Heute schon gelacht? Die besten Tipps
von Humor-Beraterin Ursula Teurezbacher
- Ob in der Partnerschaft oder mit Ihren Kindern
- Mit einem Lächeln auf den Lippen geht vieles leichter

Wer zu ihr kommt, muss sich an keine Business-Etikette oder starren Unternehmensstrukturen halten. Bei ihr präsentieren Manager Comedy- Sketche, und Wirtschaftsbosse setzen schon mal die rosarote Brille auf. Ursula Teurezbacher, 34, ist Humor-Trainerin (nächstes Seminar von 11.12.6.2010, Infos unter www.trybek.at; ursula.teurezbacher@gmx.at). Vor fünf Jahren wurde die Oberösterreicherin für ihren Job noch belächelt, doch heute hat sie in dieser Nische Fuß gefasst. "Hierzulande gibt es lediglich 20 Humor-Experten. Aber die Nachfrage steigt beständig", so die Mutter einer zweijährigen Tochter. In WOMAN verrät die Trainerin, wie wir mit geringem Aufwand den Spaßfaktor in unserem Leben erhöhen und warum es so wichtig ist, dass der Humor auch in die Chefetagen Einzug hält.
Woman: Haben Sie heute schon etwas Lustiges erlebt?
Teurezbacher: Ja, meine zweijährige Tochter Helene hat mich in den Arm genommen, mich gestreichelt und mir ins Ohr geflüstert: 'Meine liebe, alte Mama!' Ich bin 34! Da habe ich schon sehr schmunzeln müssen...
Woman: Sie arbeiten als Humor- Beraterin. Was kann man sich darunter vorstellen?
Teurezbacher: Ich möchte meinen Klienten den wohlwollenden Humor schmackhaft machen. Also weg von Zynismus und Spöttelei. In meinem Seminar wird kein einziger Witz erzählt. Vielmehr werden durch Spielen und Lachen Konfl ikte entschärft, man bekommt Abstand und sieht die Dinge aus einer anderen Perspektive. Und dann kann man anders damit umgehen. Das Ziel ist, sich gegenseitig zu unterstützen.
Woman: Verraten Sie uns eine Übung, mit der das klappt?
Teurezbacher: Da fällt mir der "Ausländische Dichter" ein: Zwei Personen sind involviert. Der eine trägt in einer fiktiven Sprache ein Gedicht vor, der andere muss übersetzen. Nachdem er aber kein Wort versteht, muss er interagieren. Wenn also der eine übertreibt, muss der andere darauf eingehen und passende Worte finden, die zur Gestik des Gegenübers passen. Da kommen unterschwellige Konflikte sehr gut zum Vorschein.
Woman: Wer nimmt Ihr Wissen in Anspruch?
Teurezbacher: Das ist ganz unterschiedlich. Vom Abteilungsleiter bis hin zur höchsten Führungsebene hatte ich schon alle in meinen Seminaren. Aber aus den Vorstandsetagen ist die Nachfrage noch gering, weil Humor und Kompetenz für viele einen Widerspruch bilden.
Woman: Wie wichtig ist es aber, dass ein Chef Humor hat?
Teurezbacher: Das ist sehr wesentlich, denn ein Chef sollte in seinem Team verbindend agieren und immer darauf achten, dass alles gut vorangeht. Wenn er es schafft, sich humorvoll Respekt zu verschaffen, dann macht das sympathisch und menschlich. Wenn allerdings Angststimmung herrscht, gehen Kreativität und Motivation flöten.
Woman: Warum fällt's uns denn so schwer, zu lachen? Haben wir es verlernt? Teurezbacher: Geht man nach der Statistik, ja. Kinder lachen pro Tag 400-mal, Erwachsene 20-mal. Wir lassen uns lieber mit Spaß aus dem TV berieseln, die Situationskomik geht unter. Woman: Sie sind verheiratet und haben eine kleine Tochter. Passiert das bei Ihnen zuhause auch?
Teurezbacher: Früher, ja. Mein Partner und ich hatten beide starre Berufe, aber seit ich meine Ausbildung zur Humor- Trainerin absolviert habe, gehe ich an viele Dinge anders ran.
Woman: Zum Beispiel?
