Marek fassungslos über türkische Schulen:
Parteien gegen "Ghetto-Schulen" in Wien
- FPÖ: Entstehung von Parallel- & Gegengesellschaften
- Breite Ablehnung gegen Vorstoß des Bürgermeisters

·Wird in Wien bald auf
türkisch unterrichtet?
Häupl kann sich türkische
Lehranstalten vorstellen
·Mehr als 500.000 Muslime in Österreich
Zahl basiert auf der Volkszählung von 2001
·Deutschstunde im
zarten Kindesalter?
Spindelegger fordert
Vorschulenunterricht
Die Wiener ÖVP und die Grünen haben sich gegen von Bürgermeister Häupl (SPÖ) für denkbar gehaltene türkische Schulen bzw. Gymnasien in Wien ausgesprochen. Sowohl Wiens ÖVP-Chefin Marek als auch Grünen-Klubobfrau Vassilakou warfen dem Wiener SPÖ-Chef "Realitätsverweigerung" vor. Stattdessen forderten beide, die deutschen Sprachdefizite auszumerzen.
Gerade bei den türkischen Schülern gebe es Sprachdefizite, die werde man nicht durch "Ghetto-Schulen" beseitigen können, so Marek gegenüber der APA. Der Anteil nichtdeutschsprachiger Kinder in den Schulen sei teilweise "ein Wahnsinn". Hier müsse man intensiv in den Deutsch-Unterricht investieren, sonst werden die Sprachdefizite dieser Schüler prolongiert und gleichzeitig die Deutsch-Muttersprachigen im Unterricht behindert.
Marek betonte, dass es ihr nicht um rechten Populismus gehe, sondern um die Chancen für die Jugendlichen, denn zwei Drittel bis drei Viertel der arbeitslosen Jugendlichen hätten Migrationshintergrund. "Ghetto-Schulen" seien "undurchdacht und gefährlich". "Das muss genau in die andere Richtung gehen." Da brauche man auch nicht "radikal oder brutal sein, sondern nur in der Realität leben".
Realitätsverweigerung von Häupl
Grünen-Klubobfrau Vassilakou sagte, Häupl betreibe mit seiner "spaltenden Scheindebatte" Realitätsverweigerung, "denn türkische Schulen würden das Wiener Sprachproblem nicht lösen". Wiener Kinder mit türkischer Muttersprache hätten ein "Recht auf eine kostenlose öffentliche Schule, in der sie sprachlich gut gefördert werden", sagte in einer Aussendung am Samstag. Vassilakou sieht Wien vor der "Mammut-Aufgabe", das Wiener Schulsystem auf moderne Sprachlehrmethoden umzustellen.
Dass es einzelne fremdsprachige Schulen geben kann, wie etwa das Lycée, sei nichts Außergewöhnliches, dagegen gebe es keine prinzipielle Ablehnung. "Aber damit lässt sich das Wiener Sprachproblem keinesfalls lösen", sagte Vassilakou.
Kritik von FPÖ und BZÖ
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache warf zuvor Häupl vor, nicht nur "nichts gegen die Entstehung von Parallel- und Gegengesellschaften zu unternehmen", sondern sie sogar "noch offensiv zu fördern". Integration - und damit das Erlernen der deutschen Sprache - sei eine "Bringschuld der Zuwanderer". Wer dazu nicht bereit sei, habe in Österreich nichts verloren, so Strache. "Eine klassische Schnapsidee aus dem Hause Michael Häupl", nannte BZÖ-Obmann Michael Tscharnutter die Errichtung türkischer Schulen in Wien.
SPÖ wehrt sich
Die SPÖ ließ das nicht auf sich sitzen und bezeichnete Marek als "ahnungslos in der Sache und vom Tonfall her bedenklich". Häupl gehe es nicht um "Ghettoschulen", sondern um ein zusätzliches Angebot, erklärte SPÖ-Landesparteisekretär Christian Deutsch. Er rief Marek dazu auf, "die verfrühte Wahlkampfpolemik zu unterlassen" und kritisierte die "Hetze" der FPÖ.
(apa/red)
