Freitag, 26. März 2010

Europa hilft Griechenland aus der Patsche:
Im Notfall fließen Milliarden nach Athen

  • Europa und IWF wollen Geld zur Verfügung stellen
  • Finanzbedarf auf bis zu 23 Milliarden Euro geschätzt

Griechenland kann erst einmal aufatmen: Zur Rettung des Euro einigen sich Europas Staats- und Regierungschefs auf einen Notfallplan, der Athen den Zugriff auf Milliarden garantiert. "Die Spekulanten wissen jetzt, dass Griechenland nicht alleine gelassen wird", feiert Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker die Einigung. Europa wird im worst case aber bis zu 8 Milliarden Euro herausrücken müssen - denn der Internationale Währungsfonds soll nur ein Drittel der anfallenden Hilfsgelder bezahlen.

Allgemein wird davon ausgegangen, dass Griechenland zunächst nicht auf diese Hilfen zurückgreifen wird. Schon die Zusage einer Unterstützung soll es Athen ermöglichen, sich über die Finanzmärkte das nötige Kapital zu beschaffen. Offiziell werden zwar keine Zahlen für den Finanzbedarf Griechenlands genannt, Diplomaten sprachen am Rande des EU-Gipfels aber von 20 bis 23 Mrd. Euro.

Bundeskanzler Werner Faymann bezeichnete den Notfallplan als "ein Modell", auf das auch andere Länder zurückgreifen könnten. Allerdings habe sich "keiner zu Wort gemeldet, der den Anschein erweckt hat, er könnte sich schon zur Stunde mit dem Modell beschäftigen". Es wäre ein "großer Treffer", wenn die abschreckende Wirkung des Notfallplans gegen Spekulanten so groß sei, dass er nicht gebraucht würde, sagte Faymann. Noch abgeschwächt werden dürfte eine Textpassage, in der die Euro-Länder im Laufe des Gipfels die Schaffung einer "Wirtschaftsregierung" in Aussicht stellten. Statt dessen sei nun nach der Sitzung der EU-27 von einer "verbesserten governance" die Rede, so Faymann, was als "Regierungsrichtlinie" zu verstehen sei. Dies würde keine Änderung der EU-Verträge erfordern.

"Adäquate Antwort"
Der Vorsitzende der Eurogruppe, Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker, nannte die Einigung eine "adäquate Antwort" auf die Probleme Griechenlands. Eine frühere Einigung wäre Juncker lieber gewesen und auch die Einbindung des IWF hätte Juncker lieber vermieden, aber es sei angesichts des Widerstands einiger Länder keine andere Lösung möglich gewesen.

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso bezeichnete den Rettungsplan für Griechenland als "solides Sicherheitsnetz". Der ständige Ratsvorsitzende Herman Van Rompuy betonte, man habe gezeigt, dass Griechenland nicht im Stich gelassen werde. Damit würden auch "Unwägbarkeiten beseitigt". Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy verwies darauf, dass die Einigung ein Erfolg des deutsch-französischen Tandems sei: "Wie immer in Europa sind die Länder erleichtert, wenn Deutschland und Frankreich ihren Willen zu einer tiefen Zusammenarbeit bekundet haben", sagte er. Seien Deutschland und Frankreich sich einig, dann sei alles einfacher.

(apa/red)

26.3.2010 11:26
brabus, 26. 03. '10 11:18
Milliardengrab
Wann werden die Verantwortlichen für dieses Desaster verurteilt ? Oder kann es gar sein, dass die gleichen Politiker die das verbockt haben jetzt unser schwer verdientes Steuergeld bekommen ? Ein Fuchs der mit einem Bein in der Falle hängt beisst sich vorher dieses Bein ab, bevor er als Ganzes draufgeht. Was macht die EU ? Die hängt die anderen drei Beine auch noch rein. Und abschreckende Wirkung gegen Spekulanten ? Sind wir nur von Vollkoffern umgeben ? Anstatt das Spekulatentum abzuschaffen und unter schwere Strafe zu stellen werden Milliarden an Steuergeldern aufgebracht, um die Spekulaten 'abzuschrecken'. Es wird Zeit entweder aus der EU auszutreten oder dafür zu Sorgen, dass nur mehr Politiker mit Hirn und Eignung für diesen Job aufgestellt werden und alle anderen sich vertschüssen.
galileo2, 26. 03. '10 08:18
da geht er
euro den bach runter u auf kurz oder lang, auch diese EU.
sidestep, 26. 03. '10 10:10
Re: da geht er
In Kürze ist dann Portugal dran, dann Spanien, dann Italien und auch Irland und immer wenn wir NEIN sagen, werden diese Länder auf die Hilfe für Griechenland verweisen und gleiches Recht für alle verlangen. Die Dummen sind dann die Nettozahler, die das ausschweifende Leben der Südeuropäer ohne Besserungsabsichten finanzieren dürfen. Mit solchen Politikern wie eine Merkel, einen Sarkozy oder einen Faymann kann man nicht einmal einen schwachen Cent verdienen. Die gehören auf dem Misthaufen der Geschichte entsorgt - aber sofort. Den Nettozahlerländern wie Österreich oder Deutschlnad wird ein Sparpaket nach dem anderen auf den Leib gedrückt und die oben genannten Länder leben in Saus und Braus.