Von Home-Server bis Internet-Kühlschrank:
Wohnkultur 2.0 mit neuen Heimnetzwerken
- Datenzugriff jederzeit und überall groß im Kommen
- Potenziale und Gefahren der vernetzten vier Wände

Wie jeder über 20 selber mitverfolgen konnte, hat das Internet die Kommunikation der Menschen untereinander und den Umgang mit und Austausch von Daten grundlegend verändert. Die digitale Vernetzung spielt sich dabei in mehreren Bereichen ab: Während Millionen im Web hängende Computer die Welt umspannen, findet zuhause immer öfter eine Vernetzung im Kleinen statt.
Geräte, die früher "für sich allein" arbeiteten, stehen plötzlich mit anderen in Verbindung. Moderne Technologien sorgen dafür, dass immer mehr *Nicht-Computer* auf lokale und Online-Daten zugreifen können. Oftmals kommt es bereits vor, dass Fotos, Videos und Co gar nicht mehr lokal, sondern im Internet gespeichert und öffentlich zugänglich gemacht werden. Das bringt natürlich zahlreiche Vorteile und neue Möglichkeiten, aber auch Gefahren mit sich.
Daten überall
Der Trend geht eindeutig in die Richtung *immer online, Daten immer und überall verfügbar*. Dank Laptop, Handy und 3G-Internetzugang ist man heutzutage rund um die Uhr nur ein paar Klicks vom Web entfernt. Mehr Informationen und Inhalte als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte stehen permanent auf Abruf bereit. Wichtig ist nicht, dass man sie selber im Gedächtnis behält, sondern dass man weiß, wie man schnellstmöglich an sie herankommt. Google, Wikipedia sowie unzählige maßgeschneiderte Apps und Endgeräte helfen einem dabei. Doch nicht nur auf Informationen aus dem Web, auch auf die eigenen Daten kann man inzwischen von unterschiedlichen Stellen aus zugreifen. LAN-, WLAN- oder Bluetooth-Schnittstellen sind beliebte Zusatzfunktionen, und kaum ein Hersteller lässt es sich nehmen, Fernsehgeräte, MP3-Player und Co damit auszustatten.
Heimnetz Es ist keine Seltenheit, dass in einem Haushalt mehrere Notebooks und PCs ihren Dienst verrichten. Datenbunker wie NAS (Network Attached Storage, eine oder mehrere Festplatten, die im Heimnetz hängen) oder Home Server sorgen dafür, dass alle Familienmitglieder mit verschiedenen Geräten auf die gleichen Daten zugreifen können. Der benötigte Router gehört vielerorts neben dem Modem schon zur IT-Grundausstattung. Auch der geräteübergreifende Datenaustausch stellt kein Problem dar. Besonders beliebt ist der Zugriff auf multimediale Inhalte. So gibt z. B. der Media Streamer Filme vom PC am Fernseher wieder, der Fernseher zeigt auf dem Laptop gespeicherte Fotos an, die Musikanlage spielt MP3s von der Netzwerkfestplatte ab, und die Xbox 360 lädt sich Spieledemos aus dem Web herunter. Standards wie UPnP und DLNA (siehe Kasten) sorgen dafür, dass die Freigabe von Filmen, Musik und Bildern im Heimnetzwerk besonders einfach geht, und wer den Home Server oder das NAS passend konfiguriert, erhält auch von außerhalb Zugriff auf seine Daten.
Küche und Co.
Doch nicht nur die Unterhaltungselektronik setzt auf Vernetzung, auch vor Haushaltsgeräten macht sie nicht Halt. So gibt es bereits Kühlschränke, die Rezepte aus dem Internet anzeigen können, Heizungen, die übers Handynetz ein- und ausgeschaltet werden oder Stromzähler, die Informationen zum aktuellen Stromverbrauch ins Web übertragen. Netzwerkfähige Geräte verlassen ihre klassischen Einsatzgebiete wie Wohn- und Arbeitszimmer und erobern langsam auch den Rest der Wohnung.
Sicherheit
Solange die Daten nur lokal auf den Geräten gespeichert waren und diese nicht im Netz hingen, musste man sich um Sicherheitsfragen nur wenig Gedanken machen. Sind die Daten jedoch auch übers Internet abrufbar oder wird ein WLAN-Netz betrieben, ist es umso wichtiger, für einen ausreichenden Zugriffsschutz vor Unbefugten zu sorgen, schließlich will man ja nicht, dass die privaten Familienfotos und Urlaubsvideos auf fremden Festplatten oder gar auf dubiosen Websites landen. Denn wie man bereits weiß, sind Daten, die einmal ihren Weg ins Netz gefunden haben, kaum wieder daraus wegzubekommen. Spätestens jetzt sollte man von leicht knackbaren "12345"-Passwörtern Abstand nehmen und das WLAN-Netz mit der bestmöglichen Verschlüsselung schützen.
Wolkige Aussichten
Facebook, YouTube, Picasa und andere Community-Seiten sorgen schon heute dafür, dass persönliche Daten immer öfter ins Internet ausgelagert werden. Statt sie daheim abzuspeichern und von außerhalb darauf zuzugreifen, werden die Daten gleich in der "Cloud" hinterlegt. In Zukunft sollen auch vermehrt Programme und Spiele direkt aus dem Web bezogen werden oder eine ständige Online-Verbindung voraussetzen. Die Folge ist eine totale Vernetzung unterschiedlichster Geräte, wobei verschwimmt, welche Daten und Programme wo gespeichert sind. Eines ist aber klar: Ohne funktionierendes Netzwerk und Internetzugang geht schon bald gar nichts mehr.
(E-MEDIA/Putnik)
Weitere Infos zum vernetzten Wohnzimmer erhalten Sie in der E-MEDIA-Printausgabe 05/2010!
