Fehler der Piloten als wahrscheinliche Ursache, aber diese Erklärung greift für viele zu kurz. Denn immer häufiger ist zu vernehmen, dass der Präsident selbst Verantwortung für den Absturz der Maschine tragen könnte.

Als gesichert gilt, dass die Maschine wegen des dichten Nebels nicht hätte landen sollen. "Wir haben die polnischen Piloten gewarnt, als sie 50 Kilometer vor Smolensk waren", erklärte der Vizechef der russischen Luftwaffe, Alexander Aljoschin, gegenüber Journalisten. Danach hätten die Fluglotsen in Smolensk das polnische Flugzeug noch viele Male aufgefordert, die Landung abzubrechen. Eine russische Militär-Maschine hatte eine halbe Stunde zuvor die Anweisung befolgt und war nach Moskau abgedreht.

Polnische Piloten können ihre verunglückten Kollegen nicht verstehen. "In der zivilen Luftfahrt bekommt ein Flugkapitän ernsthafte Probleme, wenn er in so einer Situation landet - selbst wenn die Aktion gut geht", zitiert die Zeitung "Gazeta Wyborcza" anonym einen Piloten der staatlichen Linie LOT.

Pilot zu Manöver gezwungen?
Manche Trauernde äußern deshalb den Verdacht, dass die Piloten der Tupolew-Maschine zu dem gefährlichen Manöver gezwungen wurden. Der Flugkapitän habe zwar die Befehlsgewalt an Bord. "Aber wenn sein direkter Vorgesetzter mitfliegt, der Chef der Luftstreitkräfte, dann könnte er schon auf dessen Anweisungen hören, um zum Beispiel seine Karriere nicht zu gefährden", sagte ein Student.

Polnische Medien erinnern in diesen Zusammenhang an einen Vorfall von 2008. Der nun so tragisch ums Leben gekommene Präsident Lech Kaczynski verlangte damals von einem Piloten, einen Flug nach Aserbaidschan zu unterbrechen und außerplanmäßig in Tiflis zu landen, um schneller in der georgischen Hauptstadt anzukommen. Als der Pilot sich weigerte, kündigte Kaczynski Konsequenzen an: "Wer Offizier wird, sollte nicht ängstlich sein", sagte das Staatsoberhaupt zu den Journalisten an Bord.
(apa/red)

12.4.2010 12:28