Dienstag, 6. April 2010

Gemischte Gefühle bei Österreichs Wirten:
Skepsis und Unmut über das Rauchverbot

  • Furcht vor weiterer Verschärfung des Gesetzes
  • Die REAKTIONEN aus den neun Bundesländern

In knapp drei Monaten läuft die Übergangsfrist für das Rauchverbot in Österreichs Lokalen aus. Bis dahin müssen die Betriebe das Rauchen gänzlich verbieten oder einen abgetrennten Raum für den Tabakkonsum errichtet haben. Eine Ausnahme bleibt lediglich für Gasstätten mit einer Verabreichungsfläche von bis zu 50 Quadratmeter Größe, die Zigarettenqualm weiter erlauben dürfen. Angefreundet hat sich mit dieser Regelung nach mehr als einem Jahr kaum ein Gastronom. Viele fürchten eine weitere Verschärfung, andere hingegen wünschen sich im Sinne von Gerechtigkeit einen totalen Bann.

In Wien stehen die Wirte der aktuellen Regelung skeptisch gegenüber. Auch wenn sich die meisten damit offenbar arrangiert haben. "Das Gesetz ist mit allen Schwächen lebbar", befand der Vorsitzende der Fachgruppe Gastronomie in der Wiener Wirtschaftskammer, Willy Turecek, kürzlich in einer Pressekonferenz. Gewarnt wird hingegen vor einem totalen Qualmverbot. Dieses würden 20 Prozent der Lokale nicht überleben, ist der Gastro-Obmann überzeugt.

Abwarten in Tirol
Eher abwartend zeigen sich die Tiroler Gastronomen: "Einige fangen an, sich nach den Nichtraucherschutzbestimmungen zu richten, der Großteil wird aber nichts tun und zuwarten", schilderte Helmut Woditschka, Vorstand des Strafamtes in Innsbruck, der APA seinen Eindruck. Er sei "nicht optimistisch, dass sich alle gesetzeskonform verhalten werden".

Das Thema Nichtraucherschutzgesetz bereite vielen "große Sorge" und verunsichere die Gastronomiebetreiber, meinte Josef Hackl, Spartenvertreter der Fachgruppe Gastronomie in der Tiroler Wirtschaftskammer. Die einen würden abwarten, die anderen umstrukturieren und umbauen. Besonders Einraumbetriebe zwischen 50 und 80 Quadratmeter seien davon betroffen. In den Mehrraumbetrieben sei das Rauchverbot "gar kein Problem" und werde "längst umgesetzt", sagte Hackl. In den Einkaufszentren seien die zum Teil notwendigen Umbauarbeiten fortgeschritten. Im Großteil der Lokale in den Shopping-Zentren werde ein Rauchverbot eingeführt. In einigen Betrieben werde Tabakkonsum weiterhin erlaubt sein, allerdings in Extra-Räumen.

Unmut in Salzburg
Unter den Salzburger Gastronomen herrscht großer Unmut, sagte der Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Salzburg, Maximilian Nöhammer. Einige Betreiber hätten bereits Umbaumaßnahmen getroffen. "Ich vermute aber, ein Großteil hat es nicht getan. Weil sie nicht wissen, ob nicht der Gesundheitsminister in 14 Tagen ein generelles Rauchverbot verhängt", so Nöhammer. "Sie vermissen von der Politik die erforderliche Rechtssicherheit."

In den Einkaufszentren gebe es nach wie vor "Riesenprobleme". Lokale, die in die Einkaufsmall reichen, lassen sich wegen des dort vorherrschenden Rauchverbotes baulich schwer trennen. Einige Betreiber hätten bereits Glaswände errichtet. Allgemein betrachtet wäre ein generelles Rauchverbot sinnvoller, auch wenn sich viele Gastronomen das nicht wünschen, meinte Nöhammer.

Angst in Kärnten
"Die Angst der Kärntner Wirte vor einem drohenden baldigen Rauchverbot ist selbstverständlich groß, vor allem jetzt, wo alle vor der Entscheidung stehen, ob sie umbauen sollen oder nicht", meinte Wolfgang Dörfler, Spartengeschäftsführer Tourismus in der Wirtschaftskammer (WKO), über die Stimmung im südlichsten Bundesland. Wie viele Gastronomen tatsächlich umbauen oder umgebaut haben, könne er aber nicht beziffern. Es gebe aber eine "sehr, sehr große Nachfrage" bei der von der WKO angebotenen Umbauberatung.

