Erwartungen sind gar nicht mehr allzu groß:
Barbara Rosenkranz hofft auf 17 Prozent
- Feminismus lehnt FP-Kandidatin ab: Ist zu "aggressiv"
- Rudolf Gehring erwartet sich spirituelle Unterstützung
Homosexualität bezeichnet der Christ als "Irrweg"

·82 Prozent würden Heinz Fischer wählen
Rosenkranz erhält laut Umfrage höchstens 14 %
·Strache lässt seine
Kandidatin hängen
Wahlkampfauftakt von
Rosenkranz ohne FP-Chef
·Gehring schießt sich auf Heinz Fischer ein
Christlicher BP-Kandidat erntet Kritik der Kirche
Zwei Wochen vor der Bundespräsidenten-Wahl glaubt auch die freiheitliche Kandidatin Barbara Rosenkranz wohl nicht mehr, dass sie das nächste österreichische Staatsoberhaupt sein wird. Als ihr Wahlziel gab die niederösterreichische Landesrätin in der ORF-"Pressestunde" aus, das beste FPÖ-Ergebnis bei einem solchen Urnengang zu erreichen - das wären mehr als 17 Prozent. Der Vorsitzende der Christlichen Partei Österreichs, Rudolf Gehring, versicherte bei seinem "Pressestunde"-Auftritt, dass er im Fall seiner Wahl die Trennung von Kirche und Staat einhalten würde.
Rosenkranz dementierte Differenzen mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Dass dieser beim Wahlkampf-Auftakt in St. Pölten gefehlt hat, sei durch "private Gründe schwerwiegender Natur" begründet gewesen. Sie werde vom Parteivorsitzenden "ausreichend unterstützt". Auch die von Strache vorgegebene Latte von 35 Prozent Wählerunterstützung sieht sie nicht als gegen sich gerichtet.
Kritik an Fischer
Kritik der freiheitlichen Kandidatin gab es neuerlich an Bundespräsident Heinz Fischer. Wenn man das Amt so farblos ausübe wie das derzeitige Staatsoberhaupt, brauche man es auch nicht. Fischer sei "ein Mann des Apparats, der politischen Klasse". So hätte er etwa bei der "Steuerlüge" der Regierung eingreifen müssen.
Rosenkranz selbst ist überzeugt, dass mit ihrer Amtsführung das Präsidentenamt wieder Sinn hätte. Auch hält sie keine Änderung des Wahlmodus - etwa eine Verlängerung der Amtsperiode auf acht Jahre, dafür ohne Wiederwahl-Möglichkeit - für nötig: "Das jetzige System ist absolut korrekt."
Verbotsgesetz
Neuerlich sprach sich Rosenkranz gegen eine Abschaffung des Verbotsgesetzes aus. Dass sie nach umstrittenen Aussagen in dieser Frage sogar eine eidesstattliche Erklärung abgeben musste, begründete die FP-Politikerin damit, dass man anders die gegen sie angelaufene Medien-Kampagne nicht hätte bremsen können. "Selbstverständlich" verurteilte Rosenkranz auch Antisemitismus. Von einer "Befreiung" Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg wollte sie hingegen so nicht sprechen. Es hätten sich sicher viele befreit geführt, andererseits seien die Zeiten bis 1955 so hart gewesen, dass sie auf von Zeitzeugen nicht als Befreiung empfunden werden konnten.
Propagiert wurde von der Freiheitlichen ein Mehr an direkter Demokratie, etwa bei Veränderungen der EU-Verträge. An einen Austritt aus der Union denkt sie nicht, Österreich solle sich dafür einsetzen, dass die Union zu einem "Europa der Vaterländer" werde. Ansonsten plädierte Rosenkranz inhaltlich für eine Valorisierung des Kindergeldes und verlangte von der "politischen Klasse" zu akzeptieren, wenn die Österreicher der Meinung seien, dass keine Zuwanderung mehr möglich sei. Gleichberechtigung ist für Rosenkranz eine "selbstverständliche Forderung", Feminismus lehnt sie jedoch als "aggressiv" ab.
Spirituelle Unterstützung
Der christliche Kandidat Rudolf Gehring zeigte sich ein wenig verärgert darüber, dass der Wiener Generalvikar Franz Schuster vor einer Instrumentalisierung der Kirche durch ihn gewarnt hatte. Da gebe es einen "groben Informationsmangel" des Generalvikars und er erwarte sich auch noch eine Klarstellung von diesem. Ohnehin glaubt sich der Präsidentschaftkandidat der Unterstützung kirchlicher Kreise sicher: "Ich bin sicher, dass ich spirituelle Unterstützung von Bischöfen und Priestern habe."
Gehring ist auch der Meinung, dass mehr Beten dem Land gut täte: "Raab und Figl haben für das Land gebetet und das hat auch geholfen. Österreich wurde danach frei."
"Hausfrauenrolle" als vollwertiger Beruf
Ebenso wie Rosenkranz brach Gehring eine Lanze für Mütter, die sich entscheiden, bei ihrer Kindern daheim zu bleiben. Die "Mutter-und Hausfrauenrolle" müsse als vollwertiger Beruf anerkannt werden, verlangte der Obmann der "Christlichen Partei Österreichs". Abgelehnt wird von ihm die Fristenlösung, womit er sich von seiner freiheitlichen Kontrahentin unterscheidet, die lediglich Begleitmaßnahmen einforderte. Gehring argumentiert, dass durch Abtreibungen mehr Leben getötet wurde als im Zweiten Weltkrieg. Bei der Verhütung lässt Gehring den Bürgern freie Hand, im Wissen, dass er sich damit von der katholischen Kirche unterscheidet: "Ich bin ja nicht der Vatikan."
Nicht unterschrieben hätte Gehring als Präsident das Gesetz über die Eingetragene Partnerschaft für Homosexuelle. Zwar seien für ihn auch diese "gleichwertige Menschen", die Gleichstellung mit der Ehe lehne er aber ab, da die Homosexualität ein "Irrweg" sei, widerspreche sie doch der Natur.
Keine Chips bei Menschen
Eine besondere Sorge beschäftigt den christlichen Präsidentschaftskandidaten noch. Es sei zu befürchten, dass auf Perspektive Menschen Chips mit Informationen über sie implantiert würden: "Bei den Hunden hat es begonnen." Dagegen dass so etwas auch bei Menschen passiere, müsse man vorbeugen: "Wir brauchen nicht mit einem Chip herumrennen."
(apa/red)
