Angela Merkel kocht die Eurostaaten ein:
Berlin gibt bei Hilfe für Athen den Ton an
- Griechenland freut sich voerst über Rettungsaktion
- Ohne Deutschlands Zustimmung fließt kein Cent

·Europa greift für
Athen in die Tasche
Polit-Poker endet mit
einer Milliardenzusage
·Für Waffen gibt es
in Athen immer Geld
Deutsche Produzenten
freuen sich über Aufträge
·Griechenland als
Erbsünde der EU?
Historiker Dieter Stiefel
im Gespräch mit NEWS.at
"Ich bin mit dem Kompromiss sehr zufrieden", gibt sich Angela Merkel gut gelaunt. Dafür hat die deutsche Kanzlerin auch allen Grund: Bei der Debatte um Finanzhilfen für Griechenland hat sie ihren Willen durchgesetzt. Europa hat sich zwar bereit erklärt, Griechenland im Notfall unter die Arme zu greifen. Dennoch ist der US-nahe Internationale Währungsfonds (IWF) bei der Rettungsaktion an Bord - gegen den Willen des Eurogruppen-Chefs Jean-Claude Juncker. Und Merkel behält sich sich ein weiteres großes "Aber" vor: Ohne ihre ausdrückliche Zustimmung wird kein Cent nach Athen fließen.
Rein formell darf sich Griechenland über die Zusage für milliardenschwere Kredite freuen. Knapp über 20 Milliarden Euro stehen Athen im Bedarfsfall zur Verfügung. Dass der IWF davon fast die Hälfte beisteuern soll, ist ein Werk der eisernen Lady aus Deutschland: Merkel drängte wochenlang darauf, nicht für das griechische Schuldenschlamassel einstehen zu müssen. Dafür holt sie nun den USA-nahen IWF an. Und in dessen Schlepptau mitunter den Einfluss Washingtons auf den Euro.
Noch viel gewichtiger ist aber, dass vielleicht auch im schlimmsten Falle kein Euro fließen muss. Denn um den nun beschlossenen Hilfsmechanismus in Gang zu setzen, bedarf es der einhelligen Zustimmung aller EU-Länder - auch der Deutschlands, das laut "Financial Times Deutschland" bis zu 27 Prozent der EU-Kredite beisteuern müsste.
Flucht nach vorne
Nicht allein deswegen hofft man, dass der Fall der Fälle gar nicht eintritt und Griechenland die zur Finanzierung erforderlichen Kredite weiterhin auf den Finanzmärkten beziehen kann. "Ich bin zuversichtlich, dass der Hilfsmechanismus gar nicht aktiviert werden muss und dass Griechenland nach und nach das Vertrauen der Märkte zurückgewinnt", artikuliert EZB-Präsident Jean-Claude Trichet die Hoffnung aller Beteiligten. Was den Euro betrifft, ist das jedenfalls gelungen: Der Kurs der Gemeinschaftswährung hat sich seit dem gestrigen Zehn-Monats-Tief inzwischen wieder deutlich erholt.
Anlass zum Optimismus, dessen Existenz allein vorerst viele Sorgen überstrahlt. Nicht nur in Brüssel zeigt man sich zufrieden, auch Griechenland schätzt sich bei aller Ungewissheit über das Funktionieren des Hilfsmechanismus' glücklich: "Die Bemühungen des griechischen Volkes werden belohnt", feiert der griechische Ministerpräsident Papandreou die Einigung. "Heute haben wir nicht nur Entscheidungen für Griechenland, sondern auch für Europa getroffen", ist Papandreou überzeugt, um hinzuzufügen: "Wir schützen unsere gemeinsame Währung. Europa kommt gestärkt aus diesem Treffen heraus."
Dem stimmt auch die deutsche Bundeskanzlerin zu: "Europa hat Handlungsfähigkeit bewiesen und gleichzeitig etwas für die Stabilität des Euro und für die Solidarität mit einem in Schwierigkeiten befindlichen Land getan." Ob es mit dieser Solidarität aber wirklich so weit her ist, muss sich im Ernstfall erst zeigen. Denn auch Werner Faymann warnt, man müsse das Modell "erst durchspielen". Erst dann wird man sehen, ob nicht "zu viele Köche" am Werk sind, so der Kanzler. Und herausfinden, welches Süppchen Frau Merkel eigentlich kocht.
(mei)