Die Stimmung habe sich geändert, da viele Wirte nun für ein komplettes Rauchverbot für alle Betriebe plädieren würden. "Ich sehe auch, dass die Ausnahme für Lokale unter 50 Quadratmeter immer mehr Wirte verärgert, weil sie darin einen großen Wettbewerbsnachteil sehen", meinte Dörfler. Positiv beurteilte er die Lage in den Einkaufszentren: "Das waren die ersten, die die Lösung konsequent umgesetzt haben, das ist wirklich vorbildlich."

Schlechte Stimmung in der Steiermark
Von "schlechter Stimmung" unter den Betreibern von größeren Einraum-Lokalen, berichtete der steirische Gastronomie-Spartenobmann Karl Wratschko. "Rund ein Drittel hat bereits umgebaut, ein Drittel wird noch umbauen und ein Drittel wird den Betrieb rauchfrei führen." Das betreffe insgesamt rund 13 Prozent der steirischen Gastronomie. Unter den Wirten der Mehrraum-Lokale sei die Stimmung "in Ordnung", so Wratschko.

Kein Druck in Oberösterreich
"Es steht viel auf dem Spiel", will die Fachgruppenobfrau der oberösterreichischen Gastronomie, Eva Marianne Maier, die Mitglieder nicht unter Druck setzen. Sie sollen bis 1. Juli in Ruhe arbeiten können. Bei etwa einem Sechstel der insgesamt rund 6.800 Konzessionäre des Bundeslandes sei ein Umbau nötig. Man solle nicht immer "anprangern und denunzieren", sondern aufzeigen, was die Wirte bereits geleistet hätten, betonte Maier. Ein totales Rauchverbot wäre ihrer Meinung nach in Österreich nur schwer umsetzbar, da das Land über eine starke Vereinskultur und viele unterschiedliche Lokalitäten verfüge.

Einbußen im Burgenland
Im Burgenland ist die Stimmung gemischt: Die Regelung sei zwar "gut umgesetzt worden" und die meisten Lokale hätten umgebaut, allerdings nur weil es "Gesetz ist", so Helmut Tury, Obmann der burgenländischen Gastronomie. Ein paar wenige, hauptsächlich Kaffeehäuser, würden sich nicht daran halten, da sie nicht die Möglichkeit zur Trennung hätten. Für die Betriebe in den Einkaufszentren befürchtet Tury "massive Einbußen".

Probleme in Vorarlberg
Zwei Drittel bauen um, ein Drittel wird rauchfrei - das ist laut Andrew Nussbaumer, Fachgruppenobmann der Gastronomie in der Vorarlberger Wirtschaftskammer (WKV), derzeit der Stand bei den Ländle-Lokalen. Viele Wirte begännen derzeit mit den nötigen Anpassungen ihrer Betriebe. Einige Gasthäuser mit dem Pensionsalter nahen Betreibern würden allerdings zusperren. "Die tun sich das nicht mehr an", so Nussbaumer. Die schwierige Lage für Gaststätten in Einkaufszentren habe sich inzwischen zwar entschärft, etwa weil die Wirte Glaskuben für ihre rauchenden Gäste installierten, dennoch sei das Rauchverbot dort weiter ein wirtschaftliches Problem.

Frust in Niederösterreich
In Niederösterreich haben laut Rudolf Rumpler, Fachgruppenobmann für Gastronomie in der Wirtschaftskammer des Bundeslandes, zwei Drittel der Wirte keine Schwierigkeiten mit der Umsetzung des Rauchverbots. Er könne nur dazu raten, die Regelung bis Anfang Juli einzuhalten, sonst habe für die Betroffenen das Gesetz entschieden. Die meisten Lokale würden auch weiterhin ein Angebot für Raucher bieten, um diese wichtige Gästeschicht nicht zu vernachlässigen, kündigte er an. Probleme gibt es auch in den Einkaufszentren: Die Umsetzung scheitere aber eher am Besitzer als am Pächter, weil dieser nicht das Recht habe, Umbauarbeiten durchzuführen.

Angst vor einem totalen Rauchverbot gebe es "zu Recht" vor allem in jener Gastronomie, die hauptsächlich zu Unterhaltungszwecken aufgesucht werde. Frust entstehe auch häufig durch die Konkurrenz mit Clubbings, Zeltfesten, Vereinshäusern, etc. bei denen die Raucher-Regelungen nicht kontrolliert werde, meinte Rumpler. (apa/red)

6.4.2010 18:12