"Ich will nicht nur Mitläuferin sein": Margit Fischer im persönlichen Interview mit FIRST
- Über ihren Ehemann, Kommunikation & private Zeit
- Was sie an der Seite des Bundespräsidenten genießt

Die Bezeichnung First Lady mag sie nicht. Wie die Frau von Bundespräsident Heinz Fischer, der sich am 25. April erneut der Wahl stellt, ihre Rolle sieht und was ihr persönlich wichtig ist, verriet sie Uwe Killing in einer ihrer seltenen Interview-Audienzen.
Rein statistisch gesehen reden lange verheiratete Ehepaare sehr wenig miteinander. Laut einer Studie aus Deutschland sollen es täglich nur rund zehn Minuten sein. Wie ist das bei Ihnen?
Gemessen habe ich das noch nie, aber bei uns ist das sicherlich wesentlich mehr Zeit. Wir kommunizieren schon beim Frühstück sehr intensiv. Und am Abend lassen wir die Ereignisse gemeinsam Revue passieren.
Ist es mit dem Amt des Bundespräsidenten und den vielen Verpflichtungen schwieriger geworden, sich diese gemeinsame private Zeit zu erhalten?
Eigentlich nicht, denn für uns ist die Kommunikation eine Selbstverständlichkeit. Wir haben in unserer Beziehung sehr früh die Erfahrung gemacht: Wenn wir diese Zeit des Austausches nicht haben, leben wir uns auseinander. Das war damals eine sehr intensive Erkenntnis, die auch zur Veränderung in unseren Lebensgewohnheiten wie auch bei der Karriereplanung geführt hat.
Haben Sie das Gefühl, dass in den vergangenen Jahren irgendetwas zu kurz gekommen ist in Ihrem Leben?
Ich habe so viele positive Dinge erleben dürfen. Deshalb wäre es unbescheiden, wenn ich nun Versäumnisse beklagen würde.
Haben Sie als Ehefrau des Bundespräsidenten Ihr Heimatland neu kennen gelernt?
O ja. Wir sind viel unterwegs im Land. Aber auch bei den Auslandsreisen lernt man in den Delegationen viele Vertreter der österreichischen Wirtschaft, der Wissenschaft oder der Kunst von einer ganz anderen Seite kennen. Und ich muss sagen, es sind ganz wunderbare Menschen, die da in Spitzenpositionen unser Land vertreten.
Wie werden Sie angeredet?
Ich bin die Frau Fischer.
Am Anfang sind Sie in den Medien wie Ihre Vorgängerinnen als First Lady tituliert worden. Haben die Menschen akzeptiert, dass Ihr Selbstverständnis ein anderes ist?
Sagen wir so: Es beginnt sich durchzusetzen. Es ist ein Lernprozess für beide Seiten.
Wie definieren Sie Ihre Position?
Ich bin die Frau des Bundespräsidenten. Gleichzeitig habe ich mich immer als eine eigenständige Person verstanden, die auch weiterhin ihre Termine wahrnimmt. Mein Engagement für soziale Dinge, den Frauenrat oder das Science Center Netzwerk hat schließlich schon lange vor unserer Zeit in der Hofburg begonnen. Ich will nicht einfach nur Mitläuferin sein oder nur zu bestimmten Veranstaltungen gehen, weil es in ist.
Obwohl Sie kein offizielles Amt bekleiden, gibt es sehr wohl Protokollvorgaben und Erwartungen an Sie
Das Protokoll empfinde ich durchaus als Hilfe bei öffentlichen Auftritten. Bei Staatsbesuchen bekomme ich die gleichen Unterlagen wie mein Mann, und ich bereite mich entsprechend sorgfältig vor. Als Frau des Bundespräsidenten sitzt man immer sehr hochrangig, sodass sich sehr spannende Begegnungen ergeben. In China beispielsweise habe ich mich beim Abendessen mit Staatschef Hu Jintao über die politische und ökonomische Situation in beiden Ländern unterhalten. Ich habe ihm gesagt, dass es auch in einem reichen Land wie Österreich noch zu viele arme Menschen gibt und wir deshalb eine staatliche Mindestsicherung vorbereiten. Da war er ganz beeindruckt und wollte mehr darüber wissen.
Ihr Mann betont immer wieder, dass Sie sein wichtigster Halt sind. Haben Sie ihm auch geraten, erneut für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren?
Wir haben das Pro und Contra in vielen Gesprächen beleuchtet. Einerseits kennen wir beide durchaus unser Geburtsdatum. Doch letztlich überwog die Erkenntnis, dass die Argumente für eine zweite Amtsperiode stärker sind.
Gibt es beim Präsidenten Heinz Fischer auch neue Seiten, die Sie entdeckt haben?
Nun, wir sind seit 42 Jahren verheiratet. Da kennt man sich schon sehr gut. Dennoch überrascht es selbst mich immer wieder, wie viele Menschen er im Ausland und in Österreich kennt und welche Achtung ihm entgegengebracht wird. Seine große Stärke sind Vieraugengespräche, in denen er auf Gesprächspartner ausgezeichnet eingehen kann.
LESEN Sie das ganze Interview in FIRST 04/10!
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