Kevin Kuranyi macht die Knappen glücklich:
Schalke lächelt von der Tabellenspitze herab
- Bayer Leverkusen schreibt den Meistertitel bereits ab
- Nun kommt es zum direkten Duell um die Liga-Spitze
·VfB Stuttgart setzt
den FC Bayern matt
Schalke dank Doppel von Kuranyi an Tabellenspitze

Strauchelnde Bayern, Schalke erstmals seit 223 Tagen ganz vorn, Herbstmeister Leverkusen erneut auf dem Weg nach unten: Der Titelkampf in der deutschen Bundesliga spitzt sich zu und wird zum Duell Königsblau gegen Rot. Nach dem 2:0 von Schalke auswärts gegen Leverkusen sieht selbst Fußball-"Magier" Felix Magath ungeahnte Konstellationen. "Wenn wir die Bayern schlagen, hätten wir schon Chancen", ließ sich der Trainer der Gelsenkirchner nach dem Erfolg in der BayArena entlocken.
Bereits am Karsamstag kommt es zum Showdown, wenn Louis van Gaals Münchner Starensemble in der Veltins-Arena zum Knüller auf Schalke antreten und die dritte Meisterschaftsniederlage en suite abwenden muss, um seine Titelchance zu wahren. "Es tut sehr weh", klagte Van Gaal nach dem 1:2 im 86. Süd-Derby gegen den VfB Stuttgart. Doch damit nicht genug, werden die Bayern auch von Verletzungssorgen geplagt, denn ausgerechnet Arjen Robben zog sich eine Wadenzerrung zu.
"Jogi, mach' die Augen auf!"
Schalke zeigte sich dagegen nach dem 0:1 im Cup-Halbfinale gegen die Münchner bestens erholt und erklomm dank Torjäger Kevin Kuranyi die Spitze. Vor den Augen von Deutschlands Teamchef Joachim Löw, der ihn im Oktober 2008 aus dem DFB-Team verbannt hatte, traf der Stürmer im Doppelpack und stellte mit jetzt 17 Treffern einen persönlichen Rekord auf. Auf der Tribüne der mit 30.210 Zuschauern ausverkauften BayArena gaben deshalb die Fans des neuen Tabellenführers Löw einen guten und unüberhörbaren Rat: "Jogi, mach' die Augen auf!"
Kuranyis meisterliche Darbietung beim nie gefährdeten Erfolg lässt Schalke an den ersten Titel seit 1958 - damals unter dem legendären Wiener Trainer Edi Frühwirth - glauben. Auf eine Begnadigung durch Löw hat Kuranyi hingegen wenig Hoffnung. "Das ist eine Entscheidung, die ein Mensch getroffen hat. Und nur dieser Mensch kann das ändern", betonte der in seiner Laufbahn noch nie so zielsichere 28-Jährige nach seinem 109. und 110. Erstliga-Treffer in einem ZDF-Interview.
Schalke-Coach Felix Magath gab ebenfalls zu Protokoll, dass der Ball nun bei Löw liege. "Als Trainer muss man Entscheidungen, die man getroffen hat, auch mal verändern oder zurücknehmen", sagte der Erfolgscoach am Sonntag im DSF. Es gehe darum, dass die Mannschaft so stark wie möglich sei. "Dem hat sich auch der Trainer unterzuordnen", ergänzte Magath.
Heynckes glaubt nicht mehr an "flotten Dreier"
Bei Leverkusen herrschte nach der ersten Heimpleite seit dem 25. April 2009 (0:1 in Düsseldorf gegen Karlsruhe) Katerstimmung. Trainer Jupp Heynckes sieht angesichts fünf Punkten Rückstand auf Schalke kaum noch Chancen, aus dem sich anbahnenden Zweikampf zwischen Schalke und den Bayern wieder einen flotten Dreier zu machen: "Oben einzugreifen - das ist jetzt fast unmöglich."
Die Bayern hingegen haben bei zwei Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter die Möglichkeit, bereits wieder am Samstag mit einem Auswärtssieg im direkten Duell die Spitze von der Magath-Elf zurückzuerobern. Dazu muss der deutsche Rekordmeister aber zu alter Stärke finden. "Zwei Niederlagen hintereinander - das passiert uns nicht oft", sinnierte Kapitän Mark van Bommel nach der schon wie eine Woche zuvor beim 1:2 in Frankfurt verspielten 1:0-Führung. Damals hatte ÖFB-Teamspieler David Alaba, der diesmal nur auf der Bank saß, mit zwei schweren Schnitzern die Wende ermöglicht. "Wir haben geführt, dann darf man das Spiel nicht mehr aus der Hand geben", schimpfte auch Tormann Jörg Butt.
Stuttgart greift nach der Europa League
Nach dem 1:0 von Olic (32. Minute) sorgten Christian Träsch mit einem abgefälschten Distanzschuss (41.) sowie Angreifer Ciprian Marica (50.) für den 2:1-Erfolg der Stuttgarter, die nun die beste Rückrundenmannschaft der Bundesliga sind. "Es war nach über zehn Jahren mal wieder Zeit, hier zu gewinnen", frohlockte Trainer Christian Gross nach dem ersten VfB-Sieg in München seit 1999.
Die Europa League ist damit wieder in Reichweite für die siebentplatzierten Schwaben, die aber im Meisterschaftsfinish auf Teamspieler Sami Khedira verzichten müssen. Khedira erlitt bei einem harten Zweikampf mit seinem Nationalelf-Kollegen Miroslav Klose einen Anriss des Kreuz- und Innenbandes im linken Knie. Eine Operation soll vermieden werden und Khedira "im Optimalfall" schon in vier Wochen wieder belastbar sein. Seine WM-Teilnahme ist dennoch stark gefährdet.
(apa/red)
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