Das Schweigen wird gebrochen: Papst will in
Hirtenbrief zu Missbrauch Stellung nehmen
- Angela Merkel: "Vollständige Aufklärung" notwendig
- Über 100 Missbrauchsfälle in Österreich gemeldet

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Der Vatikan hat eine Erklärung des Papstes zum sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen angekündigt. Benedikt XVI. werde sein Schweigen brechen und schon bald in einem Hirtenbrief an die irischen Bischöfe klare Maßnahmen bekanntgeben, sagte der Chef der päpstlichen Akademie für das Leben, Erzbischof Rino Fisichella, dem Mailänder "Corriere della Sera".
Das Schweigen des Papstes sei auf die "Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit" des Pontifex zurückzuführen, mit der dieser sich ein Bild der Lage mache, betonte Erzbischof Fisichella. Ob der Hirtenbrief an die irischen Bischöfe auch ausdrücklich auf die Fälle in Deutschland eingehen wird, ließ er offen.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bewertet das Verhalten des Papstes als Unterstützung für die deutschen Bischöfe. "Die Bundeskanzlerin begrüßt, dass der Heilige Vater die Notwendigkeit einer vollständigen Aufklärung dieser abscheulichen Taten ausdrücklich unterstrichen hat", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans in Berlin.
Missbrauch in Irland schon lange Thema
In Irland ist Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche seit langem ein Thema. Zwei Untersuchungsberichte hatten im vergangenen Jahr tausendfachen Missbrauch von Kindern unter dem Dach der Kirche dokumentiert. Der Papst hatte irische Bischöfe deshalb vor kurzem nach Rom zitiert. Der Vorsitzende der irischen Bischofskonferenz, Kardinal Sean Brady, gerät zunehmend unter Druck, lehnt aber einen Rücktritt ab. Nur der Papst könne ihn zu solch einem Schritt bewegen, sagte Brady.
"Den Papst und die gesamte Kirche in die Missbrauchskandale hineinziehen zu wollen ist ein Zeichen von Gewalt und Barbarei", kritisierte Erzbischof Fisichella. Kurz zuvor war bekanntgeworden, dass in Joseph Ratzingers Amtszeit als Münchner Erzbischof (1977 bis 1982) ein Priester nach Missbrauchsvorwürfen von Essen nach München versetzt worden war. In Bayern verging sich der Priester erneut an minderjährigen Jungen.
Über 100 Fälle in Österreich
In Österreich haben sich bei den diözesanen Ombudsstellen seit Jahresbeginn mehr als 100 Personen gemeldet. Großteils mangelt es allerdings noch an konkreten Zahlen. Argumentiert wird etwa damit, dass sich die Fälle überschneiden würden oder auch, dass noch konkreten Definitionen für die Zählung der Missbrauchsfälle fehlten. Genaue Zahlen zu gemeldeten Missbrauchsfällen zu eruieren sei schwer, betonte ein Sprecher der Wiener Erzdiözese.
(apa/red)
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