Erdrutschsieg für ungarische Rechte: Zwei
von drei Wählern stimmen für rechte Listen
- 52,8 % für die rechtskonservative Oppositionspartei
- Rechtsradikale ziehen mit 16,70 % ins Parlament ein
Bei der ungarischen Parlamentswahl hat die rechtskonservative Oppositionspartei Fidesz-MPSZ mit 52,8 Prozent der Listenstimmen einen haushohen Sieg errungen. Die seit acht Jahren regierenden Sozialisten (MSZP) wurden mit 19,30 Prozent abgestraft, so die Wahlbehörde nach Auszählung von 99,1 Prozent der Stimmen. Die bisher nicht im Parlament vertretene rechtsradikale Jobbik erhielt 16,70 Prozent.
Als vierte Kraft konnte die grün-alternative Reformpartei LMP mit 7,43 Prozent ins Parlament einziehen. Das seit 1990 im Parlament vertretene Demokratenforum (MDF), führende Partei der ersten demokratisch gewählten Regierung (1990-94) nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, verfehlte mit 2,65 Prozent hingegen den Wiedereinzug.
Fidesz-Chef und Ex-Premier Viktor Orban (1998-2002) sprach am späten Sonntagabend von einem "großartigen, durchschlagenden, eindeutigen Sieg" und bedankte sich bei allen, die "für die Veränderung gearbeitet und gebetet haben". Er stehe "vor der größten Aufgabe meines Lebens", bekannte der bisherige Oppositionsführer in dem von der Wirtschaftskrise stark in Mitleidenschaft gezogenen Land. Premier Bajnai gratulierte ihm zum Sieg.
Lange Warteschalnge vor Wahllokalen
Die Veröffentlichung der Ergebnisse hatte sich zuvor wegen extrem langer Warteschlangen vor den Wahllokalen stark verzögert. Zum Zeitpunkt des offiziellen Wahlschlusses um 19.00 Uhr standen vor manchen Lokalen noch Hunderte Menschen, die abstimmen wollten. Daraufhin verlängerte die Landeswahlkommission (OVB) die sogenannte Wahlruhe, die eine Berichterstattung über Wahlergebnisse verbietet. Erst kurz nach 22.00 Uhr gab die OVB die offiziellen Ergebnisse bekannt.
Grund für das Wahlchaos war eine 2007 eingeführte Neuregelung des Wahlgesetzes, wonach Personen, die außerhalb ihres Wohnorts zur Wahl gehen wollen, nur mehr in ganz bestimmten Wahllokalen abstimmen dürfen. Das Chaos forderte den Protest der Parteien und gegenseitige Beschuldigungen heraus. Ungarn hat ein kombiniertes System aus Verhältnis- und Mehrheitswahlrecht, so dass die endgültige Mandatsverteilung erst nach der zweiten Wahlrunde am 25. April feststehen wird.
(apa/red)

