Aufschwung lässt weiter auf sich warten:
Österreichs Wirtschaft tritt auf der Stelle
- Heuer nur 1,3 Prozent Wirtschaftswachstum erwartet
- Lage am Arbeitsmarkt wird sich weiter verschärfen

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Österreich erholt sich ebenso wie Europa nur langsam von der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Rezession ist zwar vorüber, doch gestaltet sich der Aufschwung zäher als gedacht. Für 2010 erwarten die Institute 1,3 Prozent BIP-Plus, für 2011 mit 1,4 Prozent (Wifo) bzw. 1,7 Prozent (IHS) kaum mehr, obwohl der private Konsum wie 2009/10 auch nächstes Jahr real wächst. Uneins sind die Institute, ob Österreich noch ein Konjunkturpaket braucht: Wifo-Chef Karl Aiginger sagt Ja und will 1 bis 1,5 Mrd. Euro zusätzliche Impulse, IHS-Leiter Bernhard Felderer lehnt wegen des Budgetdefizits ab.
Österreichs Wirtschaft erholt sich laut Wifo nur verhalten. Impulse kommen primär vom Export, doch sei die Nachfrage der wichtigsten Handelspartner wenig dynamisch, teils seien die Zielländer noch in der Rezession. Erhebliche Risken berge neben den labilen Finanzmärkte auch die uneinheitliche Entwicklung in CEE. Der Übergang von der Export- zu einer Investitionskonjunktur dürfte in den nächsten Quartalen - auch wegen der weiter sehr geringen Auslastung der Industrie - nicht ausgelöst werden. "Ein kräftiger Konjunkturaufschwung ist deshalb nicht in Sicht", so das Wifo.
Die Lage am heimischen Arbeitsmarkt wird sich nicht entspannen, sondern 2011 weiter verschärfen, aber nicht mehr so stark wie zuletzt geglaubt. Nach Eurostat-Definition geht das Wifo für heuer von einem Anstieg der Arbeitslosenrate von 5,0 auf 5,2 Prozent aus, für 2011 werden 5,4 Prozent erwartet. Nach nationaler Berechnung dürfte die Quote heuer von 7,2 auf 7,4 Prozent steigen, dann aber nur noch auf 7,7 statt 8,1 Prozent. Das IHS erwartet für beide Jahre 5,5 (Eurostat) bzw. 7,7 Prozent Quote. Im Schnitt werden vom Wifo 282.000 Arbeitslose für 2011 erwartet, plus 79.00 in Schulung befindliche Personen. In Summe wird die Arbeitslosenzahl in Österreich durch die Finanz- und Wirtschaftskrise dann um 100.000 angestiegen sein.
Geld verliert rascher an Wert
Die Inflation dürfte sich etwas stärker beschleunigen als zuletzt angenommen - heuer durch Verteuerungen bei Energie und nächstes Jahr durch mögliche Energiesteuern. Die Inflations-Prognose für 2010 hat das Wifo von 1,3 auf 1,4 Prozent angehoben, für 2011 etwas kräftiger von 1,5 auf 1,8 Prozent; damit wäre die Teuerung in Österreich dann höher als im Euro-Raum. Das IHS sieht 2010/11 Inflationsraten von 1,3 und 1,6 Prozent und meint, dass der Preis-Überwälzungsspielraum für die Unternehmen gering bleibt.
Das Budgetdefizit wird auch heuer und nächstes Jahr niedriger ausfallen als die Konjunkturforscher noch im Dezember angenommen haben. Nach 3,5 Prozent des BIP gesamtstaatlichem Abgang 2009 gehen sowohl Wifo als auch IHS für 2010 nun von 4,7 Prozent Defizit aus (statt laut Wifo 5,2 Prozent bzw. IHS 5,3 Prozent), für 2011 von 4,0 Prozent Minus statt der 4,8 (IHS: 4,9) Prozent laut Winterprognose.
Für eine stärkere Aufwärtsbewegung der Wirtschaft fehlt vor allem eine Belebung der Investitionstätigkeit der Unternehmen. Daher hat das Wifo seine Konjunkturprognose leicht gesenkt, das IHS bleibt bei seinen niedrigen Annahmen. Laut Aiginger würde ein solches Paket die Wirtschaft etwas stärker wachsen lassen und die Arbeitslosigkeit leicht senken.
(apa/red)
