"Hast ka Kopftiachl, gibt's nix!" - ORF zeigte
heftig umstrittene Doku über zwei Neonazis
- FPÖ tobt weiterhin wegen angeblicher Manipulation
- Eindrückliche Milieustudie hat üblen Nachgeschmack
·Strache bemüht nun den Lügendetektor
Streit um Nazi-Reportage
des ORF geht ins Skurrile
·NS-Debatte erfasst
nun die Volkspartei
Akademikerbund fordert
Ende des Verbotsgesetzes

Der ORF hat die heftig umstrittene "Am Schauplatz"-Reportage "Am rechten Rand" über das Leben zweier Neonazis am gestrigen Donnerstagabend ausgestrahlt. Im "Club 2" entwickelte sich spätnachts noch eine hitzige Debatte zwischen ORF-Magazinchef Johannes Fischer und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der weiter an seinem Vorwurf festhält, dass die beiden Rechtsradikalen vom Sender gegen Geld angestiftet wurden, um sich bei einer FPÖ-Veranstaltung in Wiener Neustadt nationalsozialistisch wiederzubetätigen. Außerdem sei das Sendungsmaterial im Nachhinein manipuliert worden, so Strache. Der ORF dementiert.
Die Doku gibt einen Einblick in das triste Leben der beiden jugendlichen Skinheads Philip und Kevin, die aus ihrer Abneigung gegenüber Ausländern und ihre Zuneigung gegenüber dem Nationalsozialismus keinen Hehl machen: "Hitler hat im Prinzip nichts Falsches gemacht", sagt Kevin, ohne mit der Wimper zu zucken. Auch vom familiären Umfeld erhalten die beiden Unterstützung: "Mir ist halt ein Österreicher lieber als Schwiegersohn", sagt der Vater von Philips Freundin, so ein "halber Türke" käme ihm nicht ins Haus. Die Schwiegermama pflichtet bei: "Alle, die in den Asylantenheimen sind - ab in den Zug und nach Hause." Schließlich leben die besser "als manch einer von uns".
Gefallen an der Opferrolle
Einen Job hat Philip nicht. Kein Wunder, ohne Hauptschulabschluss. Schuld daran hätten aber eigentlich die Ausländer, die angeblich schon in der Schule bevorzugt wurden: "Hast ka Kopftiachl, gibt's nix!" Die "Vernichtung von denen", dürfte sehr schwer werden, mutmaßt Kevin später. In einem sind sich die beiden einig: Sie sind Opfer, keine Täter. Und: Am ehesten würden sie HC Strache wählen. Der verantwortliche "Am Schauplatz"-Redakteur Ed Moschitz nahm dies zum Anlass und brachte die beiden zu einer Wahlkundgebung der FPÖ in Wiener Neustadt, bei der auch Strache zu Gast war.
Vom "Sieg Heil"-Sager, den Strache angeblich gehört haben will, war allerdings nichts zu hören, auch von sonstigen nationalsozialistisch angehauchten Aussagen der beiden Skins in Richtung des FPÖ-Politikers nicht. Offenbar rang Strache den beiden doch zu viel Respekt ab. "Und was sagst jetzt zu ihm (Strache, Anm.)", fragt Moschitz. "I sag, i geh auf a Bier", winkt Kevin ab und kehrt dem autogrammeschreibenden Parteichef zusammen mit Philip den Rücken. Just in dem Moment will Strache allerdings "etwas Neonazistisches" gehört haben.
Nichts Neues bei den Streitparteien
Im "Club 2" beharrten die beiden Streitparteien FPÖ und ORF auf ihren Versionen: Für Strache waren die zwei Neonazis vom ORF bezahlte Statisten, die je 700 Euro bekommen hätten. Die Aufnahmen wären manipuliert worden. Fischer konterte mit Dementis: "Wir haben keine Möglichkeit, uns gegen ihre Unterstellungen zu wehren. Kein Immunitätsauschuss wird sie ausliefern." Außer den üblichen 100 Euro für die Abtretung der Persönlichkeitsrechte habe es keine Bezahlung gegeben, so Fischer.
Ob diese beachtenswerte Reportage über die hoffnungslose Welt zweier Wiener Neonazis tatsächlich vom ORF manipuliert worden ist, wird letztlich nur vor Gericht zu klären sein. Eine Hausdurchsuchung der Sicherheitsdirektion Niederösterreich, die weiteres Aufnahmematerial sicherstellen wollte, hat der Sender übrigens mit Hinweis auf das Redaktionsgeheimnis zu verhindern gewusst. Der üble Nachgeschmack der ganzen Geschichte lässt sich nicht mehr wegleugnen.
Video-Link zur "Am Schauplatz"-Reportage
Video-Link zur "Club 2"-Folge
(jt)
Causa Buwog15:53
KHG-Anwalt verurteiltAnklage wegen Urkundenunterdrückung - Kanzlei weist die Vorwürfe zurück
US-Präsidentschaftswahlen15:05
Romneys Klotz am BeinDer milliardenschwere Investor macht dem Obama-Rivalen das Leben schwer
Altkanzler in Ungarn13:52
Schüssel lobt OrbanEx-Kanzler bei Konferenz in Budapest: "Regierung verdient Achtung für ihre Arbeit"
