Kirche laufen ihre Gläubigen weg: Immer mehr Österreicher beschließen ihren Austritt
- Nach "Rekordjahr" ´09 droht noch massiverer Verlust
- Missbrauchsproblematik: Runder Tisch im Ministerium
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Die katholische Kirche ist in Sorge wegen der vermehrten Austritte aufgrund der nicht abreißenden Meldungen über sexuellen Missbrauch durch geistliche Vertreter. In sämtlichen Diözesen kehren immer mehr Gläubige dem Klerus den Rücken. So könnte es dieses Jahr bei den Austritten für die Kirche noch schlimmer werden als im Rekordjahr 2009.
Genaue Zahlen zu den bisherigen Austritten im März kann die Erzdiözese Wien nach Bekunden ihres Sprechers noch nicht vorlegen. Man könne aber die Tendenz ablesen: "In diesem Monat werden es sicherlich sehr viel mehr." Die Erzdiözese St. Pölten hat seit Anfang März bereits 300 Kirchenaustritte verzeichnet. Im gesamten Februar waren es 399.
Sprunghafter Anstieg
In Oberösterreich sind die Kirchenaustritte seit der Aufdeckung der Vorwürfe gegen Patres des Stiftes Kremsmünster vergangene Woche sprunghaft angestiegen. In Salzburgs Bezirkshauptmannschaften laufen seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in der Kirche die Telefone heiß. In der Stadt Salzburg sind in der ersten Märzhälfte bereits 120 Menschen aus der röm.-kath. Kirche ausgetreten, das ist ungefähr das Dreifache einer durchschnittlichen Märzhälfte.
Austrittswelle
Das Grazer Bürgeramt hat seit dem Bekanntwerden von Missbrauchsfällen vor rund zwei Wochen einen starken Anstieg jener Menschen registriert, die der Kirche den Rücken kehren wollen. Seit Beginn der Debatte haben auch in den größeren Städten Kärntens zahlreiche Katholiken ihren Austritt angekündigt. Die Vorarlberger Bezirkshauptmannschaften verzeichnen im März eine regelrechte Austrittswelle. APA-Recherchen zufolge haben bis zur Monatsmitte bisher rund 220 Personen ihren Austritt aus der Kirche angezeigt - das sind schon jetzt um 70 Personen mehr als im März-Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2008.
Runder Tisch im Ministerium
Angesichts der zahlreich bekanntgewordenen Missbrauchsfälle laden Claudia Bandion-Ortner und Christine Marek am 13. April zu einem Runden Tisch ins Familienministerium. 40 Experten aus etlichen Berufsgruppen sollen dabei diskutieren, wie man Kinder besser schützen kann bzw. ihnen besser helfen kann, erklärte Bandion-Ortner. "Es geht um Prävention", ergänzte Marek.
(apa/red)
