Hallstätter pfeifen auf Denkmalschutz:
80 Prozent der Bürger stimmen dagegen
- Unterschriftenaktion: Bereits 1.300 unterzeichnet
- Ganze Ortsteile sollen unter Schutz gestellt werden

Die Hallstätter machen Front gegen den Denkmalschutz: Bereits 80 Prozent der Wahlberechtigten des 900-Seelen-Ortes haben gegen die geplante Unterschutzstellung ganzer Ortsteile unterschrieben, wie Bürgermeister Alexander Scheutz berichtete. Er befürchtet, dass viele junge Hallstätter abwandern, wenn ihnen beim Umbau ihrer Häuser Steine in den Weg gelegt würden.
In Hallstatt stehen bereits 94 Gebäude unter Denkmalschutz. Laut Gemeinde sollen nun in einer ersten Phase 150 und mittelfristig bis zu 280 weitere, darunter viele Privathäuser, folgen. Das Bundesdenkmalamt wollte vorerst keine Zahlen nennen. Die Bewohner befürchten 30 Prozent Wertminderung und dass die Behörde künftig bei jeder Veränderung - sogar beim Innenausbau - zustimmen muss. Sie fühlen sich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt. Sogar den UNESCO-Welterbe-Status will man notfalls wieder zurückgeben.
Unterschriftenaktion gestartet
Die Bevölkerung hat eine Unterschriftenaktion gestartet, 1.300 Leute haben bereits unterzeichnet. Das sind deutlich mehr als Hallstatt Einwohner hat, denn auch die übrigen Welterbe-Gemeinden - Bad Goisern, Obertraun und Gosau - sehen sich im selben Boot. Auf den Häusern prangen bereits Transparente mit der Aufschrift "Hallstatt wehrt sich gegen den Denkmalschutz", auf teils englischsprachigen Flugzetteln erklären die Bürger den internationalen Touristen den Grund der Aktion. Laut Bürgermeister Scheutz ernten sie dafür auch durchwegs Verständnis.
Hallstatt verfügt mit seiner Lage am gleichnamigen See nicht nur über eine weltberühmte Kulisse, sondern auch über eine historische Bedeutung von internationaler Tragweite. Bereits vor 7.000 Jahren wurde dort im ältesten Salzbergwerk der Welt Bergbau betrieben, was der Region damals großen Wohlstand bescherte. Nicht zuletzt wegen der zahlreichen archäologischen Funde trägt die ältere Eisenzeit Mittel- und Westeuropas heute auch den Namen Hallstattzeit.
(apa/red)
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