Am Arbeitsmarkt ist bald die Hölle los:
Ostöffnung macht AMS das Leben schwerer
- Auch Mindestsicherung wird Arbeitslosigkeit antreiben
- Fachkräftemangel in Österreich bleibt weiter bestehen

·Jobs sind auch im
März Mangelware
Immer noch 350.000
ohne Beschäftigung
·Europa stöhnt unter
Rekordarbeitslosigkeit
Jeder 10. Erwerbstätige
hat in der EU keinen Job
Als würde so eine mittelschwere Jahrhundertkrise nicht reichen: Der Arbeitsmarkt kann sich bei allen Hoffnungen auf einen Aufschwung erst einmal auf eine längere Durststrecke einstellen. Während die Einführung der Mindestsicherung im Herbst nur statistische Auswirkungen auf die Arbeitslosenzahlen haben wird, könnte im Mai 2011 nämlich kein Stein auf dem anderen bleiben: Die Öffnung des heimischen Arbeitsmarktes für Arbeitskräfte aus Osteuropa.
Die Einführung der Mindestsicherung im kommenden Herbst und die Ostöffnung des österreichischen Arbeitsmarkts ab Mai 2011 werden die Arbeitslosenquoten in die Höhe treiben, sagte AMS-Vorstand Johannes Kopf. Das bis 2014 zu erwartende Wachstum werde nicht ausreichend sein, um nach 2011 die Arbeitslosigkeit zu senken, befürchtet Wifo-Chef Karl Aiginger.
Der negative Effekt, den das AMS durch die Einführung der Mindestsicherung erwartet, ist ein eher statistischer, hervorgerufen durch die strengeren Meldeerfordernisse für die früheren Sozialhilfeempfänger, erläuterte Kopf. Wie groß der Effekt ausfallen werde "wissen wir nicht".
Real sei dagegen der zweite Sondereffekt, der ab Mai 2011 auf den österreichischen Arbeitsmarkt zukomme - die gänzliche Öffnung des Arbeitsmarkts für die Bürger jener osteuropäischen Nachbarländer, die 2004 der EU beigetreten waren. Dieses Phänomen werde sich vor allem in für Tagespendler erreichbaren Grenzregionen und bei nichtqualifizierten Arbeitskräften auswirken.
Fachkräftemangel bleibt akut
Deutschland und Österreich hatten sich für diese Länder eine siebenjährige Übergangsfrist am Arbeitsmarkt ausbedungen und sich Mitte 2009 gegen Kritik aus der Industrie und der EU-Kommission entschlossen, diese auch auszuschöpfen. Der Arbeitsmarkt für Fachkräfte aus diesen Ländern war dagegen schon ein Jahr vorher weitgehend liberalisiert worden. AMS-Kopf sieht dies auch aus heutiger Sicht als richtig an.
Wifo-Chef Karl Aiginger sagte, dass das Thema Fachkräftemangel nach wie vor aktuell sei und dass es weiter darauf ankomme, die Menschen richtig zu qualifizieren. Er erwartet "mittelfristig" (also für die nächsten fünf Jahre) nicht mehr als 1,3 Prozent jährliches Wachstum - dies werde nicht ausreichen, um die Arbeitslosigkeit zu verringern.
(apa/red)
