Bußgottesdienst mit Schönborn in Wien: Kardinal legt Schuldbekenntnis für Kirche ab
- 3.000 Besucher bei Messe zu Missbrauchsskandal
- Schönborn: "Predigtworte in dieser Stunde daneben"

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Mit einem Schuldbekenntnis im Namen der Kirche hat Kardinal Christoph Schönborn auf die in den vergangenen Wochen bekanntgewordenen Missbrauchsfälle noch einmal reagiert. Im Wiener Stephansdom fanden sich knapp 3.000 Besucher ein, mitinitiiert wurde der Gottesdienst von der kritischen Plattform "Wir sind Kirche". Schönborn dankte auch den Opfern, dass diese das Schweigen gebrochen hätten.
"Wir, Gottes Volk, seine Kirche, tragen miteinander an dieser Schuld", lautete die Kernbotschaft des Schuldbekenntnisses, das Schönborn gemeinsam mit der Theologin und Publizistin Veronika Jagenteufel vortrug. Darin wurde unter anderem auch bekannt, dass man "die Leiblichkeit" nicht wertgeschätzt habe und an der Aufgabe, "Sexualität gut zu leben", gescheitert sei. Schönborn: "Einige von uns haben sexuelle Gewalt angewendet." Außerdem wurde zugegeben, "dass wir vertuscht und ein falsches Zeugnis gegeben haben".
In seiner Predigt betonte Schönborn, dass es in einer so schwierigen Situation schwer sei, die richtigen Worte zu finden: "In dieser Stunde sind Predigtworte daneben, sie können nur peinlich werden, oft verletzend. Schweigen wäre angebracht." In letzter Zeit sei in der Kirche vieles aufgebrochen, so Schönborn. Nun werde weniger weggeschaut, "aber es bleibt viel zu tun".
"Gottesvergiftung"
Schönborn setzte die Missbrauchsfälle in der Kirche mit "Gottesvergiftung" gleich. Die Beziehung zu Gott werde dadurch zerstört. "Das ist es, was Missbrauch in der Kirche noch schlimmer macht." Die Gebete beim Bußgottesdienst würden ganz den missbrauchten Menschen gehören. "Es ist eine schmerzliche Erfahrung für die Kirche. Aber was ist dieser Schmerz im Vergleich des Schmerzes der Opfer."
Hans Peter Hurka von der Plattform "Wir sind Kirche" sprach bei der Verabschiedung noch einmal von einem "gemeinsamen Zeichen", das man mit diesem Gottesdienst gesetzt habe. Vor Schönborns Predigt und Schuldbekenntnis wurden Texte von Missbrauchs-Betroffenen vorgelesen. Der Titel einer Passage - "Ich bin wütend, mein Gott!" - war auch zum Motiv für den Bußgottesdienst geworden. Auch Klagepsalme wurden vorgetragen, ebenso wie Fürbitten, die Tätern und Opfern galten.
Schönborn bezeichnete den Bußgottesdienst danach vor Journalisten als "sehr stimmig". Die ganze Not der Opfer sei vor Gott hingetragen worden. Lob gab es auch für die Kritiker von "Wir sind Kirche". Diese hätten die Liturgie "sehr gut, sehr einfühlsam vorbereitet". Es sei allerdings klar, dass es bei der Veranstaltung nicht um klare Lösungen habe gehen können. Diese gehörten in die bereits bestehenden oder noch geplanten Institutionen, die sich damit befassen.
(apa/red)
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