Montag, 15. März 2010

Ein Linienrichter in der Derby-Hauptrolle:
Umstrittener Elfmeter sorgt für Nachwehen

  • Hoxha: "War unnatürliche Handbewegung von Bak"
  • Pacult sieht nach erstem Sieg noch keine Wende

Im 292. Wiener Fußball-Derby ist ein Mann im Mittelpunkt gestanden, der eigentlich so wenig wie möglich auffallen sollte. Schiedsrichter-Assistent Alain Hoxha gab in der 66. Minute einen äußerst umstrittenen Elfer, durch den Rapid auf die Siegerstraße kam und sich schließlich mit 2:0 durchsetzte - und das in einer Partie auf äußerst dürftigem Niveau, in der es lange nach einem 0:0 gerochen hatte.

Mit diesem Resultat hätte Austria-Trainer Karl Daxbacher gut leben können, so aber ließ er seinem Unmut in den Katakomben des Hanappi-Stadions lautstark freien Lauf. Der 56-Jährige wies schwer verärgert darauf hin, dass Hoxha im Rapid-Nachwuchs gespielt und bei der vergebenen Großchance durch Mamadou Diabang gelächelt habe. "Wenn ich gelächelt habe, dann war mir das nicht bewusst", beteuerte Hoxha.

Die Kritik an seiner Rapid-Vergangenheit konnte der 36-Jährige nicht nachvollziehen. "Das ist insofern unfair, weil ich schon im zehnten Derby dabei war und es bisher nie Probleme gegeben hat."

Hoxha steht zu Entscheidung
Zu seiner Entscheidung, nach einem Zweikampf zwischen Jacek Bak und Mario Konrad auf Strafstoß zu entscheiden, stand Hoxha auch nach Begutachtung der TV-Bilder. "Das war eine unnatürliche Handbewegung von Bak." Dass er in diesem Fall auf Tätlichkeit und Rot gegen Bak hätte plädieren müssen, verneinte der Assistent. "Es war keine Rote Karte, weil die Heftigkeit nicht gegeben war."

Hoxha fungiert in der Bundesliga seit zwölf Jahren als Assistent und brachte es auch schon auf viele Europacup-Einsätze. "So eine Entscheidung kommt aus dem Bauch heraus. Wenn ich ein Foul sehe, zeige ich es an. Egal, ob Rapid gegen die Austria spielt oder es ein weniger wichtiges Match ist - ich muss einfach zu meiner Wahrnehmung stehen", erklärte der Wiener, der in der Schlussphase von Milenko Acimovic dermaßen beschimpft wurde, dass der Austria-Kapitän dafür die Rote Karte sah.

Austria hat "mit Wut im Bauch gespielt"
Hoxha brachte auch Daxbacher zur Weißglut. "Bei einem normalen Spielverlauf wäre ein Unentschieden herausgekommen. In Hütteldorf kann man verlieren, aber wenn man so verliert, ist man angefressen", schimpfte der Niederösterreicher. "Nach dem Elfer haben wir nur noch mit Wut im Bauch gespielt, was verständlich ist. In dieser Situation ist der Schiedsrichter 10 Meter danebengestanden, der Linienrichter 30. Warum dann diese Entscheidung getroffen wurde, weiß ich nicht."

Für den Austria-Coach war die strittige Szene "nicht einmal annähernd ein Elfer. Sonst müssten wir ja bei jedem Corner einen Elfer geben, wenn Spieler zusammenspringen". Selbst Johann Hantschk, als Chef der Bundesliga-Schiedsrichter zu Gast im Hanappi-Stadion, musste zugeben, dass "dieser Elfer nicht zu geben war".

Zwei Spiele Sperre für Acimovic
Die Austria muss im Kampf um die Europa-League-Plätze zwei Spiele auf Regisseur Milenko Acimovic verzichten. Der Bundesliga-Strafsenat sperrte den 33-jährigen slowenischen Mittelfeldspieler wegen Schiedsrichterbeleidigung im Derby gegen Rapid, in dem Acimovic in der Nachspielzeit die Gelb-Rote Karte gesehen hatte. Das Verfahren gegen Aleksandar Dragovic wurde hingegen eingestellt.

Austria-Trainer Karl Daxbacher kam mit einer Geldstrafe in der Höhe von 300 Euro, ebenfalls wegen Schiedsrichterbeleidigung, glimpflich davon, im Gegensatz zu Kapfenbergs Coach Werner Gregoritsch, der wegen desselben Vergehens immerhin 700 Euro aufbringen muss.

Pacult nach Sieg noch vorsichtig
Peter Pacult, der nur 2 seiner 14 Derbys als Rapid-Trainer verlor, enthielt sich in diesem Zusammenhang der Aussage. "Der Schiedsrichter hat so entschieden und aus", erklärte der 50-Jährige, der über den ersten Liga-Sieg in diesem Jahr jubeln durfte. "Aber ob das jetzt die Wende war, kann man nach einem Match nicht sagen. Das werden erst die nächsten Spiele zeigen."

Rapid etablierte sich durch den Erfolg als erster und wohl auch einzig verbliebener ernsthafter Verfolger von Spitzenreiter Salzburg. Der Titelverteidiger bekommt es auswärts mit einer durch Sperren von Acimovic und Julian Baumgartlinger (gegen Rapid ebenfalls ausgeschlossen) geschwächten Austria zu tun. Die jüngsten neun Platzverweise bei Derbys betrafen ausschließlich "Veilchen", Rapidler flog gegen den Erzrivalen seit August 2001 keiner mehr vom Platz.

Saisonziel für die Austria vorerst verfehlt
Von den jüngsten zwölf Duellen zwischen Rapid und Austria ging nur eines an die Violetten, die im Hanappi-Stadion schon seit Mai 2004 sieglos sind und nun sogar auf Platz vier abrutschten. "Unser Saisonziel bleibt der dritte Platz, damit wir in einem internationalen Bewerb sind", sagte Daxbacher.

Ernsthafte Titelambitionen habe er nie gehegt. "Ich habe nie geglaubt, dass wir Meister werden können, aber schon, dass ein Ruck durch die Mannschaft geht, wenn wir einen guten Frühjahrsstart haben." (apa/red)

15.3.2010 19:34