Schon wieder spielt der Wagen nicht mit:
Schneller Vettel vom eigenen Auto besiegt
- Lockeres Rad und Bremsprobleme vereiteln Sieg
- Red-Bull-Mechaniker starten Ursachenforschung

Das schnellste Auto bedingt noch lange keinen Sieg. Diese bittere Erfahrung hat Red Bull im zweiten Saisonrennen zum zweiten Mal gemacht. Sebastian Vettel war in Australien wieder aus der Pole Position gestartet, war aber wieder in Führung liegend gebremst worden - von Bremsproblemen. Ein Rad schien etwas locker geworden zu sein, Vettel verlor daher an Bremsdruck und landete in Runde 27 im Kiesbett.
Dabei hatte sich der RB6 in Melbourne das gesamte Wochenende über als das überlegene Auto präsentiert. Während Lokalmatador Mark Webber nach turbulentem Rennen nur auf Platz neun kam, war Vettel an seinem Abflug schuldlos. Möglicherweise war das Rad in der Box nicht millimetergenau montiert worden. "So etwas kann passieren", meinte Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko. "Aber besser wäre es gewesen, der Stopp dauert 0,2 Sekunden länger und es passt."
Vettel fährt nun mit 25 WM-Punkten Rückstand auf Auftaktsieger Fernando Alonso zum dritten Saisonlauf nächste Woche in Malaysia. "Natürlich wäre es besser, mit 50 Punkten aus Australien abzureisen als mit zwölf", gestand Vettel, der sich nach seinem Out bei Teamchef Christian Horner am Kommandostand Trost abgeholt hatte. "Ich hätte nichts besser machen können, ich habe mir nichts vorzuwerfen. Das ist scheiße", sagte Vettel sichtlich frustriert.
Montagefehler
Der 22-jährige Deutsche hatte das spektakuläre Rennen an der Spitze kontrolliert - wie schon in Bahrain, als er von einer defekten Zündkerze zurückgeworfen worden war. Die beiden technischen Probleme haben miteinander allerdings überhaupt nichts zu tun. Der RB6 aus der Feder von Stardesigner Adrian Newey habe kein Zuverlässigkeitsproblem, versicherte Red Bull. Der Zwischenfall sei wahrscheinlich viel mehr durch einen Montagefehler ausgelöst worden.
"Scheinbar hat sich danach die Radmutter immer mehr verkantet", erklärte Marko. "Im Nachhinein hätten wir ihn wahrscheinlich sofort an die Box holen sollen. Das wäre möglich gewesen, aber wir dachten, es geht." Vettel hatte bereits zwei Runden vor seinem Out Vibrationen links vorne gemeldet, ehe der Bremsdruck vollends abriss. "Wenn man für 30 bis 40 Meter den Bremsdruck verliert - bis der wieder da ist, ist man schon im Kiesbett", sagte Vettel.
Zwei magere Punkte
Eine Analyse soll die genaue Ursache klären. "Die Bremse an sich war jedenfalls in Ordnung", betonte Marko. Erstmals überhaupt hatte Red Bull die komplette erste Startreihe okkupiert. Am Ende blieben zwei magere Punkte für Webber. Der Australier hatte am Start einen Platz verloren, durch einen späten Wechsel von Intermediate- auf Trockenreifen zwei weitere. "Das war ein frustrierendes Rennen", sagte Webber. "Denn wir haben das schnellste Auto."
Selbstkritik war bei Webber nach mehreren Ausrutschern sowie einer Kollision mit Lewis Hamilton im Finish keine auszumachen, stattdessen beklagte er sich über den späten Wechsel. "Die Entscheidungen in der Box waren nicht die besten", meinte Webber. Er hätte sich bei einem früheren Stopp aber hinter Vettel anstellen müssen. "Wir haben alles auf Vettel bezogen, Webber war für uns die Alternative", erklärte Marko. So könnte es in Zukunft noch öfter sein.
(apa/red)
