Dienstag, 6. April 2010

Gedenken an das Erdbeben in L'Aquila:
Berlusconi erntet Pfiffe bei Lichter-Andacht

  • 25.000 auf dem Domplatz der ausgestorbenen Stadt
  • Beben vor einem Jahr kostete 308 Menschenleben

Ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben hat die italienische Stadt L'Aquila mit einer bewegenden Nachtwache der Opfer der Naturkatastrophe gedacht. Es war 3.32 Uhr, als die Erdstöße 308 Menschen in der mittelitalienischen Region in den Tod rissen. Mehr als 1.600 Menschen wurden verletzt, Zehntausende verloren ihre Wohnungen und Häuser. Das Beben hatte eine Stärke von 6,3.

Um 3.32 versammelten sich etwa 25.000 Menschen auf dem Domplatz der Regionalhauptstadt der Abruzzen zu einer Schweigeminute. Wo vor einem Jahr Schreie durch die Nacht hallten, wurden nun die Namen der Toten vorgelesen. Mit Kerzen in den Händen harrten viele Einwohner von L'Aquila stundenlang auf der historischen "Piazza Duomo" aus. Zuvor hatte sich der Stadtrat in einer Kirche zu einer Andacht versammelt. Hunderte von Bürgern nahmen im Gotteshaus und davor an der Versammlung teil.

"Ich werde mich immer an diese dramatischen Tage erinnern, den Stolz der Aquilaner und die Großzügigkeit der Helfer", erinnerte der italienische Ministerpräsident Berlusconi an das Beben. Berlusconi war nach der Katastrophe durch rasche Organisation zunächst als eine Art "Vater der Nation" gefeiert worden. In wenigen Monaten hatte seine Regierung zahlreiche neue Häuser gebaut, um die Obdachlosen aus den Zelten zu holen. Heute sehen das viele kritisch.

Pfiffe für Berlusconi und Co.
Tausende sind weiter in Notunterkünften, Pensionen und Militärkasernen untergebracht. Die Reden der offiziellen Vertreter der Stadt in der Nacht wurden vielfach durch Pfiffe unterbrochen, besonders als die Grußbotschaft von Berlusconi vorgelesen wurde.

Wie auch die ehemaligen Bewohner des nahe gelegenen Onna, das bei dem Erdbeben am schlimmsten zerstört wurde, wollen die Aquilaner nur eines: Zurück nach Hause, zurück in ihre Stadt. Zehntausende Menschen lebten monatelang in Zeltlagern. Die Gegend in und um die mittelalterliche Stadt wurde zerstört und verwüstet.

(apa/red)

6.4.2010 09:55