Teurezbacher: Wenn mein Mann abends heimkommt, erzählt er mir eine lustige Begebenheit aus seinem Büroalltag oder einen Witz, den er von Kollegen gehört hat. Und ich berichte, welche Sprüche unsere Kleine von sich gegeben hat. Das machen wir dreimal pro Woche und lachen jedes Mal herzhaft!
Woman: Ist das Humor-Training also die neue Paartherapie?
Teurezbacher: Von manchen wird es schon so eingesetzt. Es geht um die humorvolle Grundhaltung beider Partner: Dinge nicht so schwer nehmen, Konflikte nicht so an sich ranlassen, auf Augenhöhe miteinander kommunizieren.
Woman: Oft aber verstehen Mann und Frau einander falsch. Was von dem einen als Spaß gemeint war, ist für den anderen bereits kränkend
Teurezbacher: Wenn Männer etwa über unser Körpergewicht oder unsere Figur witzeln, empfinden wir das gleich als persönlichen Angriff. Als solcher ist das aber gar nicht gemeint. Anstatt gleich beleidigt zu sein, könnte man auch etwas Lustiges antworten. Und: Über sich selbst lachen zu können ist genauso wichtig, wie zuzulassen, dass andere über einen lachen dürfen.
Woman: Das scheint dem männlichen Geschlecht besser zu gelingen. Gibt es deshalb auch mehr bekannte Komiker als Komikerinnen?
Teurezbacher: Männer haben einfach den lauteren Humor, der schneller ankommt und wie Traubenzucker in die Blutbahn schießt. Bei Frauen ist dieser leiser und subtiler, das kommt bei der Masse nicht so gut an. Männer spielen mit Eyecatchern wie Sex oder der Mann-Frau-Thematik... Ich glaube, dass Frauen noch mehr Selbstsicherheit brauchen, um mit ihren Themen rauszugehen. Sie stehen eben nicht so gerne im Mittelpunkt, aber sie sind im Vormarsch.
Woman: Frauen gelten als die größeren Grüblerinnen. Ist das vielleicht die Spaßbremse?
Teurezbacher: Das viele Nachdenken hat mit der Erziehung zu tun. Während Burschen für ihren Mut gelobt und in den Vordergrund gehoben werden, sollen Mädchen eher zurückhaltend sein. Das bewirkt, dass Frauen später viel länger überlegen, bevor sie etwas sagen, und viel zu viel Wert auf die Meinung der anderen legen.
Woman: Humor als Erziehungstrick: Wie schafft mans, auch noch zu lachen, wenn die Kids das Bad unter Wasser gesetzt haben?
Teurezbacher (lacht): Zauberwort: Gelassenheit! Man soll die Dinge nicht ernster nehmen, als sie sind. Wenn ich mal wischen muss, dann wisch ich halt. Es geht auch darum, den Kindern die Angst vor Fehlern zu nehmen. Wenn meine Tochter ein Glas umschüttet, schimpfe ich nicht, sondern sage: "Hoppala", und dann machen wir es miteinander wieder gut. Durch das Lachen verlieren Fehler ihren Schrecken, und die Angst vorm Scheitern bleibt aus.
Woman: Gibt es auch Situationen, in denen selbst Ihnen der Humor abhandenkommt?
Teurezbacher: Gestern war so ein Tag. Es ist alles schiefgelaufen. Meine Kleine war krank, der Babysitter ist ausgefallen, ein Auftrag wurde mir abgesagt, mein Auto wollte nicht anspringen. Da war kurz die Luft draußen! Aber durch Humor als Haltung schafft man es, sanfter durch die Höhen und Tiefen des Lebens zu gleiten. Und wer seinen Humor im Alltag pfl egt, kann auch seine Batterien wunderbar damit aufl aden.
Woman: In welchen Situationen aber bleibt das Witzeln in jedem Fall ein No-Go?
Teurezbacher: Das muss jeder selbst erspüren. Bei Krankheit, Tod und Alter wird der Humor meist ausgeklammert. Dabei könnte doch eine Prise davon manchmal auch in diesen Situationen ganz guttun. Lachen lockert schließlich fast immer und jeden auf!
Redaktion: Katrin Kuba, Melanie Zingl
Die fünf besten Tipps von Ursula Teurezbacher finden sie im WOMAN 06/10!
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