"Habe ein Scheitern noch nie mitbedacht":
Josef Pröll über Budget- und Kanzlerpläne
- "Wer sich zum Demonstrieren berufen fühlt, soll es."
- Der ÖVP-Obmann & Vizekanzler im NEWS-Interview
·Stolze ÖVP beschwört
den Koalitionsfrieden
Pröll: Kommunalwahlen
kein Grund für Unruhe
·Pröll: "Ohne Steuern geht es nicht mehr"
Unglaubwürdig? Minister weist den Vorwurf zurück

Im NEWS-Interview plaudert ÖVP-Obmann und Vizekanzler Josef Pröll über die möglichen Stolpersteine bei der nötigen Budgetsanierung und seinen Kanzlerplan für 2013.
NEWS: Kanzler Faymann sagt: Nein zu Massensteuern wie CO2-Abgabe, ja zur Reichensteuer. Wird die Budgetsanierung zur Ideologiefrage?
JOSEF PRÖLL: Davon gehe ich aus. Da gibt es völlig unterschiedliche Positionen, mit denen wir uns hart auseinandersetzen. Am Ende muss aber ein Gesamtpaket stehen, das Österreich unter drei Prozent Defizit bringt und wieder fit für die Zukunft macht.
NEWS: Der Kanzler und Sie hatten neue Steuern ausgeschlossen. Nun wollen Sie 1,7 Mrd. durch neue Steuern lukrieren. Ein Wortbruch?
PRÖLL: Hätte ich diesen Punkt nicht so rigoros vertreten, wären wir jetzt bei nur zehn Prozent ausgabenseitiger Sanierung und 90 Prozent neuen Steuern. Viele in der SPÖ wollten das Budget ja nur über Steuern sanieren. Da bin ich auf der Bremse gestanden. Am Ende steht ein Kompromiss. Wenn ein solcher gleich als Wortbruch interpretiert wird, ist das Land unregierbar. Wenn wir hier keinen Kompromiss gefunden hätten, wären Neuwahlen im Raum gestanden, und die will ich sicher nicht.
NEWS: Faymann steht nach Wahlschlappen unter Druck. PRÖLL: Wir sind Profis genug, um zu wissen, dass man sich von Wahlen und ihrem Ausgang nicht leiten lassen soll. Wenn er jenen folgt, die zur Abgrenzung aufrufen, dann wird nur die Opposition den Erfolg ernten. Ordentliche Zusammenarbeit bringt beide Regierungsparteien weiter. Und was immer 2013 zu entscheiden ist, entscheiden nicht wir, sondern die Wähler.
NEWS: Sie geraten in der VP auch unter Druck. WK-Präsident Leitl droht bei neuen Massensteuern mit einem Schulterschluss mit dem ÖGB.
PRÖLL: Es wird für niemanden von uns einfach, auch in der eigenen Partei nicht. Die Ökologisierung des Steuersystems soll fossile Energieträger zurückdrängen. Ein Teil davon soll ins Budget gehen, aber wir wollen als Signal an die Wirtschaft auch die Lohnnebenkosten senken. Dass es unterschiedliche Meinungen zwischen Interessenvertretungen und Regierung gibt, ist klar. Ich komme selbst aus der Sozialpartnerschaft und weiß, wie es läuft. Als Bauernbunddirektor wollte ich auch jeden Tag mehr Geld.
NEWS: In der Arbeitnehmervertretung warnt man vor Einsparungen bei Arbeitslosen.
PRÖLL: Sozialminister Hundstorfer kann in seinem Ressort die Sparschwerpunkte seiner Wahl setzen. Niemand muss Angst haben, dass es bei steigender Arbeitslosigkeit weniger Arbeitslosengeld gibt. Und was die Einsparpotenziale im AMS betrifft: Warum warnt man ständig vor weniger Schulungen und denkt nie über Effizienzsteigerung in der Verwaltung nach?
NEWS: vida-Chef Kaske erinnert schon an frühere Groß-Demos. PRÖLL: Wer sich zum Demonstrieren berufen fühlt, soll es. Ich habe Verständnis, weil ich zig Demos beim Bauernbund organisiert habe. Manchmal erfolgreich, manchmal nicht.
NEWS: Es gibt neben dem Budgetplan bis 2013 wohl auch einen Kanzlerplan 2013
PRÖLL: Für Faymann oder mich?
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PRÖLL: Man muss in der Politik die Pläne anderer mitdenken.
NEWS: Kann ein harter Sparkurs Ihren Ambitionen schaden? PRÖLL: Ich mache immer meinen aktuellen Job von ganzem Herzen. Es geht darum, das Land aus der Krise zu führen. Die Menschen verstehen das auch. Abgerechnet wird am Schluss. Ich bin sicher, dass Leistung positiv bewertet wird.
NEWS: Die Frage des Scheiterns stellt sich für Sie nicht?
PRÖLL: Jeder Mensch hat sich schon einmal die Frage des Scheiterns gestellt. Es wäre unmenschlich zu erwarten, ein Mensch sei unfehlbar. Ich fürchte mich nicht vor einem Scheitern, aber habe das Scheitern noch nie im Leben aktiv in meinen Plänen mitbedacht.
Interview: Renate Kromp
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