Mittwoch, 24. März 2010

Ein unterkühlter Staatsbesuch: Keine gute Stimmung zwischen Obama und Netanyahu

  • Netanyahu verteidigte Wohnungsbau in Ostjerusalem
  • Israels Präsident spricht von "guter Atmosphäre"

US-Präsident Barack Obama und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu haben ihre jüngsten Spannungen bei einem Besuch im Weißen Haus offenbar nicht ausräumen können. In Abkehr von den üblichen Gepflogenheiten gab es weder einen Fototermin zu Beginn der Unterredung noch eine anschließende Erklärung vor Journalisten.

Das Gespräch zwischen Obama und Netanyahu im Oval Office dauerte etwa eineinhalb Stunden. Danach blieb Netanyahu weiter im Weißen Haus und sprach mit seinem Beraterstab, ehe er Obama um eine weitere Unterredung bat. Daraufhin sprachen die beiden Regierungschefs noch einmal 35 Minuten miteinander, wie ein US-Regierungsbeamter mitteilte. Über Inhalt und Atmosphäre der Begegnung machten beide Seiten keine Angaben.

Die US-Regierung hat Israel scharf kritisiert, weil während eines Besuchs von Vizepräsident Joe Biden in Jerusalem der Bau von 1.600 Wohnungen im arabischen Teil von Jerusalem genehmigt wurde. Vor dieser Entscheidung hatten sich die USA noch optimistisch über die baldige Aufnahme indirekter Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern gezeigt.

Herzlicherer Empfang im Kongress
Herzlicher als im Weißen Haus fiel der Empfang für Netanyahu im US-Kongress aus. Die Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sagte: "Wir im Kongress stehen an der Seite Israels." Der republikanische Fraktionschef John Boehner erklärte: "Wir haben nirgendwo auf der Welt einen festeren Verbündeten als Israel."

Netanyahu dankte dem Kongress für die von ihm als herzlich und parteiübergreifend bezeichnete Unterstützung. Auch verteidigte er die Haltung seiner Regierung zum Bau von Wohnungen in Ostjerusalem. Dies sei bereits seit dem Sechstagekrieg von 1967 üblich, sagte Netanyahu nach Angaben seines Büros im Gespräch mit Pelosi.

"Gute Atmosphäre
Israelischen Angaben zufolge ist das Treffen zwischen US-Präsident Obama und dem israelischen Ministerpräsidenten Netanyahu positiv verlaufen. Das Vier-Augen-Gespräch habe in einer "guten Atmosphäre" stattgefunden, teilte das Büro Netanyahus in Jerusalem mit.

(apa/red)

24.3.2010 09:07