Mittwoch, 24. März 2010

Duft des Frühlings. Wissen Sie eigentlich,
warum im Frühling alles besser riecht?

  • Pohl-Position von Walter Pohl zum Frühlingsbeginn
  • PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Manchmal fallen Entscheidungen zum Thema eines Kommentars in allerletzter Redaktionsstunde. Ursprünglich wollte ich mich diese Woche noch einmal der reckenhaften Bundespräsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz widmen, was aber schon zu viel des Schlechten gewesen wäre. Obwohl natürlich der Gedanke reizvoll erschien, zu exemplifizieren, was passieren würde, wenn sie als Staatschefin einen Besuch in Israel zu absolvieren hätte. Dann aber sah ich, dass laut NEWS-Umfragebarometer ihre Wahlzustimmung auf 19 Prozent gesunken war, was mich in eine innere politische Ruhe versetzte. Solcherart gestärkt, drehte ich eine Runde durch die Wiener Innenstadt, hielt meine Nase in den Wind und dachte: Man muss über den Frühling schreiben.

Begonnen hat er also meteorologisch am 20. März um exakt 18.32 Uhr. Olfaktorisch beginnt er jedenfalls dann, wenn das Thermometer 16 bis 18 Grad erreicht. Und das war glücklicherweise zeitgleich der Fall. Warum? Ganz einfach: Der Wind des Wechsels trägt zwar noch ein wenig das Odeur des Streusplittstaubs in sich, der sich über die Wintermonate angesammelt hat. Aber in der Luft liegt plötzlich auch der Geruch all dessen, was wir Leben nennen. Humangenerierte Düfte setzen sich unter freiem Himmel eben erst dann um, wenn eine entsprechende Temperatur erreicht ist: der Hauch vom Kebabstand, der Dampf von gebackenen Pizzen, die Abluft aus einem Wirtshaus, in dem Wiener Schnitzel brutzeln.

Also der Sache auf den Grund gehen. Warum riecht man Gerüche besser, wenn die Umgebungsluft warm ist? Wer kann mir – und uns – das sagen? Ganz einfach: Die Person heißt Christian Wetzel und fungiert als Privatdozent für Neurobiologie an der Bochumer Ruhr-Universität. Seine simple Erklärung für den Geruchs-Tsunami: Warme Luft erhöht die Aufnahmefähigkeit der Nasenschleimhaut und führt Gerüche schneller und intensiver zum Riechepithel, das im „Nasendach“ angesiedelt ist. Das ist die gute Nachricht. Leider gibt es auch eine schlechte: Das menschliche Riechvermögen nimmt im Verlauf der Evolution ständig ab, vagen Schätzungen nach werden wir den Frühling das Jahres 56910 geruchsmäßig kaum mehr wahrnehmen können. Aber das ist dann nicht mehr unser Problem …

24.3.2010 13:17