Vier Männer nach Poker-Coup in Haft:
Rätselraten über Drahtzieher des Überfalls
- Zwei Verdächtige stellen sich Ermittlern am Flughafen
- Steckt eine arabische Großfamilie hinter der Tat?

Zwei Wochen nach dem spektakulären Raubüberfall auf ein Poker-Turnier in einem Berliner Luxushotel sind alle vier Tatverdächtigen gefasst. Die beiden letzten mutmaßlichen Räuber stellten sich den Ermittlern am Flughafen Tegel. Über den Verbleib der Beute von 242.000 Euro konnte die Polizei nichts sagen. Derweil mehren sich die Anzeichen, dass die Räuber den Coup nicht selbst planten, sondern von Hintermännern beauftragt wurden.
Am Samstagvormittag war zunächst ein 20-jähriger Verdächtiger, der nach dem Raub in die Türkei geflüchtet war, am Flughafen festgenommen worden. Zuvor hatte sein Anwalt mitgeteilt, sein Mandat wolle sich stellen. Am frühen Abend wurde dann der letzte mutmaßliche Räuber verhaftet, nachdem er eine Maschine aus Beirut verlassen hatte. Auch hier hatte der Anwalt die Rückkehr seines 19-jährigen Mandanten angekündigt. Die Festnahmen verliefen ohne Zwischenfälle. Die Komplizen der beiden Männer sitzen bereits seit vergangener Woche in Untersuchungshaft.
Unklar ist noch immer, wo die Beute ist. Die Polizei wollte dazu keine Stellung nehmen. Ein Sprecher wies lediglich darauf hin, ein Festgenommener habe bereits angekündigt, seinen Teil zurückgeben zu wollen.
Gab es Hintermänner?
Unterdessen berichtete die "Berliner Morgenpost" unter Berufung auf Sicherheitskreise, es gebe Anzeichen dafür, dass die Verdächtigen den Überfall auf Deutschlands größtes Pokerturnier gar nicht selbst geplant hätten, sondern lediglich mit der Ausführung beauftragt worden seien. Hinter der Tat sollen der Zeitung zufolge vielmehr Mitglieder einer arabischen Großfamilie stecken. Ein mit dieser Familie verfeindeter anderer Clan wiederum soll der Polizei wesentliche Tipps zur Identität der Räuber gegeben haben. Eine Polizeisprecherin wollte den Bericht nicht kommentieren.
Der Zeitung zufolge ist bekannt, dass sich beide Familien seit Jahren in erbitterter Feindschaft gegenüberstehen. Dabei soll es um die beherrschende Rolle im Drogenhandel, im Rotlichtmilieu und anderen Bereichen der organisierten Kriminalität gehen.
Alle Männer polizeibekannt
Bereits am Montag hatte sich ein 21-Jähriger auf Anraten seines Anwalts gestellt. Im Polizeiverhör nannte der Mann die Namen dreier Komplizen. Einer von ihnen - ein 20-Jähriger - wurde zwei Tage später festgenommen, nachdem Fotos der Flüchtigen veröffentlicht worden waren. Alle Männer waren bereits polizeibekannt.
Bei dem Raubüberfall am 6. März hatten vier bewaffnete und maskierte Männer das Pokerturnier im Luxushotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz überfallen. Dabei lösten sie unter den rund 400 Teilnehmern eine Panik aus. Sieben Menschen wurden leicht verletzt. Die Täter stürmten mit Schusswaffen und Macheten zur Registratur, wo die Spieler ihr Startgeld entrichteten und Geld in Pokerchips umtauschten. Bei der Flucht gelang es einem Wachmann, einen der Täter zu überwältigen. Ein Praktikant konnte ihm einen Großteil der Beute entreißen. Doch ein Komplize befreite den Mann.
(apa/red)
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