Rechtsextreme bei FPÖ-Veranstaltung?
Reportage des ORF sorgt für großen Wirbel
- Skinheads sollen extra dafür bezahlt worden sein
- Fernsehsender weist alle Vorwürfe vehement zurück
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Hohe Wellen schlägt eine ORF-Reportage über eine FPÖ-Veranstaltung. Freiheitlichen Vorwürfen zufolge soll der Fernsehsender extra Skinheads bestellt haben, um dort als Rechtsextreme aufzutreten. Sogar die Polizei griff ein und beschlagnahmte das Rohmaterial, was der ORF-Redakteursrat als "Anschlag auf das Redaktionsgeheimnis und damit die Medienfreiheit" verurteilte. Die "Am Schauplatz"-Reportage soll trotz des Wirbels ausgestrahlt werden, ob die inkriminierten Passagen auch gezeigt werden, werde die Redaktion beim Schnitt entscheiden.
Redakteur Eduard Moschitz habe die zwei Burschen mit dem Ziel einer Milieustudie über Jugendliche mit rechtsradikalem Hintergrund wochenlang mit der Kamera begleitet und rund zehn Stunden Material gefilmt, das auf das 35-minütige "Schauplatz"-Format geschnitten wird. Der Besuch auf der FPÖ-Veranstaltung vergangenen Freitag habe zugleich die letzten Dreh-Etappe dargestellt, sagte "Am Schauplatz"-Chef Christian Schüller.
"Gebot der Höflichkeit"
Dass Moschitz die beiden Burschen dafür bezahlt habe, als Rechtsextreme bei der FPÖ-Veranstaltung aufzutreten, wies Fischer vehement zurück. Gezahlt worden seien lediglich die jeweils üblichen 100 Euro für die bei Fernsehaufnahmen rechtlich notwendige Abtretung der Persönlichkeitsrechte, was bei Protagonisten, die nicht als öffentliche Personen bekannt sind, ein standardmäßiger Vorgang sei. "Dazu gibt es beim ORF ein Formular", so Fischer. Darüber hinausgehende Einladungen auf "Mineralwasser oder Kaffee" seien bei Sozialreportagen, die meist mit Menschen gedreht werden, deren finanzielle Möglichkeiten äußerst bescheiden sind, durchaus angemessen. "Selbstverständlich wird der Redakteur die Leute, mit denen er dreht, mit seinem Privatgeld auf einen Kaffee oder ein Mineralwasser einladen. Das ist ein Gebot der Höflichkeit."
Auch Vorwürfe, der ORF hätte den Ermittlern eine Kassette ohne Ton übergeben, wies Fischer zurück: Die Originalkassette liege versiegelt bei der Staatsanwaltschaft, wo sie auf Anordnung des Gerichts angesehen werden könne. Lediglich bei der Überspielung einer Kopie, die beim ORF verblieb, sei der Lautsprecher abgedreht worden, damit die beiden anwesenden Beamten nicht mithören konnten. Der rechtliche Hintergrund: So lange das Gericht die Ansicht der Kassette nicht ausdrücklich anordnet, fällt der Inhalt unter das Redaktionsgeheimnis des ORF.
"Wie man ein Neonazi wird"
Grundgedanke der Sendung war es, eine Milieustudie über rechtsradikale Jugendliche zu drehen und zu erforschen "wie man ein Neonazi wird", sagte Schüller. Die Dreharbeiten hätten das Ziel gehabt, "ein möglichst nuanciertes Bild von der Personengruppe zu bekommen". Beide Protagonisten hätten dabei immer wieder von FPÖ-Chef Heinz Christian Strache geschwärmt und "natürlich ist es unser Interesse gewesen herauszufinden, wie das gemeint ist". Im Zuge eines Gesprächs wurde gefragt, "wollt ihr den Strache sehen". Gemeinsam habe man daraufhin vereinbart, die Burschen zu der Veranstaltung zu begleiten, wobei man sie der Einfachheit halber und den üblichen Gepflogenheiten bei Reportagen folgend im Dreh-Bus mitgenommen habe.
Von der zuständigen Staatsanwaltschaft in Wiener Neustadt war zu der Angelegenheit kaum Auskunft zu bekommen. Sprecher Erich Habitzl erklärte lediglich, dass gegen zwei Personen ermittelt werde.
Attacken hin, Vorwürfe her
Die FPÖ erneuerte unterdessen ihre Vorwürfe in Richtung ORF. Generalsekretär Herbert Kickl ortete in einer Aussendung "blanke Panik" am Küniglberg und bezeichnete es als "Faktum", dass der ORF versucht habe, die FPÖ "mit bezahlten Neonazis zu diffamieren". Harald Vilimsky forderte wegen der Zahlung von 100 Euro gar den sofortigen Rücktritt von ORF-Kommunkationschef Strobl. Gegen die öffentlich erhobenen Vorwürfe der Freiheitlichen wiederum behält sich der ORF rechtliche Schritte vor.
(apa/red)
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