Ernüchternde Rassismus-Bilanz: Keine Verbesserung der Situation in Österreich
- Zara-Report für 2009: Fast 800 Fälle verzeichnet
- Dunkelziffer rassistischer Vorfälle liegt weit höher

·Mehr als 500.000 Muslime in Österreich
Zahl basiert auf der Volkszählung von 2001
·Asylzentren in allen neun Bundesländern
Vorschlag der Diakonie
soll Situation verbessern
Seit zehn Jahren gibt es die Anti-Rassismus-Stelle Zara - und von einer Besserung der Situation von Menschen mit Migrationshintergrund könne keine Rede sein. Diese ernüchternde Bilanz wurde im "Rassismus-Report 2009" präsentiert. Auch im Vorjahr wurden von Zara wieder 798 Fälle, das sind 94 mehr als im Vorjahr. Insgesamt waren es in den vergangenen zehn Jahren 7.300 Vorfälle.
Die Dunkelziffer der rassistischen Begebenheiten liegt wohl deutlich höher. Man könne nur jene Fälle auflisten, die Zara gemeldet werden, betont die Initiative. Der größte Teil der Vorkommnisse entstammt wie immer dem öffentlichen Raum, das heißt es handelt sich um Vorfälle, die etwa auf der Straße, in einem Verkehrsmittel oder bei einer Veranstaltung passieren, etwa das Skandieren von Parolen wie "Juden-Wien" durch Anhänger des Fußball-Vereins LASK bei einem Spiel gegen die Wiener Austria.
Rassismus in den Medien
Auch der Bereich Medien hat wieder in den Rassismus-Report Eingang gefunden. So wird etwa ein Sportreporter anlässlich eines Marathons mit folgenden Worten zum Sieger aus Kenia zitiert: "Als Preisgeld erhält er 15.000, dazu kommen noch Zeitgelder. Dann kann er sich zu Hause ein paar Bananen oder andere exotische Früchte mehr kaufen."
Besonderes Augenmerk wurde heuer von Zara auf rassistische Diskriminierungen durch Angehörige öffentlicher Institutionen gelegt. Angeprangert werden Methoden wie "Ethnic profiling" gegen Georgier und Moldawier im Rahmen einer Polizei-Aktion gegen Einbruchskriminalität. Aber auch bei Gericht wurde 2009 ein als rassistisch klassifizierter Fall aufgezeichnet. So habe ein Sachverständiger einen Ägypter in einem Obsorge-Verfahren gefragt, ob in seiner Familie "Frauen als zweitklassig angesehen werden."
Gleich zwei Beschwerden gingen bei Zara ein, weil Frauen die Abgabe einer Spende in einem Plasmaspendeinstitut verweigert wurde - der Grund: Sie hätten "Sexualkontakt" zu Afrikanern. Eine der beiden Frauen ist seit zwölf Jahren mit einem Westafrikaner verheiratet. Besonders viel Öffentlichkeit erhielt im Vorjahr eine Unilever-Kampagne für die neue Eissorte "Mohr im Hemd".
(apa/red)
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