Donnerstag, 18. März 2010

Sechs Jahre Haft für den "Liebes-Onkel":
38-Jähriger führte "Beziehung" mit Nichte

  • "Exemplarischer Fall von sexuellem Missbrauch"
  • Gericht wertet Geständnis des Angeklagten mildernd

Jener 38-jähriger Wiener, der 2008 in der Bundeshauptstadt für eineinhalb Jahre mit seiner Nichte untergetaucht war und mit der damals 13-Jährigen eine "Liebesbeziehung" unterhalten haben soll, ist am Donnerstag im Straflandesgericht zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. "Sie war ihm in gewisser Hinsicht ausgeliefert. Er hat das ausgenützt", erklärte Richter Gerstberger in der Urteilsbegründung.

Bei der Strafbemessung wurde die im Wesentlichen geständige Verantwortung des Angeklagten mildernd gewertet. Der Onkel hatte sich zum schweren sexuellen Missbrauch, der Kindesentziehung und dem Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses schuldig bekannt. Dem standen laut Gerstberger "beachtliche erschwerende Umstände" gegenüber, so dass sich der Schöffensenat bei einem Strafrahmen von bis zu zehn Jahren am oberen Bereich der Strafgrenze orientierte. Zudem wurde der Onkel schuldig erkannt, dem Mädchen 10.000 Euro an Wiedergutmachung zu bezahlen.

Der 38-Jährige war mit dem Urteil einverstanden. Da sich Staatsanwältin Kropiunig eine Rechtsmittelerklärung vorbehielt, ist die sechsjährige Freiheitsstrafe noch nicht rechtskräftig.

Gezielte Ausnutzung
Wie die Verhandlung zutage förderte, dürfte der Onkel die tristen familiären Verhältnisse des Mädchens gezielt ausgenützt haben. Die 13-Jährige riss Anfang 2008 von zu Hause aus, da sie mit ihrer Mutter nicht klar kam und unter dem zum Alkohol neigenden Lebensgefährten der Frau litt. Der Angeklagte "hat ihr geholfen, sich den Eltern zu entziehen", so die Staatsanwältin.

Die Kleine zog mit dem Onkel, der keiner geregelten Beschäftigung nachging, von Wohnung zu Wohnung, die ihm Bekannte zur Verfügung stellten. Ihre Lebensumstände waren katastrophal.

Laut Verteidigung fühlte sich das Kind "einige Zeit geborgen. Dann hat das Ganze eine Eigendynamik bekommen". Der 38-Jährige dürfte seine Nichte unter ziemlichen psychischen Druck gesetzt haben, um von ihr nicht verlassen zu werden.

(apa/red)

18.3.2010 12:28
Wien_1190, 18. 03. '10 12:03
6 Jahre???...
... ich hoffe seine Mithäftlinge sorgen für den Rest der Strafe!


Man sollte endlich die Strafen erhöhen!
wong, 18. 03. '10 14:27
Re: 6 Jahre???...
das wäre dann der missbrauch vom misbrauch!
Vasant, 18. 03. '10 14:32
Re: 6 Jahre???...
Seh ich auch so ... hoffentlich "schützt" man den nicht in
einer Einzelhaft, sondern man steckt ihn mit den anderen
Häftlingen zusammen! Dann wird er das Wort "Missbrauch"
mal am eigenen Körper kennenlernen!

Ein Bankräuber der niemanden verletzt kriegt zwischen
10-15 Jahre und ein Kinderschänder kriegt 6 Jahre? Die
Tatsache, dass er nach "guter Führung" nach 2/3 der
Haftstrafe bereits gehen könnte ist auch extrem abartig!
brabus, 18. 03. '10 17:59
Re: 6 Jahre???...
Daran erkennt man wieder mal, was ein Mensch (dessen Körper und Psyche) wert ist - nämlich weniger als bedrucktes Papier. Schliesslich werden für Geld auch Menschen getötet. Und solange unsere Volksvertreter (?)die Gesetze nicht ändern und Kinderschänder und Vergewaltiger nicht lebenslänglich hinter Gitter bringen wird es derartiges Leid geben. Da muss man sich auch fragen, welche Meinung die Kirche dazu hat. Wohl nicht diese, denn sonst wäre es nicht möglich gewesen, dass deren Vertreter auch als Kinderschänder bisher ungestraft davongekommen sind.