Samstag, 20. März 2010

"Der Zweck darf nicht alle Mittel heiligen":
Olympiasieger Innauer im FORMAT-Gespräch

  • Der Ex-Sportdirektor über Karriere & Management
  • "Ich bin ein Typ, der gerne liest, zuhört und lernt."

Der Olympiasieger erzählt, wie er Management von der Pike auf lernte, Teams zu Erfolgen führte und was ihn an der Wettbewerbsgesellschaft stört.

FORMAT: Herr Innauer, Sie sind den Weg vom aktiven Sportler über den Trainer bis zum Sportdirektor – also in eine Managementfunktion – gegangen und haben dabei auf allen Ebenen Erfolge erzielt. Rückblickend betrachtet: Was waren die Knackpunkte, um das so zu bewältigen?
Innauer: Der Schritt vom Springer zum Trainer hat zunächst ein Anwachsen des Verantwortungsvolumens über mich selbst hinaus gebracht. Da war entscheidend, sich aus der Egozentrik-Sicht zu lösen, sich für andere zu interessieren. Diesen Lernprozess habe ich sehr intensiv erlebt, weil ich nicht aus einer Wirtschaftsfamilie stamme, wie etwa ein Niki Lauda, und auch keine führungsstrategische Ausbildung hatte.

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel als Mentor
FORMAT: Wie haben Sie diese Hürden gemeistert?
Innauer: Ich bin ein Typ, der gerne liest, zuhört und lernt. Peter Schröcksnadel war dabei als Manager eine interessante Schlüsselfigur, der ich über die Schulter schauen durfte und die mich in den ersten Jahren immer wieder unterstützt hat.
FORMAT: Schröcksnadel war Ihr Mentor, Ihr Vorbild?
Innauer: Das war er sicher. Gerade zu Beginn seiner Tätigkeit war er sehr offen und hatte den Willen, begabte Leute aus dem Spitzensport in die Managementebene hineinzuholen und zu fördern.

FORMAT: Führung besteht aber nicht nur darin, große Visionen zu entwickeln, sondern auch in ganz handfesten Dingen wie Vertragsverhandlungen. Wie sind Sie damit umgegangen?
Innauer: Das ist eine schwierige Aufgabe nach einer anstrengenden Saison, weil alle Trainer Jahresverträge haben. Das waren Einzelgespräche mit rund 50 Betreuern, als ich nur mehr für die Springer und Kombinierer zuständig war, immer noch 30 Leute – vom Servicemann bis zum Cheftrainer. Ich habe versucht, Leistung wirklich einzuschätzen und die Gehaltspyramide so zu gestalten, dass sie auch jeder sehen könnte und sich auf einem für ihn akzeptablen Platz wiederfindet. Ich habe bemerkt, dass sich die Jüngeren heute viel stärker finanziell vergleichen und sehr leiden, wenn es aus ihrer Sicht nicht stimmt. Der älteren Generation von Sportlern und Trainern war Geld schon wichtig, aber entscheidend war, dass der Job passt.

FORMAT: Sind Erfolg und Ethik überhaupt vereinbar – im Skispringen, in Wirtschaft und Gesellschaft?
Innauer: Leuten, die sich mit Ethik befassen, sagt man oft nach, sie täten das, weil sie in Sachen Leistung nichts zustandebrächten. Ich habe immer nachhaltig Erfolg angestrebt und war gleichzeitig bemüht, Kollateralschäden zu verhindern. Meine Bilanz stimmt, das ist mir eine stille Genugtuung. Entgegen vorherrschenden neoliberalen Grundeinstellungen ist es uns gelungen, ethische Grundprinzipien des Wettbewerbs durch Selbstregulierung zu sichern – etwa bei der Einführung des BMI-Index im Skispringen, der, vom ÖSV ausgehend, sportpolitisch durchgesetzt wurde. Das könnte auch für Politik und Finanzwirtschaft eine Anregung sein. Das Platzen der Blase ist ein Zeichen, uns mehr um Spielregeln und um Realwirtschaft zu kümmern, statt alles dem Traum vom schnellen Geld unterzuordnen. Der Zweck darf nicht alle Mittel heiligen.

Lesen Sie das ganze Interview im FORMAT 10/11 und auf www.format.at

20.3.2010 10:01
keinauto, 23. 03. '10 13:33
Der Zweck...
Kompliment Herr Innauer!!!