Opfer am Runden Tisch nicht erwünscht: Missbrauchsdiskussion gerät in die Kritik
- Bandion-Ortner & Marek diskutierten mit 30 Experten
- Eigener Staatsanwalt zur Bekämpfung von Missbrauch
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Kinderschutz braucht Geld, das ist eines der Ergebnisse des Runden Tisches zum Thema Missbrauch im Familienministerium. Die Experten sprachen sich etwa für eine bessere Vernetzung der Institution aus. Eine konkrete Forderung betrifft die Ausbildung von Pädagogen, bei der noch stärker auf das Thema eingegangen werden soll, so Familienstaatssekretärin Christine Marek (V).
Marek und Justizministerin Claudia Bandion-Ortner luden Fachleute aus allen betroffenen Bereichen zum Runden Tisch. Einige Opferinitiativen fühlten sich jedoch benachteiligt, da Opfer selbst nicht am Gespräch teilnehmen durften. "Die Opferperspektive wurde permanent berücksichtigt", betonte Marek. Doch sei es bei diesem Termin nicht um die Aufarbeitung aktueller Fälle gegangen, wurde betont.
Aufklärung von Eltern und Kindern
Rund 30 Experten haben dabei drei Stunden lang über Möglichkeiten diskutiert, wie Kindesmissbrauch einzudämmen beziehungsweise zu verhindern ist. "Wir brauchen das Rad nicht neu erfinden", man könne auf vorhandene Standards aufbauen, stellte Marek fest. Eine Maßnahme sei etwa die Aufklärung von Eltern und Kindern, denn "aufgeklärte Kinder sagen schneller Nein", meinte die Staatssekretärin.
Der vielleicht konkreteste Vorschlag umfasste die Aus- und Weiterbildung von pädagogischem Personal, der mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) besprochen werden soll. Künftig sollte etwa in der Ausbildung zumindest eine Semesterwochenstunde der Sensibilisierung für das Thema Kindesmissbrauch gewidmet werden, schlug Marek vor. Auch bei den bereits tätigen Pädagogen soll hier in der Fortbildung um fünf Stunden aufgestockt werden.
Staatsanwalt für Missbrauchsfälle
Die Justizministerin möchte in jeder Staatsanwaltschaft einen Ankläger als Anlaufstelle für Missbrauchsfragen installiert wissen. Generell soll der Bevölkerung erleichtert werden, Verdachtsmomente zu melden, appelliert sie an die Zivilcourage.
Den runden Tisch in dieser Form wird es nicht mehr geben. Es soll hingegen ein Expertengremium beim Familienministerium eingerichtet werden, das sich im Mai zum ersten Mal zusammensetzen soll. Ziel sei es, die Zusammenarbeit aller betroffenen Stellen zu verbessern. Marek wies auch darauf hin, dass die bestehende Hotline der Initiative "Die Möwe" ausgeweitet wird. An diese neutrale Stelle können sich alle mit ihren Bedenken wenden (Telefon 0800/808088).
Protest gegen Einladungspolitik
Von einigen Opferplattformen setzte es Kritik, da sie nicht eingeladen waren. So fand auch vor dem Familienministerium die Aktion einer Opferinitiative statt. Mit Babypuppen und Stofftieren im Eingangsbereich protestierte eine Gruppe gegen die Einladungspolitik von Marek und Justizministerin Bandion-Ortner. Die Demo-Teilnehmer pochten u.a. darauf, dass auch Opfer selbst eingebunden werden. Auch die Abwesenheit der Opferbeauftragten Waltraud Klasnic, die im Ausland weilte, wurde kritisiert.
(apa/red)
