Freitag, 26. März 2010

"Ich habe das für einen Scherz gehalten":
Neo-Hypo-Boss Kranebitter im FORMAT-Talk

  • Vorstand: "Rückzug der Republik in 3 - 5 Jahren"
  • "Klarer Fokus ist, die Problemkredite abzubauen"

Exklusiv: Gottwald Kranebitter, der neue Chef der Hypo Alpe Adria, in seinem ersten Interview.

FORMAT: Herr Kranebitter, wie kommt es, dass Sie jetzt neuer Chef der Hypo Alpe Adria werden? Sie haben sich um den Posten ja nicht beworben.
Gottwald Kranebitter: Ich wurde von Franz Pinkl (dem scheidenden Chef der Hypo) im Dezember gebeten, bei der Verstaatlichung der Bank beratend mitzuarbeiten. Dort bin ich anscheinend Finanzminister Pröll und Staatssekretär Schieder aufgefallen. Ich wurde dann mit dem von der EU geforderten Restrukturierungskonzept betraut. Als klar war, dass der frühere Hypo-Vorstand nicht bleibt, hat mich Aufsichtsratschef Ditz gefragt, ob mich die Aufgabe interessiert. Ich habe das zunächst für einen Scherz gehalten.

Fokus auf Problemkredit-Abbau
FORMAT: Und wieso machen Sie es jetzt doch?
Kranebitter: Es ist für mich eine äußerst große Herausforderung. Wichtig war mir, dass ich ein gutes Team habe. Mit Johannes Proksch und Wolfgang Edelmüller habe ich das beste aller Vorstandsteams.
FORMAT: Werden Sie jetzt Ihren Wohnsitz von Wien nach Kärnten verlegen?
Kranebitter: Sitz der Bank ist Kärnten. Als Chef werde ich jedenfalls dort sein, wo das Geschäft ist.
FORMAT: Sie kennen die Hypo ja schon gut. Was sind die vordringlichsten Probleme, die man anpacken muss?
Kranebitter: Klarer Fokus ist, die Problemkredite abzubauen. Dann ist es wichtig, die nachhaltig gesunden Geschäftsfelder weiterzuentwickeln. Von einigen wird sich die Bank auch trennen müssen. Und der dritte Punkt ist ein sinnvolles Sparprogramm, ohne die Qualität der Kundenbetreuung und die Risiko-Steuerung der Bank zu gefährden. Die Europäische Kommission hat bei all dem ein gewichtiges Wort mitzureden.

FORMAT: Ihr Aufsichtsratschef Ditz hat angekündigt, dass die Republik die Bank in drei Jahren wieder loswerden will. Halten Sie das für realistisch?
Kranebitter: Die Republik tut gut daran, die Bank so lange zu halten, bis sie dafür wieder mehr Geld bekommt, als das jetzt der Fall wäre.

FORMAT: Wie sehen Ausstiegsszenarien aus? Ist Börsengang ein Thema?
Kranebitter: Jetzt an Börsengang zu denken wäre unverfroren. Die wahrscheinlichste Variante ist, dass sich die Republik in drei bis fünf Jahren zurückzieht.

Lesen Sie das ganze Interview im FORMAT 12/10!

26.3.2010 13:45