"Bologna soll brennen": Studenten rufen
zur großen Demo gegen Jubiläumskonferenz
- Bis zu 15.000 Teilnehmer werden in Wien erwartet
- Innenstadt wird von Polizei großräumig abgesperrt
Hörsaalbesetzung an Wiener Uni mittlerweile beendet

·Mitgestalten statt
zu demonstrieren
Karl: Bologna bietet Studenten viele Chancen
·"Wiens Straßen mit Blockaden verstopfen"
Mobilisierungsvideo ruft
zu Studentenprotest auf
·Studenten rufen zu Protest und Streik auf
Bologna-Gipfel der EU
ruft Gegenwehr hervor
·Geistige Reife statt niveauloser Pranger
KOMMENTAR: 'Uni brennt'
feiert Wiederauferstehung
Für die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) bietet die heute beginnende Jubiläumskonferenz zu zehn Jahren Bologna-Prozess keinen Anlass zum Feiern. "Der Bolognaprozess steckt in der Krise. Die hohen Erwartungen wurden nicht einmal annähernd erfüllt", sagt ÖH-Chefin Sigrid Maurer - und ruft alle Studierenden auf, sich an den geplanten Protestmaßnahmen (Schlagwort: "Bologna Burns") zu beteiligen.
Die Demonstration der Studentenprotestbewegung anlässlich der Jubiläumskonferenz soll heute um 15 Uhr beginnen. Unter dem Motto "Gemeinsam dem Bildungs- und Sozialabbau entgegentreten" sollen die Demo-Teilnehmer über die Mariahilfer Straße und die ehemalige 2er-Linie zum Hauptgebäude der Universität Wien und von dort zum Burgtor marschieren, wo zwischen 17.00 und 18.00 Uhr die Abschlussveranstaltung stattfinden soll.
Bis zu 15.000 Teilnehmer erwartet
Gegen 18.30 sollen sich laut den Organisatoren der Demo mehrere Gruppen bilden, die durch Straßenblockaden den Bildungs- und Wissenschaftsministern aus den 46 Bologna-Teilnehmerländern den Weg in die Hofburg versperren und vor Augen führen wollen, wie sich Zugangsbeschränkungen anfühlen. Die Veranstalter erwarten insgesamt etwa 10.000 bis 15.000 Demoteilnehmer. An der gestrigen Protestveranstaltung in Linz haben allerdings nur gut 50 Personen teilgenommen. Die Polizei hat jedenfalls in der Annahme, dass rund um den Gipfel "eine allgemeine Gefahr für Leben und Gesundheit mehrerer Menschen und Eigentum" entstehen könnte, ein großräumiges Platzverbot rund um den Veranstaltungsort der Konferenz in der Hofburg ab 14.00 Uhr erlassen.
Morgen, Freitag, sind die Protestierenden mit Info-Tischen in der Hofburg vertreten. Von Freitag bis Sonntag laden sie zu einem "Gegengipfel", der an verschiedenen Orten in Wien stattfinden soll. Auch ausländische Studierende aus den meisten der 46 Bologna-Länder werden erwartet.
NIG-Hörsaal über Nacht besetzt
Im Vorfeld der Bologna-Prozess-Feierlichkeiten haben protestierende Studenten wieder zum Mittel der Besetzung gegriffen: Im Neuen Institutsgebäude der Uni Wien wurde Mittwoch Abend zumindest ein Hörsaal besetzt. Ein Vertreter der protestierenden Studenten sprach von "400 bis 500" Studenten, die Uni Wien von "50 bis 100", die mehrere Hör- und Seminarsäle in ihrer Hand hätten.
Die Besetzung war aber nur von kurzer Dauer. Die Studenten sind laut einem Sprecher der Studentenprotestbewegung heute um 7.30 freiwillig abgezogen. Das wurde vom Rektorat der Uni Wien bestätigt, alle Vorlesungen würden regulär stattfinden. "Wir haben Stärke gezeigt und beschlossen, dass es uns nicht schadet, rauszugehen", so der Sprecher der Besetzer.
Bologna zunehmend unter Kritik
Im Zuge der von den Bildungministern von 29 europäischen Ländern im Jahr 1999 beschlossenen Bologna-Erklärung wurde das Ziel festgehalten, einen gemeinsamen Rahmen für die europäischen Hochschulsysteme zu schaffen. Die maßgeblichste Reform im Zuge des Bologna-Prozesses ist die Umstellung auf das dreistufige Bachelor-Master-PhD-Studienabschlusssystem. Ebenfalls festgeschrieben wurde die Einführung eines Leistungspunktesystems nach dem European Credit Transfer System (ECTS).
Die Kritik an Bologna wurde zuletzt wieder spürbar lauter und hat die Audimax-Bewegung des vergangenen Herbstes wieder zum Leben erweckt. Die neuen Bachelorstudien seien zu stark verschult, die Lehrpläne durch die Verkürzung auf drei Jahre überfrachtet und daher kein Raum für wissenschaftliches Arbeiten mehr vorhanden, so die Hauptkritik der Studierenden. Unterstützung für ihr Anliegen erhalten die Proteststudenten von Seiten der Grünen.
Auch Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) hat mittlerweile zugegeben, dass bei der Umsetzung von Bologna in ganz Europa noch Verbesserungsbedarf bestehe. Durch ihre positive Haltung zu Studiengebühren und ihre Pläne, Zugangsbeschränkungen in gewissen Fächern einzuführen, steht Karl allerdings selbst unter scharfer Kritik der verschiedenen Studentenorganisationen. (apa/red)










