Über das Zölibat kann man diskutieren:
Innsbrucker Bischof für offene Gespräche
- Scheuer: "Halte Diskussion über Zölibat für legitim"
- Missbrauch: "Den Opfern zu wenig zugewendet"
PLUS: Drei steirische Priester vom Dienst freigestellt

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KOMMENTAR: Missbrauch
- ein Kind des Schweigens
Der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer hat Zustimmung zu einer Debatte über das Zölibat signalisiert. Er verwehrt sich allerdings dagegen, einen direkten Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen herzustellen. "Ich halte die Diskussion über den Zölibat für legitim, aber nicht in diesem monokausalen Zusammenhang," sagte er in einem Interview in der "Tiroler Tageszeitung".
Kritik äußerte er auch am Umgang der Kirche mit den Missbrauchsfällen. "Ein Versagen der Vergangenheit war, dass man auf Vorwürfe bzw. Missbrauchsfälle schon reagiert hat, dass die Täter versetzt wurden, man ihnen eine Therapie auferlegte oder sie suspendierte. Aber man hat sich den Opfern zu wenig zugewendet", sagte Scheuer. Es sei jetzt zuerst notwendig, diesen Menschen Raum und Zeit zu geben, dass sie sich aussprechen.
"Ideologiekritik notwendig"
Ob so etwas geschehe wie Heilung oder auch Versöhnung, lasse sich sicherlich nicht erzwingen. Außerdem gelte es zu schauen, wie das Umfeld der Täter aussehe. Man habe in der Vergangenheit gemeint, mit Zureden oder auch mit einer Therapie könne man erreichen, dass nichts mehr passiere. "Im Hinblick auf die Ursachenforschung ist deshalb durchaus etwas Ideologiekritik notwendig", meinte der Diözesanbischof. Auch in Bereichen wie "viri probati", wiederverheiratete Geschiedene oder auch bei der Rolle der Frau bestehe Diskussions-, manchmal sogar Handlungsbedarf.
Zum Thema finanzielle Forderungen der Opfer erklärte Scheuer, dass zunächst entscheidend sei, Betroffenen Hilfestellung zu leisten. Die personale Verantwortung würden in erster Linie die Täter selbst tragen. Was Schadenersatzansprüche anbelange, sei einiges im zivilrechtlichen Bereich noch zu klären. Er nehme eine Stimmung der großen Enttäuschung und auch des Vertrauensverlustes gegenüber der Kirche wahr. "Der Befreiungsschlag, der das alles unvergessen macht, wird uns nicht gelingen. Wir werden, und das sage ich durchaus bewusst, ärmer", sagte Scheuer. Das gelte sowohl im monetären Sinn, als auch im Hinblick auf den öffentlichen Einfluss der Kirche.
Drei steirische Priester freigestellt
Im Falle von drei Missbrauchs-Verdachtsfällen in der Steiermark sind Geistliche nach dem Wochenende vom Dienst freigestellt worden. Georg Plank, Sprecher der Diözese Graz-Seckau, erklärte, dass es sich um eine "reine Vorsichtsmaßnahme" handle, denn in allen drei Fällen würden die mutmaßlichen Missbräuche schon 15 bis 25 Jahre zurückliegen.
Während einer der drei Pfarrer, er predigte in Graz, schon zuvor von sich aus sein Amt niedergelegt hatte, wurde die Bevölkerung in einer obersteirischen sowie einer weststeirischen Pfarre am Sonntag informiert, dass andere Priester für ihre vom Dienst freigestellten Geistlichen einspringen werden, bis die Aufzeichnungen aus der Vergangenheit noch einmal geprüft sind. Die beiden Männer waren vor Jahren für ihre Vergehen verurteilt worden, einer wegen schweren Kindesmissbrauchs, der andere wegen einer - damals noch strafrechtlich relevanten - homosexuellen Handlung mit einem 17-Jährigen, so Plank.
Alle drei Priester seien nach den Jahre zurückliegenden Missbräuchen nicht mehr auffällig geworden und standen laut Plank unter verschärfter Beobachtung. Trotzdem wolle man nun alles noch einmal prüfen, um sicher zu gehen. Weitere Fälle, in denen Dienstfreistellungen geprüft werden, seien bisher keine bekannt, aber nicht ausgeschlossen, so der Sprecher zur APA. Die betroffenen drei Pfarren werden auf Wunsch von speziell geschulten Betreuern begleitet.
(apa/red)
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