Öffentliches Schweigen Benedikts zu Ende:
Papst redet in Kürze Klartext zu Missbrauch
- Missbrauch in der Kirche: Statement kommt Freitag
- Theologe Hans Küng fordert "mea culpa" des Pontifex

·Die Katholische Kirche am Pranger
KOMMENTAR: Missbrauch
- ein Kind des Schweigens
·Missbrauch: Papst redet in Kürze Klartext
Theologe fordert von ihm ein Schuldeingeständnis
·Der Kirche laufen ihre Gläubigen davon
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Papst Benedikt XVI. wird sich nach Einschätzung der deutschen Bischöfe heute, Freitag, an die Opfer von sexuellem Missbrauch in Einrichtungen der katholischen Kirche wenden. Der Papst habe sich bereits mehrfach entschuldigt, sagte der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe. Ein Theologe fordert hingegen ein Schuldeingeständnis des Papstes.
Papst Benedikt XVI. will am Freitag den angekündigten Brief an die irischen Bischöfe zum Missbrauchsskandal unterzeichnen. Ob das Schreiben auch ausdrücklich auf die deutschen Fälle eingehen wird, ist unklar. Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel verlangte im Bundestag eine schonungslose Aufklärung des Missbrauchsskandals.
Bei der Generalaudienz in Rom sagte der Papst, nach der schweren Krise der katholischen Kirche in Irland habe er als Zeichen seiner "tiefen Sorge einen Hirtenbrief zu dieser schmerzvollen Situation verfasst". In Irland erschüttern bereits seit Jahren tausende Missbrauchsfälle die Kirche. Immer mehr Katholiken hatten in den vergangenen Tagen das öffentliche Schweigen des Papstes zu dem Thema kritisiert.
Merkel weitet Problematik aus
Merkel sagte, sexueller Missbrauch an Kindern sei ein verabscheuungswürdiges Verbrechen. Die Fälle müssten aufgeklärt werden. Die Menschen, die so etwas erfahren hätten, müssten sich in der Gesellschaft aufgehoben fühlen. Auch wenn viele Fälle aus der katholischen Kirche gemeldet worden seien, habe es keinen Sinn, das Problem darauf zu begrenzen. Missbrauch ereigne sich in vielen Bereichen der Gesellschaft.
Die deutsche Regierung will die Missbrauchsfälle nun in einem einzigen Gremium aufarbeiten. Getrennte Runde Tische des Justiz- und des Familienministeriums soll es nach den Worten von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nicht geben.
Theologe Küng fordert "mea culpa"
Die Deutsche Bischofskonferenz sicherte den im Bundestag vertretenen Parteien eine volle Aufklärung der Vorwürfe zu. Der Tübinger Theologe Hans Küng forderte vom Papst ein persönliches Schuldeingeständnis für den Missbrauch in der Kirche. Benedikt XVI. trage als Papst und langjähriger Präfekt der Glaubenskongregation die Verantwortung dafür, dass die Kirche solche Fälle jahrzehntelang geheim gehalten habe. "Die Wahrhaftigkeit würde es verlangen, dass der Mann, der seit Jahrzehnten die Hauptverantwortung für die weltweite Vertuschung hatte, eben Joseph Ratzinger, sein eigenes 'mea culpa' (meine Schuld) spricht". (apa/red)
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