Montag, 15. März 2010

ÖSV nimmt nach verpatzter Saison Kampf an "Müssen die richtigen Fäden ziehen"

  • Alpin-Spitze kündigte deutliche Veränderungen an
  • Köpferollen ist aber nicht im Sinn des Ski-Teams

Es ist keine neue Erkenntnis, dass die Konkurrenz Österreichs einst so überlegenes Ski-Alpin-Team ein-bzw. überholt hat. Auch wenn Österreich zum 21. Mal in Folge den Nationencup erobert hat, mit fast 1.000 Punkten Vorsprung auf die Schweiz. Der Österreichische Skiverband (ÖSV) nimmt nach dem durchwachsenen Winter 2009/10 den Kampf an. "Der Vorsprung ist weg, das wissen wir. Es ist ein offener Fight mit gleichen Waffen", analysierte Herren-Cheftrainer Toni Giger die Lage.

Die Konkurrenz arbeitet punkto Material und Training längst auf Augenhöhe. Nun gehe es darum, dass sich der ÖSV in diesen Bereichen wieder einen Vorsprung verschafft. "Wir müssen die richtigen Fäden ziehen, um das entscheidende Eitzerl herauszuholen. Wir werden uns auf den Hosenboden setzen und analysieren", weiß Giger, der seit 1999 die Herren als Cheftrainer betreut. Alpinchef Hans Pum ist überzeugt, dass die richtigen Lehren gezogen werden. "Aus solchen Phasen muss man lernen und Energie gewinnen. Wir werden bald wieder sehr stark sein."

Es wird Konsequenzen geben, allerdings werden diese wohl eher strukturell sein. Ein kollektives Köpferollen wird es sicher nicht geben. Dagegen haben sich auch Routiniers wie Benjamin Raich (32) und Michael Walchhofer (34) - der Salzburger macht mit höchster Wahrscheinlichkeit ebenfalls weiter - sehr deutlich ausgesprochen. "Wir sind keine Fußballmannschaft", merkte Pum an.

Hermann Maier "kein Thema"
Mögliche neue Namen werden weder von Pum noch von Präsident Peter Schröcksnadel genannt. Lediglich die skurrilen medialen Spekulationen um einen neuen Herren-Chef namens Hermann Maier kommentierte Pum folgendermaßen: "Der Hermann hat wirklich viel geleistet, aber das ist kein Thema." Wenn Leute wie Maier allerdings von Zeit zu Zeit mit ihrer Erfahrung zur Seite stehen würden, sei das natürlich kein Nachteil.

Schröcksnadels Pläne, die auch in dieser Woche bei den österreichischen Meisterschaften in Innerkrems ein Thema sind, müssen bei der Präsidentenkonferenz am 15. April in Innsbruck abgesegnet werden. Erst dann werden sie öffentlich präsentiert. Giger ("Mit dieser Saison kann man nicht zufrieden sein") dürfte dem ÖSV erhalten bleiben, möglicherweise allerdings nicht mehr als Cheftrainer. Der akribisch arbeitende Salzburger könnte etwas mehr im Hintergrund an neuen Erfolgs-Strategien und -Modellen basteln.

Mandl überlegt Rückzug
Herbert Mandl könnte den Damen als Cheftrainer erhalten bleiben, die Strukturen im weiblichen Bereich waren nämlich erst vor einem Jahr recht umfangreich verändert worden und müssen erst greifen. Falls Mandl überhaupt weitermachen möchte, denn der Niederösterreicher überlegt aus familiären Gründen einen Rückzug.

Die herausragenden Athleten bei den bei Olympia medaillenlos gebliebenen ÖSV-Herren in der vergangenen Saison waren Benjamin Raich (Zweiter im Gesamt-Weltcup, Sieger des Super-Kombi-Weltcups) und Reinfried Herbst (Sieger im Slalom-Weltcup). Raich wird auch kommende Saison auf die große Kristallkugel losgehen, davon ist man im ÖSV felsenfest überzeugt.

"Benni ist ein einzigartiger Athlet. Wir dürfen sehr stolz sein, so einen Sportler in unserem Team zu haben", meinte Giger über den Tiroler, der zum siebenten Mal in Serie in den Top-Drei des Gesamt-Weltcups landete.

Österreichs Damen haben den Winter vor allem dank eines guten Olympia-Abschneidens mit vier Medaillen halbwegs gerettet. Im Weltcup blieb die Mannschaft von Mandl hingegen zum zweiten Mal in Folge ohne Kristall.

Hosp vor Rückkehr
Mit Nicole Hosp (Kreuzbandriss) musste man die gesamte Saison ohne eine der absoluten Team-Leaderinnen auskommen. Mandl rechnet aber für den kommenden WM-Winter wieder voll mit der Tirolerin. "Hosp steht schon wieder auf den Skiern und ist sehr motiviert. Sie sollte ganz normal und topfit die kommende Saison beginnen."

Über eine sensationelle Comeback-Saison durfte sich Marlies Schild freuen. Die Salzburgerin meldete sich mit drei Weltcup-Siegen und Olympia-Silber eindrucksvoll zurück. Mandl hofft, dass Schild in Zukunft wieder die eine oder andere Disziplin zum Slalom hinzunehmen wird können. "Aber da müssen wir abwarten, wie sich die Sache entwickelt, ob der Nagel entfernt wird oder nicht." Ohne Hosp und mit einer eingeschränkten Schild waren die Österreicherinnen im Kampf um den Gesamt-Weltcup gegen Lindsey Vonn und Maria Riesch chancenlos.

Der Knöchelbruch von Maria Holaus Anfang Jänner trug nicht unwesentlich zur historischen Speed-Pleite bei. Mandl hofft, dass sich Holaus zu einem Comeback aufraffen wird. "Es ist fraglich, ob sich Maria nochmals motivieren kann, wir wünschen es uns natürlich."

(apa/red)

15.3.2010 14:01